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Hückeswagen: Konzept für gemeinsame Stadtbibliothek

Zukunft der Stadtbüchereien : Konzept für gemeinsame Stadtbibliothek

Ein Team von Master-Studenten aus Köln hat mit seinem Professor Dr. Tom Becker im Kultur-Haus Zach die Ergebnisse seiner umfangreichen Arbeit vorgestellt. Thema war die Zukunft der Bibliotheken in Hückeswagen und Wipperfürth.

Die Zukunft der Stadtbibliotheken in Hückeswagen und Wipperfürth bewegt die Menschen. Das Kultur-Haus Zach war voll besetzt, als der Kölner Professor für Medienmanagement Dr. Tom Becker das von seinen Master-Studenten an der TH Köln erarbeitete Konzept vorstellte. Nicht nur die Bürgermeister Dietmar Persian und Michael von Rekowski, sondern auch die Mitglieder der Schulausschüsse waren gekommen, außerdem viele Bürger, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Bibliotheken und Vertreter des Freundeskreises der Hückeswagener Stadtbibliothek.

Das Konzept läuft unter dem Motto „Unsere Bibliothek unter zwei Dächern“. Erarbeitet haben die Studenten, die selbst alle über langjährige Erfahrungen als Bibliothekare verfügen, Handlungsempfehlungen, die in Zeiten knapper Haushaltskassen ein Überleben der beiden Häuser sichern könnten. Dabei, sagte Heike Pflugner, die selbst als Leiterin der Stadtbibliothek Recklinghausen arbeitet und derzeit im dritten Semester den Master-Studiengang absolviert, direkt: „Ohne eine Erhöhung des Etats wird es nicht gehen.“ Pflugner war mit Becker nach Hückeswagen gekommen, um das Konzept vorzustellen. Man habe ein dänisches Modell, das der „four spaces“, für die beiden Kleinstädte adaptiert. „Dabei haben wir das Modell auf drei Säulen reduziert: den Lernort, das Wohnzimmer der Stadt und die Freizeitbibliothek“, sagte Becker. Diese sollten in beiden Häusern stattfinden, wenngleich in unterschiedlicher Gewichtung.

So sei die Hückeswagener Bibliothek aufgrund der räumlichen Gegebenheiten hauptsächlich als Wohnzimmer der Stadt sowie als Freizeitbibliothek vorgesehen, weniger als Lernort – in Wipperfürth sei das andersherum sinnvoller. „Auch wegen der Nähe zu den Gymnasien und wegen der neuen EvB-Mensa mit Selbstlernzentrum“, sagte Becker. Die verschiedenen Säulen hätten unterschiedliche Inhalte: „Im Lernort steht die Bildungs- und Ausbildungsunterstützung im Mittelpunkt, in der Freizeitbibliothek die populären Medien, Ratgeber und Unterhaltung, und im Wohnzimmer trifft man sich, informiert man sich und kann Veranstaltungen organisieren“, sagte Becker.

Letztlich gehe es darum, wie man Bibliothek im 21. Jahrhundert leben wolle. Pflugner ergänzte auf die Frage aus dem Publikum, ob es in fünf oder zehn Jahren überhaupt noch klassische Bibliotheken geben werde: „Bibliotheken sind nicht mehr Orte der Ausleihe, sondern Orte der Begegnung. Aber: Bibliotheken sind und bleiben die Orte, an denen Kinder das Lesen lernen können.“ Bestand und Ausleihe seien Punkte, die immer weniger Bestand haben, sagte Becker. „Bibliotheken sind aber weiche Standortfaktoren und bringen Frequenz. Es bleibt aber die Frage, ob und wie viel man politisch darin investieren will.“

Die Frage nach den Synergien in der „Bibliothek unter zwei Dächern“ wurde ebenfalls gestellt. Diese gebe es durch gemeinsame Leihausweise, Leitbild, Erwerbungsetats, eine fachliche Leitung für beide Häuser und aufeinander abgestimmte Öffnungszeiten, sagte Pflugner. Eine nötige Personalaufstockung um drei Stellen könne man durch das Angebot der Ausbildung, durch den Einsatz von Bufdis und den Ausbau und die Pflege des vorhandenen Ehrenamts erwirken.

„Die Alternative, die für uns keine war, ist die Schließung der Häuser. Ich bin sehr davon überzeugt, dass das Drei-Säulen-System für die Bedarfe und Möglichkeiten beider Städte und Häuser die richtige Entscheidung ist“, sagte Becker.

Bürgermeister Dietmar Persian betonte, dass eine hauptamtlich geführte Bibliothek ein wichtiger Standortfaktor sei. „Dennoch müssen wir uns fragen, ob wir uns das leisten wollen. Wenn wir das aber wollen, muss uns klar sein: Das kostet Geld.“ Sein Wipperfürther Kollege ergänzte: „Die ganze Bibliotheksarbeit steht auf dem Prüfstand, aber mit der Zielsetzung: Was können beide Städte gemeinsam erreichen?“

Finanzielle Fragen seien noch nicht zum Gegenstand geworden, sagte Persian: „Was bringt uns diese Zusammenarbeit? Das muss jetzt in der Ausschussarbeit thematisiert werden.“