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Hückeswagen: Kontrollfahrten auf der Bever-Talsperre

Ordnungspartnerschaft in Hückeswagen : Abendschicht auf der Bever

An der Bever-Talsperre herrscht Waldbrandgefahr. Deshalb fahren Polizei, Ordnungsamt und der Wupperverband wieder Streifen.

Talsperrenmeister Helmut Selbach verteilt Schwimmwesten an die Kollegen und blickt durch die dunklen Sonnenbrillengläser über den See. Die Sonne steht schon etwas tiefer, aber die Temperaturen liegen noch bei 30 Grad. „Hört mich jemand meckern?“, fragt er lächelnd und gibt sich die Antwort selbst: „Nee, bei dem Job kann man heute Abend wirklich nicht meckern.“ 22 Grad habe das Wasser am Mittag zwei Meter unter der Wasseroberfläche gehabt. Hunderte Badegäste haben sich deswegen auf den Weg zur Bever-Talsperre gemacht. Und während sie nun in Hängematten, Schlauchbooten oder auf Strandmatten Feierabend „chillen“, also entspannen, fährt Selbach gemeinsam mit Guido Kellner und Mario Moritz vom Ordnungsamt der Stadt Patrouille auf der Bever.

Das gehört in diesen Tagen im Jahr zu den Aufgaben der Ordnungspartnerschaft. Sie war am 3. April 2004 nach vielen unschönen Vorfällen wie Wildcampen, Dienbstählen, Schlägereien und sogar riesigen Lagerfeuern besiegelt worden, um Freizeit, Umweltschutz und Wasserwirtschaft zu kombinieren.

Langsam gleitet das Motorboot vom Betriebsgelände des Wupperverbands nahe des Damms hinaus auf die Bever, dabei hält Selbach aufmerksam Ausschau nach Schwimmern. Es zeigt sich schnell: Der Talsperrenmeister ist ein echter Meister seines Faches: Es gibt kaum eine Bucht, an die er das Motorboot nicht lenken kann, keine Kurve, die er nicht perfekt abgemessen hat. Nach ein paar Metern gibt er Gas, fährt am Beverdamm entlang und genießt den Fahrtwind.

Den Blick hat das Trio konzentriert auf die Uferhänge gerichtet. Die kurze Verunsicherung der Badegäste, als sie das Boot des Wupperverbandes entdecken, ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Helmut Selbach grüßt lächelnd, winkt kurz, und die Unsicherheit weicht einem freundlichen Lächeln und einem Gruß. Moritz deutet auf eine Gruppe junger Badegäste. „Da ist eine Shisha im Spiel“, vermutet er. Und die ist im waldigen Uferbereich der Bever – einem ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet – genauso verboten, wie Zigaretten, Feuer oder ein Grill.

Langsam lenkt Talsperrenmeister Selbach den „Beverblitz“ ans Ufer. „Guten Abend“, grüßt Moritz freundlich. Ihm ist egal, was die jungen Erwachsenen rauchen. „Aber bitte nicht hier!“, stellt er freundlich aber bestimmt klar. Der Mitarbeiter der Stadt erklärt den Jungs dann die Waldbrandgefahr, die bereits auf Stufe vier geklettert ist. Die Shisha wird gelöscht und sich allerseits einen „Guten Abend“ gewünscht. Die Fahrt geht weiter.

„Wir wollen nicht von oben herab auf die Menschen zugehen“, betont Moritz. „Die Art der Ansprache ist uns ganz wichtig.“ Und das bedeutet: Das Patrouille-Team geht freundlich und offen auf die Menschen zu, informiert sie, bittet um den Erhalt des besonderen Erholungsgebiets und wirbt um Verständnis. Die meisten Einheimischen wissen ohnehin Bescheid. „Unsere Arbeit hat vor allem präventiven Charakter“, erläutert Moritz. Es gehe gar nicht darum, hohe Strafen zu verhängen. Den Infozettel mit einer Liste der Ordnungswidrigkeiten und dem entsprechenden Bußgeld allerdings hat das Team dabei.

Schon beim nächsten Stopp verteilt Kellner die Zettel: Das Team hat zwei Badegäste beim Rauchen erwischt. „Das ist hier verboten und wird für gewöhnlich mit 80 Euro geahndet“, betont der Mitarbeiter des Ordnungsamts. Darauf verzichtet er an diesem Abend jedoch und belässt es bei der Warnung. Das junge Paar bedankt sich freundlich für den Hinweis und löscht die Zigaretten. „Die Feuerwehr hätte hier keine Chance“, sagt Selbach noch. „Und es will doch keiner, dass hier nur ein schwarzer Fleck bleibt.“ Die Erholungssuchenden am Ufer nicken.

Mehr als zwei Stunden lang fahren die Drei über die Bever, informieren Raucher über die Brandgefahr, verweisen eine Gruppe uneinsichtiger Jugendlicher von dem hohen Felsen in der Bucht von Oberlangenberg, der gerne – aber verbotenerweise – als Sprungturm genutzt wird, fragen Jugendliche hin und wieder nach ihren Ausweisen, wenn sie Alkohol trinken, und entdecken schließlich eine Familie, die einen Grill am Wasser angezündet hat. Würstchen und Grillfleisch sind gerade fertig. „Glück gehabt“, sagt Moritz. „Denn jetzt müssen Sie die Kohle löschen.“ Die Gäste aus Wuppertal wussten nichts von dem Verbot und löschen sofort.

Moritz nimmt die Daten dennoch auf. „Das erste Mal bleibt es bei einer Verwarnung. Wenn Sie noch mal grillen, gibt es ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit und ein Bußgeld“, erklärt er. Das kann zwischen 25 und 1000 Euro liegen.

Auch die Familie bedankt sich und winkt den Männern freundlich nach, die inzwischen den Heimweg antreten. Unterwegs winken sie immer mal wieder den Menschen am Uferrand zu und machen schließlich Feierabend. Die nächste Schicht am See ist schon verabredet.