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Hückeswagen: Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke war zu Gast.

Besuch in Hückeswagen : Landeskonservatorin lobt Verwaltung

Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke hat auf ihrer Reise durch NRW Halt in der Schloss-Stadt gemacht. Dabei erteilt sie der Verwaltung Bestnoten und lobt sie für die Pläne für die künftige Schlossnutzung und den Pavillon im Rosengarten.

Andreas Schröder kennt diese Momente, wenn Touristen mit großen Augen vor dem Schloss in Hückeswagen stehen. Früher oder später stellen die Besucher immer die gleiche Frage: „Wie wird das Schloss denn genutzt?“ Wenn der Bauamtsleiter dann antwortet, sieht er die Enttäuschung in den Augen der Besucher. Dass die Verwaltung ihr Zuhause in den ehrwürdigen Mauern hat, scheint vielen etwas zu langweilig. Und auch die Verwaltung wünscht sich, dass das Schloss in Zukunft zu einem Begegnungsort für die Menschen wird – für die Einheimischen genauso wie für die Besucher. „Das Schloss hat eine hohe Bedeutung für die Hückeswagener“, weiß Schröder. „Sie sollen es auch mehr nutzen können.“

Inzwischen hat sich die Umgestaltung des Schlosses als eines der Projekte für das Förderprogramm Regionale 2025 qualifiziert. Früh griffen die Verantwortlichen der Verwaltung bei ihren Planungen zum Telefon und riefen im Amt für Denkmalpflege an. „Dass wir so früh in die Prozesse eingebunden werden, ist ungewöhnlich und umso erfreulicher“, erklärt Dr. Andrea Pufke, Landeskonservatorin und Leiterin des Amts für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR), als sie gemeinsam mit ihrem Team Station am Schloss und am Pavillon im Rosengarten macht. Sie schickt gleich vorneweg: „Denkmalpflege muss nicht wehtun. Wir wollen mit den Projektträgern gemeinsame, gute Lösungen finden.“ Dass die Stadt Hückeswagen dabei auf einem guten Weg sei, betont die Landeskonservatorin gleich mehrfach – und verspricht Unterstützung.

Langfristig sollen im Schloss nicht nur die Rathaus-Mitarbeiter einen Platz finden, sondern unter anderem auch Räume für Gastronomie und Veranstaltungen sowie Co-Working-Plätze entstehen – selbstständige und kleine Unternehmen können tageweise Büros mieten. Den Bedarf dafür gibt es. „Die Arbeitswelt verändert sich“, sagt Schröder. „Und wir wollen herausfinden, wie wir diesen Prozess begleiten können.“

Der Ratssaal, der aktuell nicht den nötigen Brandschutzauflagen genügt, soll künftig (wieder) politisch, aber auch von der Öffentlichkeit genutzt werden können. Veranstaltungen sollen im Schloss möglich werden. „Und wir denken auch die soziale Komponente mit und wollen Raum für Begegnung schaffen“, versichert der Bauamtsleiter. Deswegen soll ein kleines Bistro entstehen. Er ist sich sicher, dass für alle Ideen genug Platz ist. Eine Machbarkeitsstudie soll nun klären, welche Modelle im Schloss umgesetzt werden können.

Für die bauliche Prüfung hat die Stadt mit dem Amt für Denkmalschutz einen Verbündeten gefunden: „Wir wollen hinter die Wände sehen“, erklärt Andrea Pufke. Die Bausubstanz und Spuren der Vergangenheit des alten Grafenschlosses sollen untersucht werden. „Wer weiß, vielleicht finden wir ja barocke Putze“, meint Schröder. Und es sei nichts Neues, dass die „chronische Unterfinanzierung“ dazu geführt habe, dass das Gebäude gelitten habe. „Wenn wir nichts tun würden, dann würde man uns das Schloss irgendwann vor der Nase zuschließen“, stellt Schröder klar. Er freut sich über das Lob vom Denkmalschutz, dass die Stadt zu ihrem Schloss stehe und investieren wolle. Doch erst wenn die Machbarkeitsstudie im ersten Halbjahr 2021 steht und die Fachleute hinter die Fassaden geblickt haben, soll weiter gedacht werden. Die Pläne müssen wegen der Förderung bis spätestens 2025 stehen. Schröder: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir dann schon angefangen haben zu bauen.“

Einen großen Schritt weiter ist die Stadt mit der Sanierung des Gartenpavillons, der 2002 von der Bongardstraße in den Rosengarten umgezogen war (s. Info-Kasten). In vier Wochen könnten die Arbeiten abgeschlossen sein. „Wir sind begeistert von diesem Projekt“, lobt die Landeskonservatorin beim Blick ins Innere. Die Zeit hatte an dem Holz genagt, Wasser hatte für Schäden gesorgt: Im Herbst 2018 musste der Pavillon abgebaut werden, das Holz war zur Sanierung zu einem Schreiner in Wuppertal gebracht worden. Seit Juni wird das kleine Schmuckstück wieder aufgebaut: In der nächsten Wochen sollen laut Dieter Klewinghaus, Leiter des Regionalen Gebäudemanagements, die Dacharbeiten abgeschlossen werden.

Die Farben für den Anstrich sind bereits abgestimmt und eingekauft. „Jetzt warten wir auf gutes Wetter“, erklärt Klewinghaus. Neue Elektroleitungen wurden inzwischen gelegt, die künftig auch dafür sorgen sollen, dass fünf Gemälde aus dem frühen 20. Jahrhunderts ins rechte Licht gerückt werden können. Im Spätsommer könnten dann wieder die Hochzeiten im Rosengarten stattfinden – Vormerkungen dafür gibt es allerdings noch keine. „Dass die Stadt sich dieses kleinen Schmuckstücks fraglos angenommen hat und sogar ohne Förderung die Sanierung gestemmt hat, ist eine großartige Leistung“, betont. Andrea Pufke. Schon jetzt strahle es wieder jenen Glanz aus, der Denkmälern vorbehalten sei.