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Hückeswagen: Lesung zur Erinnerung an die Bücherverbennungen unter den Nazis

Lesung zu Bücherverbrennungen : Erinnerung als Mahnung

Vor 86 Jahren begannen die politischen Säuberungen an den Universitäten. Hückeswagener Büchernarren erinnerten jetzt mit einer Lesung an diese schlimme Zeit – und hinterließen damit ein ungutes Gefühl für die Zukunft.

Erinnerungen sind nicht immer nur schöne Geschehnisse – doch auch daran muss erinnert werden. So auch am Freitagabend, als eine neue Hückeswagener Bürgergruppierung mit dem Namen „Wir sind mehr im Bergischen“ in der Stadtbücherei zu einer Lesung eingeladen hatte. Anlass waren die Verbrennungen der Bücher von Autoren, deren Gesinnung den Nationalsozialisten nicht genehm war. Die Lesung „Anders als die Anderen“ wollte an das barbarische Verhalten der Nazis am 10. Mai 1933 erinnern, als die politische Säuberungen an den Universitäten begannen. Irmgard Hannoschöck erläuterte die Hintergründe der Bücherverbrennungen der Werke von über 90 Autoren in einer kurzen Einleitung, die einen bedrückt zurückließ.

Sechs Vorleser hatten sich verschiedenen Werken der Autoren Alfred Polgar, Bertolt Brecht, Ödön von Horváth, Albert Einstein, Bertha von Suttner, Erich Maria Remarque, Alfred Kerr, Else Lasker-Schüler und Mascha Kaleko angenommen. Neben Hannoschöck selbst, die Brechts „Bücherverbrennung“ vorlas, waren das Britta Bognanni, Felix Frauendorf, Kiane l‘Azin, Christine Kaula und Beate Bröring. Musikalisch umrahmt wurde die rund zweistündige Lesung vom Duo Tangoyim, das verschiedene Klezmer-Stücke und jiddische Lieder präsentierte.

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Stephan Berger.
foto: privat
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Warum die Autoren den Faschisten ein Dorn im Auge waren, wurde schnell klar, wenn man den vorgelesenen Werken zuhörte. So etwa „Unterhalte doch gut!“ von Alfred Polgar, das Gedicht „An die Nachgeborenen“ von Brecht, oder die Auszüge aus „Die Waffen nieder!“ von Bertha von Suttner. Denn auch wenn die Texte aus der dunkelsten Zeit Deutschlands stammten, waren sie doch frei von jeglicher Ideologie, Heimatdünkel und Deutschtümelei. Sie waren humorvoll, wie zumindest das erste Werk des Satirikers Polgar, aber sie waren natürlich auch deutlich regimekritisch, wie etwa Brechts Gedicht, in dem er mit einer Zeile wie „Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten...“ deutlich machte, was er von den faschistischen Machthabern hielt.

Diese Texte machten nachdenklich, ließen einen demütig werden, darüber, dass man sich in unseren Zeiten im Grunde genommen ja keine Sorgen um eine Zerstörung, Unterdrückung und Verdammung der Kultur und Freiheit machen musste. Doch im nächsten Gedanken wurde man sich des um sich greifenden Populismus einer sogenannten Alternative gewahr, die Andersdenkende nicht erst seit gestern angreift und auszugrenzen versucht. Und dann stellte man solche Gedanken im Kontext einer Lesung wie der am Freitagabend doch wieder in Frage. Insofern war die Lesung nicht nur eine wichtige Erinnerung an andere, schreckliche Zeiten, sondern auch eine Mahnung für die ganz unmittelbare Zukunft.