Hückeswagen: Launiges und Ernsthaftes mit Wolfgang Bosbach

Kolpingsfamilie : Launiges und Ernsthaftes mit Bosbach

Im vollbesetzten Kolpinghaus lauschten mehr als 100 Besucher dem interessanten Gespräch zwischen dem ehemaligen CDU-Spitzenpolitiker und der Moderatorin Susanne Wieseler. Yvonne Willicks war erkrankt und hatte abgesagt.

Mit gut 100 Besuchern war der Saal im Kolpinghaus am Montagabend mehr als gut gefüllt, als der ehemalige CDU-Spitzenpolitiker im Bund Wolfgang Bosbach zum meist launigen Gespräch in die Schloss-Stadt gekommen war. Eingeladen hatte die Hückeswagener Kolpingsfamilie, moderiert werden sollte der Abend eigentlich von der ihrerseits ebenfalls bei Kolping aktiven Moderatorin Yvonne Willicks. Die war jedoch kurzfristig erkrankt, und so nahm Susanne Wieseler neben Bosbach auf der kleinen Bühne Platz. Auch Wieseler kannten die Hückeswagener aus dem Fernsehen, sagte Hans-Georg Breidenbach von der Kolpingsfamilie. „Frau Wieseler moderiert etwa die Aktuelle Stunde und war so freundlich, sehr kurzfristig einzuspringen, nachdem Frau Willicks am Nachmittag absagen musste.“

Und Wieseler merkte man diese Tatsache zu keiner Sekunde an. Die Fernsehjournalistin führte das Gespräch, als hätte sie sich wochenlang darauf vorbereiten können. Den Ton des Abends gab sie direkt in ihrer Einleitung vor: „Wir haben heute ja Zeit, also können wir direkt am Anfang beginnen.“ Denn natürlich war der Bergisch Gladbacher Bosbach auch wegen seines neuen Buchs „Endspurt. Wie Politik tatsächlich ist – und wie sie sein sollte“ in die Schloss-Stadt gekommen. Allerdings ging es in erster Linie um den Menschen und den Politiker Wolfgang Bosbach – in seinen eigenen Worten. Und das war zum einen launig, führte aber auch in ernstere Bereiche der bundesdeutschen Politik, die der 64-Jährige seit vielen Jahrzehnten miterlebte und auch mitprägen konnte. So ging es etwa um den Einstieg in eben diese Politik, die für Bosbach erst mit 20 Jahren zur Parteipolitik wurde. 1972 sei er nämlich in die Junge Union eingetreten. „Aber politisches Engagement kannte ich schon vorher. Wer mich hingegen für konservativ hält, hat meinen Papa nicht gekannt“, sagte Bosbach, durchaus selbstironisch. Die beherrschenden Themen seiner Jugend seien ja die neue Ostpolitik von Willy Brandt zum einen und der Schutz des ungeborenen Lebens zum anderen gewesen. Themen, die ihn letztlich zur CDU geführt hätten.

Dabei habe er vorher einen durchaus soliden Beruf erlernt. „Ich habe Einzelhandelskaufmann gelernt. Und interessanterweise war ich als Lehrling in dem Supermarkt der Konsumgenossenschaft Köln tätig, in den ich später als Chef zurückkehrte“, erzählte Bosbach. Unter dem Gelächter des Publikums fügte er an: „Und ich konnte mich noch genau daran erinnern, wer nett zum Lehrling Bosbach gewesen ist und wer nicht.“ Allerdings habe er im erlernten Ursprungsberuf genau das gelernt, was ihm später in der Politik, nach dem Jura-Studium, sehr geholfen habe. „Der Umgang mit den Menschen war eine der besten Erfahrungen, die ich gemacht habe“, betonte der 64-Jährige. Und damit auch der Umgang mit Reklamationen. „Denn solange die Menschen noch zur Reklamation kommen, hat man sie nicht verloren. Das gilt im Einzelhandel wie in der Politik.“

Wieseler stellte kluge Fragen, gab ihrem Gegenüber auch die Gelegenheit, schlagfertig zu sein. Als sie etwa über sich sagte: „Ich komme ja aus einer zutiefst sozialdemokratischen Familie. Mein Vater hat uns Kindern immer fünf Mark gegeben, wenn die SPD eine Wahl gewonnen hat.“ Und er erwiderte: „Dann hat er ja nicht viel ausgeben müssen.“ Gleichzeitig ging es jedoch um ernste Themen, etwa die Griechenlandrettung. Oder den Brexit, über den er sagte: „Selbst, wenn ein neues Referendum ein anderes Ergebnis brächte – die Debatte wird bleiben.“

Er betonte dabei den europäischen Gedanken: „Nicht der Euro ist der Mittelpunkt, sondern die Tatsache, dass wir nicht mehr aufeinander losgehen, sondern aufeinander zu.“ Auch über das Thema Zuwanderung sprach er, betonte die großen Herausforderungen, vor denen Deutschland stehe. Und lobte gleichzeitig den Mittelstand, das Handwerk und Familienbetriebe: „Die helfen uns bei der Integration wesentlich mehr als die Großindustrie.“

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