Hückeswagen: Kolping, Alaaf!

Gala-Sitzung : Kolping, Alaaf!

Auch bei der 87. Galasitzung der Kolpingsfamilie wurden wieder locker und launig das Stadtgeschehen kommentiert sowie Amts- und Würdenträger durch den Kakao gezogen. In erster Linie hatten alle aber fünf Stunden viel Spaß.

Nach etwa fünf Stunden bleibt am Karnevalssonntag, der schon bald in den Rosenmontag übergehen würde, wieder einmal die frohmachende Erkenntnis: Die Kolpingsfamilie in Hückeswagen weiß auch bei der 87. Ausgabe ihrer Galasitzung, wie man eine echte Party schmeißt. Das vielfältige Programm wurde fast ausschließlich aus den eigenen Reihen gestaltet – lediglich der vielbejubelte Auftritt des Tanzcorps Blau-Weiß-Neye und jene der kfd-Frauen Claudia Eberius und Monika Lübbert sowie von Bürgermeister Dietmar Persian und Diakon Burkhard Wittwer kamen ohne direkte Kolping-Beteiligung aus.

Der Hückeswagener Karnevalspräsident Tobias Bosbach, auch ohne Fasanenfedern am Kopf eine imposante Erscheinung, hatte die etwa 200 Jecken im bis zur Bühne komplett besetzten Kolpingsaal jederzeit im Griff. Was auch nicht von den immer noch ausbaufähigen Sangeskünsten der Frohnatur getrübt werden konnte. Dem ging er indes ausgiebig nach, versteckte Drohung inklusive: „Das ging gerade noch, aber gleich kommt ein Lied, vor dem habe ich Angst“, sagte Bosbach in Richtung des einmal mehr famos aufspielenden Trompeters Andreas Niederwipper und seiner Kapelle. Und fügte zum Publikum hinzu: „Solltet ihr auch...“

Ach was, alles halb so wild, sagten die bestens gelaunten Narren und starteten gleich darauf mit Händen und Füßen die erste von insgesamt erstaunlich wenigen Applaus-Raketen dieses Jahres. Was allerdings nicht an der Qualität des Programms lag. Denn das war gewohnt hochwertig und bot vom leichten Schmunzeln bis zum lauten Brüller die ganze Palette karnevalistischen Frohsinns.

Angefangen vom frischgekürten Kinderprinzenpaar, Prinz Elias und Prinzessin Annika, das die erste Hälfte auf der Bühne neben dem Elferrat hautnah am Geschehen verbringen durfte. Über die Kolping-Kids, die als erste das beherrschende Thema des vergangenen Jahres in Liedform kommentierten: „Der wilde, wilde Westen beginnt gleich hinterm Brunsbachtal...“, sangen die als Cowboys verkleideten Nachwuchs-Kolpingmitglieder. Für einen pantomimischen Lacherfolg sorgte die Kolping-Jugend mit einem etwas anderen Kinobesuch. Über Minuten konnte man die Akteure beim Hin- und Hermanövrieren in der Sitzreihe beobachten, was zu Verwicklungen und entsprechenden Heiterkeitsausbrüchen führte.

Ansonsten wurde launig und ohne große Zurückhaltung das kommunalpolitische Geschehen kommentiert. Bürgermeister Dietmar Perisan bekam das eine oder andere Mal stellvertretend das Fett der Jecken ab. Wenn etwa die kfd-Damen Eberius und Lübbert süffisant und unter großem Applaus der Anwesenden fragten, ob das Schloss durch den Neubau auf dem ehemaligen Schloss-Hotel-Gelände wohl vor Angriffen geschützt werden solle. „Vom Schloss sieht man wegen dieses Schandflecks jedenfalls nix mehr.“

Auch Paul Posthorn, alias Heinz Pohl, der am Sonntag seinen 50. Geburtstag mit den wohl meisten Ständchen seines bisherigen Lebens feiern durfte, hatte den Eversberg-Bau sichtlich gefressen. So machte er mit „Innenbauminister Seehofer“ einen Deal: „Wenn Du den Eversberg beschäftigst, dann kann er Hückeswagen nicht weiter verschandeln.“ Überhaupt war Posthorns Auftritt wieder ein echter Höhepunkt. Seine Telefonate mit Lokalprominenz wie Pastor Klein oder Berliner Politikern wie Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer, Heiko Maas sowie Queen Elizabeth II. kamen beim Publikum einmal mehr gut an. Nebenbei zeigte er Bernd Stelter mit einem Zungenbrecher, wie man einen stilvollen AKK-Karnevals-Gag machte.

Den Abschluss markierte wie gewohnt das herrliche Männerballett, das von Bettina Breidenbach in diesem Jahr zur Putztruppe choreografiert wurde. Kolping, Alaaf!

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