Hückeswagen: Kölner Forensik überführt angeklagten Autofahrer

Amtsgericht Wipperfürth : Kölner Forensik überführt angeklagten Autofahrer

Erst die Gerichtsmedizin lieferte eine Erklärung für die Ausfallerscheinungen eines Hückeswagener Autofahrers. Für die Gefährdung des Straßenverkehrs erhielt der 63-Jährige eine Geldstrafe vom Wipperfürther Amtsgericht.

Die Rechtsmedizin in Köln musste sich jetzt mit dem Fall eines 63-jährigen Hückeswageners beschäftigen. Der arbeitslose Kraftfahrer war bei einer nächtlichen Autofahrt auf der Rader Straße im Januar zwei Polizeibeamten aufgefallen, die aufgrund der unsicheren Fahrweise von Trunkenheit am Steuer ausgingen. Für dieses Vergehen musste sich der Hückeswagener jetzt am Wipperführter Amtsgericht zur Strafverhandlung einfinden.

Dort sagte auch eine Polizisten als Zeugin aus, die ihn angehalten hatte: „Der Angeklagte kam uns im Auto mit Fernlicht entgegen, ohne abzublenden“, erinnerte sich die Beamtin. Der Polizeiwagen habe daraufhin gewendet und sei dem Wagen nachgefahren. Der verfolgte Autofahrer sei „eckig“ um die Kurve gefahren und mehrmals schlagartig auf die Gegenfahrspur geraten. Die Polizei stoppte den Fahrer kurz vor dessen Wohnung und ließ sich die Papiere aushändigen. „Es dauerte alles sehr lange, so dass wir gedacht haben, er sei volltrunken“, fügte die Zeugin hinzu. Doch der Atem-Alkoholtest war negativ. Die an Ort und Stelle vorgenommene Urinprobe, wie auch das Ergebnis der Blutprobe, für die die Polizisten den Autofahrer ins Wipperfürther Krankenhaus mitgenommen hatten, deuteten weder auf Alkohol, noch auf einen Drogenkonsum hin. Die eingenommenen Medikamente, die der 63-Jährige den Beamten zeigte, verursachen keine Fahruntüchtigkeit.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, wurde eine forensisch-toxikologische Untersuchung des Bluts angeordnet. Die Toxikologin der Uniklinik Köln bestätigte im Gerichtssaal die vorherigen Untersuchunge, bei gezielten Tests konnte jedoch eine höhere Konzentration von Clonazepam aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine im Blut nachgewiesen werden. „Das Mittel wirkt schlaffördernd, muskelentspannend und beeinträchtigt die Motorik, was dem Eindruck der Polizeibeamten entsprechen würde“, sagte die Forensikerin. Da auch die vom Angeklagten angegebenen Medikamente im Blut gefunden wurden, hielt das Gericht eine Verwechslung der Blutprobe für ausgeschlossen.Ebenfalls wurden verstärkende Wechselwirkungen ausgeschlossen.

Der Angeklagte, der in dieser Nacht seiner Frau etwas zu deren Arbeitsstätte nach Radevormwald gebracht hatte, lieferte zu jeder angesprochenen Ausfallerscheinung eine eigene Begründung. So sei er Schlangenlinien gefahren, weil am Straßenrand Autos parkten, denen er ausweichen musste. „Bei der Urinprobe habe ich mich festhalten müssen, weil die Straße abschüssig war“, war eine Erklärung zu seinen Gleichgewichtsstörungen. Er beteuerte, kein Mittel mit dem Wirkstoff eingenommen zu haben. „Bitte glauben Sie mir, ich sage die Wahrheit“, sagte der Angeklagte, der von einem Anwalt vertreten wurde.

Das Gericht hielt den Hückeswagener aufgrund der Fakten jedoch für überführt. „Ich bin überzeugt, dass es sich bei Ihren Angaben um Schutzbehauptungen handeln muss. Das in der Blutprobe gefundene Mittel passt genau zu den Ausfallerscheinungen. Sie hätten die Fahrt beim Eintreten der Symptome unterbrechen müssen“, betonte die Staatsanwältin.

Darüber hinaus wogen zwei Vorstrafen des 63-Jährige schwer: Er saß bereits wegen schwerem Rauschgiftschmuggel in Schweden im Gefängnis. „Wer das schafft, kommt auch an derartige Medikamente mit berauschender Wirkung ran“, stellte der Richter fest und verurteilte den Hückeswagener wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätze zu je 30 Euro, also 1500 Euro, sowie einem Führerscheinentzug von sechs Monaten. „Die Vorstrafen müssen verschärfend berücksichtigt werden“, erklärte der Richter in seiner Urteilsbegründung und fügte hinzu: „Die Sache in Schweden hängt ihnen noch für lange Zeit nach.“