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Hückeswagen: Landesbetrieb Straßen lässt wild wachsende Bäume fällen

Bürgermonitor in Hückeswagen : Dem Wildwuchs geht’s im Stadtgebiet massiv an die Stämme

Überall in Hückeswagen und in der bergischen Region werden derzeit Bäume gefällt. Aus Sicherheitsgründen, heißt es beim Landesbetrieb Straßen.

Manche Ecken von Hückeswagen erscheinen plötzlich in einem ganz anderen Licht. Denn Bäume und Sträucher, die seit Jahren die Sicht versperrt haben, geben seit kurzem den Blick auf das Dahinterliegende frei. Wie etwa an der K 5, wo nun die Hinteransicht des Kobeshofener Fleischmarkts zum Vorschein gekommen ist. In den Nachbarstädten ist das nicht anders: Auch dort wurden zum Jahresende 2019 hin verstärkt Bäume und Sträucher gekappt. Und fast überall wurden diese ordentlich aufgereiht an den Böschungen neben den Fahrbahnrändern liegen gelassen.

„Das ist unmöglich“, findet Manfred Schoenfeld. Das Land lasse vieles kahlschneiden, wo Vögel im Frühjahr brüten könnten. „Denen fehlen nun die Nistmöglichkeiten“, sagt er am Bürgermonitor unserer Redaktion und verweist auf die Landstraße 68 bei Straßburg. Vieles wachse dort seit 35 Jahren, jetzt sei die „tolle Hecke“ niedergemacht worden. Schoenfeld ärgert sich auch deshalb über den Kahlschlag, weil etwa Landwirte, wenn sie Bäume fällen würden, Ausgleichsmaßnahmen schaffen müssten.

 Auch an der K 5 fielen Bäume – freier Blick auf die Rückseite des Kobeshofener Fleischmarkts.
Auch an der K 5 fielen Bäume – freier Blick auf die Rückseite des Kobeshofener Fleischmarkts. Foto: Stephan Büllesbach

Johannes Szmais, Sprecher der Gummersbacher Niederlassung des Landesbetriebs Straßen, erläutert die Hintergründe für die verstärkten Abholzungen im Verkehrsraum. Zum einen gäbe es die Straßenbäume – Tausende an der Zahl –, um die sich der Landesbetrieb kümmern würde. Jeder einzelne Baum sei GPS-verortet und habe eine Akte. Baumkontrolleure schauen sich in unterschiedlichen Zeiträumen die Bäume an, ob sie gesund sind, sogenanntes Totholz in der Krone oder den Ästen liegt und entfernt werden muss oder die Bäume krank sind und deshalb gefällt werden müssen. Schließlich stellen sie in einem solchen Fall eine Gefahr für Autofahrer und Fußgänger dar.

So hatte etwa die Dürre der vergangenen zwei Jahre dafür gesorgt, dass im November fünf Ahorne an der B 237 zwischen Schmalbeinsweg und Junkernbusch der Motorsäge zum Opfer gefallen waren: Ein Pilz hatte sich sich bei ihnen eingenistet und sie letztlich zum Absterben gebracht (die BM berichtete).

Dann gibt es da noch die Bestandsbäume, „den Rest“, wie Johannes Szmais die Vegetation am Fahrbahnrand bezeichnet. „Das ist alles, was Blätter hat“, erläutert er. Allerdings handele es sich dabei um über Jahrzehnte gewachsenen Wildwuchs. Das ist laut des Sprechers auch die Vegetation an der L 68, die kurz vor Weihnachten gefällt wurde. „Das waren Bäume mit kleinerem Durchmesser und teilweise auch Büsche“, berichtet Szmais.

Diesen Wildwuchs ebenfalls regelmäßigen Kontrollen zu unterziehen, wie das bei den Straßenbäumen der Fall ist, sei personell nicht möglich. Daher falle alle 20 bis 30 Jahre eine Pflegemaßnahme an – die den weitgehenden Kahlschlag bedeutet. Der sei nun etwa in Straßburg notwendig gewesen, um letztlich die Sicherheit des Verkehrs zu gewährleisten. Da sind etwa Äste unkontrolliert so gewachsen, dass sie bald in die Straße hinein geragt hätten. Und bei Pappeln könne es schon mal passieren, dass sie bereits nach fünf Jahren einfach „auf die Straße klatschen“. Um die Kontrolle nicht zu verlieren, sei daher jetzt das Dickicht an den Straßenrändern wie an der L 68 durchforstet worden. Die abgesägten Bäume und Sträucher sollen demnächst an Ort und Stelle gehäckselt werden.

Johannes Szmais beruhigt: „Natürlich sieht das jetzt kahl aus. Aber nach zwei Jahren sind neue Triebe ausgeschlagen. Das fällt dann nicht mehr auf.“