1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: kfd-Vorsitzende spricht über den alternativen Adventsbasar

Katholische Frauengemeinschaft Hückeswagen : Kränze und Plätzchen auf Bestellung

Wegen der Corona-Pandemie kann der beliebte kfd-Basar in diesem Jahr nicht ausgerichtet werden. Die katholischen Frauen haben sich aber etwas anderes einfallen lassen. Darüber spricht Vorsitzende Beate Knecht im Interview.

Adventsbasare gehören neben dem Pfarrfest zu den gesetzten Veranstaltungen im Jahr von Kirchengemeinden. Aber im Corona-Jahr steht alles auf der Kippe. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands – die Hückeswagener kfd ist mit 176 Jahren die älteste deutsche Ortsgruppe – wurde daraufhin kreativ: Kränze und Plätzchen können vorbestellt werden. Wie die kfd-Frauen auf die Idee kamen, erläutert deren Vorsitzende Beate Knecht im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Frau Knecht, wie läuft der kfd-Adventsbasar in Hückeswagen üblicherweise ab?

Beate Knecht Wir veranstalten den Basar immer am Wochenende vor dem ersten Advent und haben dafür das ganze Gemeindehaus zur Verfügung. Im Erdgeschoss bauen wir einen Trödelstand auf – mit Sachen, die wir das ganze Jahr bei Haushaltsauflösungen oder beim Aussortieren sammeln, die wir noch zu Geld machen können. Das sind Bücher, Schallplatten, aber auch Porzellan und Gläser. Das verkaufen wir wie auf einem Basar; da wird um den Preis gehandelt. Oben, im großen Raum, bieten wir unsere Advents- und Türkränze an, die wir einen Tag vor dem Basar frisch binden. Außerdem gibt es selbst gemachte Marmeladen, Liköre, Öle, Essig, Gebäck und selbst gebastelte Dekoartikel, die gerade im Trend sind. Gute Einnahmen erzielen wir immer mit der gut besuchten Cafeteria; sie kann leider dieses Jahr nicht stattfinden.

Beate Knecht ist Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft von St. Mariä Himmelfahrt in Hückeswagen. Foto: Theresa Demski

Wann war Ihnen und Ihren Mitstreiterinnen klar, dass Sie in diesem Jahr umdenken müssen?

Knecht Bis zum August hatten wir gehofft, dass es doch irgendwie möglich sein könnte. Aber dann war eigentlich klar, dass das nicht geht. Bei dem ständigen Kommen und Gehen ist ein vernünftiges Hygienekonzept kaum umzusetzen. Damit war klar, dass dann auch die fünf internationalen, kirchlichen Projekte, die wir jedes Jahr mit dem Basarerlös von etwa 5000 Euro unterstützen, leer ausgehen. Die Projektträger haben uns angeschrieben mit der Bitte, sie nicht zu vergessen. Sie rechnen mit unserem Geld, das sie seit Jahren bekommen. Also mussten wir uns etwas einfallen lassen – und wir sind ein sehr kreativer Vorstand. . .

Und zu welchem Schluss sind Sie gekommen?

Knecht Statt wie bei einem Präsenz-Basar zu kaufen, können die Kränze, Plätzchen und anderes nun vorab bestellt werden. Wir kamen schnell auf die Idee, eine Bestellliste für unsere Mitglieder zu machen. Wir haben sie mitsamt Erläuterung der Aktion schon im September der kfd-Zeitschrift „Frau und Mutter“ beigelegt. Da unsere Mitarbeiterinnen sie meist persönlich verteilen, haben wir sie gebeten, für die Adventsbasar-Bestellung zu werben. Und Anfang November, wenn die nächste „Frau und Mutter“ an die Haushalte verteilt wird, nehmen unsere Frauen die Bestellscheine wieder mit. Da aber auch andere Menschen sonst gerne zu unserem Basar kommen, haben wir auch in der Zeitung darüber berichtet und legen nun Bestelllisten in der Kirche aus, in die man sich bis Samstag, 7. November, eintragen kann. Die Bestellungen können aber gerne auch telefonisch durchgegeben werden.

Die Bestellaktion ist also auch für ältere Gemeindemitglieder praktikabel.

Knecht Ja, das ist uns ganz wichtig. Gerade Senioren kamen sehr gerne zu uns und haben sich auch mit Adventsgebäck, Adventskranz und Marmeladen eingedeckt. Nun können sie wenigstens am Adventsbasar-Wochenende kurz zu uns ins Gemeindehaus kommen, um ihre Bestellung abzuholen. Und wenn jemand das nicht schafft oder Angst vor Ansteckung hat, dann bringen wir die Sachen im Ausnahmefall auch vorbei.

Neben dem Pfarrfest ist ein Adventsbasar der feste Termin im Gemeindekalender, bei dem es auch vor allem für Senioren um Begegnung geht. War die Enttäuschung nicht groß, dass dieses gemütliche Beisammensein jetzt ausfallen muss?

Knecht Die Rückmeldungen sind natürlich: Schade, schade, schade. Das hört man überall. Wir haben auch nach anderen Möglichkeiten gesucht. Aber es macht wirklich keinen Sinn, draußen in der Kälte etwas zu veranstalten, nur damit man vielleicht einen Glühwein oder eine Tasse Kaffee anbieten kann. Das Gemütliche fehlt dann. Deshalb haben wir uns schweren Herzens entschieden, die Cafeteria lieber ganz ausfallen zu lassen. Ähnlich ist es bei den monatlichen Frauenmessen, bei denen wir sonst immer ein Frühstück angeboten haben. Auch das haben wir seit dem Frühjahr nicht mehr gemacht. Wir haben zwar überlegt, ob wir uns auf dem Kirchplatz an Stehtischen mit einer Tasse Kaffee treffen könnten. In den Sommermonaten wäre das gegangen – aber da war man doch lieber vorsichtig.

In vielen Gemeinden kümmern sich kfd-Frauen um den Adventsbasar. Waren andere Gruppen ähnlich kreativ wie Sie?

Knecht Ende September gab es ein kfd-Dekanatstreffen, da hat jeder über die bisherigen Erfahrungen im Corona-Jahr berichtet. Bei den meisten sind alle geplanten Veranstaltungen ausgefallen, und auch die Adventsbasare sollen ausfallen. Es herrschte eine große Ratlosigkeit. Als wir von unserem alternativen Basar erzählt haben, meinten alle: „Mensch, das ist eine tolle Sache, auf die Idee hätten wir auch kommen können.“ Sie waren sehr an unseren Erfahrungen und Vorbereitungen interessiert. Wir freuen uns natürlich, wenn wir andere mit unserer Idee inspirieren.

(kna)