Landwirte in Hückeswagen Kreisbauernschaft beklagt drastisch sinkende Mitgliederzahlen

Hückeswagen · Knapp 30 Anwesende waren zur Winterversammlung der Kreisbauernschaft Oberberg ins Kolpinghaus gekommen. Unterschiedliche Themen wurden behandelt.

Auch ein Thema bei der Mitgliederversammlung der Kreisbauernschaft: das Düngerecht, das schon seit Jahren für Ärger und Unverständnis sorgt.

Auch ein Thema bei der Mitgliederversammlung der Kreisbauernschaft: das Düngerecht, das schon seit Jahren für Ärger und Unverständnis sorgt.

Foto: dpa/Axel Heimken

Nach Abklingen der Corona-Pandemie hatte die Kreisbauernschaft Oberberg am Donnerstagvormittag erstmals wieder zur Mitgliederversammlung ins Kolpinghaus eingeladen. Zwar hatte es auch in der Pandemie-Zeit virtuelle Alternativen und Informationsveranstaltungen gegeben, aber dennoch war man sichtlich froh, sich wieder einmal persönlich begegnen zu können.

Ursula Jandel, die Geschäftsführerin der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer in Lindlar, berichtete direkt zu Beginn über ein Thema, das unter den Landwirten seit vielen Jahren für Ärger und Unverständnis sorgte: das Düngerecht. „Die Änderungen, die sich aus einem Klageverfahren der EU seit 2018 ergeben haben, sind nun zum Jahreswechsel tatsächlich in Kraft getreten. Und die Änderung betrifft erstmals auch das Bergische Land – selbst wenn der Oberbergische Kreis noch an einer roten Einstufung vorbeigekommen ist“, sagte Ursula Jandel.

Der Grund liege in einer Veränderung der Messmethode veborgen – denn ansonsten habe sich an den Gegebenheiten ja nichts geändert. „An fünf Messstellen für unseren 40.000 Hektar großen Grundwasserkörper in Nordrhein-Westfalen wird turnusgemäß gemessen, der Grenzwert liegt dabei bei 50 mg Nitrat pro Liter. Die für uns relevante Messstelle ist in Burscheid“, sagte Ursula Jandel. Dort sei mit einer steigenden Tendenz über die vergangenen Messungen ein Wert von 48 mg pro Liter gemessen worden. „Und bei einer solchen steigenden Tendenz wird der jeweilige Feldblock, der zur Messstelle gehört, als rotes Gebiet ausgezeichnet.“ Durch diese andere Messmethode sei eine erhebliche Betroffenheit in der Region zu verzeichnen – mit einer Düngung unter Bedarf sowie eine Verlängerung der Sperrfristen für die Ausbringung des Wirtschaftsdüngers. „Wir haben jetzt 500.000 Hektar roter Fläche im Vergleich zu 139.000 Hektar vor der Änderung“, sagt Ursula Jandel. Auch im Kolpinghaus reagierte man mit Unverständnis auf das Thema. „Der einzig wirklich Betroffene davon ist die Landwirtschaft“, sagte ein Landwirt.

Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Oberberg, Franz Bellinghausen, berichtete später von sinkenden Mitgliederzahlen. „Von 2000 bis 2022 haben uns 45 Prozent den Rücken gekehrt. In Zahlen heißt das, dass von 772 Betrieben im Jahr 2000 nur noch 401 im Jahr 2022 Mitglied in der Kreisbauernschaft sind“, sagte er. Interessanterweise seien die bewirtschafteten Flächen in diesem Zusammenhang nur um 20 Prozent gesunken. „Die Flächen werden also von weniger Landwirten bewirtschaft. Allerdings werden hier wohl leider nicht alle Flächen angegeben, die auch bewirtschaftet werden, was sich am Ende natürlich auch finanziell bei uns bemerkbar macht. Ich kann da nur auf die Ehrlichkeit der Betriebe appellieren“, sagte Bellinghausen. Aktuell seien 18.000 Hektar bewirtschaftete Flächen Teil der Kreisbauernschaft. Auch das Thema „Wolf“ sprach Bellinghausen kurz an. „Der wird sicher auch in den kommenden Jahren hier Thema sein und sich im Bergischen Land sein Revier suchen“, sagte er. Es werde also auch künftig zu Schäden an Tieren kommen, davon könne man ausgehen. Man stehe hierzu in Kontakt mit der Landesregierung.

Bernd Schnippering, der Kreislandwirt für Oberberg, hatte dann noch ein Thema, das vielleicht nur auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich wirkte. „Mir geht es darum, die Themen Landwirtschaft und Ehrenamt zu verbinden“, sagte der Wipperfürther. Er wisse natürlich, dass gerade die Landwirtschaft ein Berufsfeld sei, in dem Zeit eher Mangelware sei. „Dennoch geht es ja auch darum, dass wir gehört werden, dass wir sichtbar sind“, sagte Schnippering. Er selbst sei etwa im Stadtrat in Wipperfürth als Ratsherr aktiv. Ein Hintergrund für sein Anliegen sei auch, dass ganz allgemein das ehrenamtliche Engagement rückläufig sei. „Es wird immer schwieriger, Mitarbeiter im Ehrenamt zu finden – und dennoch bin ich der Ansicht, dass auch wir Landwirte dort mitarbeiten sollten. Sei es im Kindergarten, im Seniorenbereich, im Verein oder eben der Kommunalpolitik“, sagte der oberbergische Kreislandwirt.

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