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Hückeswagen Keine Beweise für Fahrerflucht

Gerichtsverfahren in Wipperfürth : Keine Beweise für Fahrerflucht

Der Angeklagte soll in Dörpe auf ein Fahrzeug aufgefahren sein. Wenige Tage nach dem Vorfall meldete der Mann seinen Wagen als gestohlen. Der Richter stellte das Verfahren gegen Zahlung an die Kreisverkehrswacht ein.

Ein 33-jähriger Wermelskirchener, der in einem Hückeswagener Unternehmen im Gewerbegebiet West 2 arbeitet, musste sich wegen des Vorwurfs der Fahrerflucht im Oktober des Vorjahres in Dörpe vor dem Amtsrichter verantworten. Dabei nahm der an sich recht simple Fall eine kuriose Wendung, weil der Angeklagte wenige Tage nach dem Vorfall auf der Polizeiwache in Burscheid sein Auto als gestohlen meldete.

Deswegen war der 32-jährige Polizeibeamte, der die Anzeige seinerzeit aufgenommen hatte, auch verwirrt, als er nun gegen den Anzeigensteller als Angeklagten eine Zeugenaussage machen musste. „Ich erinnere mich, dass die Anzeige ein wenig seltsam war. Der Mann wusste nicht, wo er seine Schlüssel oder wo er sein Auto abgestellt hatte. Da bin ich schon ein wenig hellhörig geworden“, sagte der Zeuge. Denn normalerweise würden sich die Leute daran erinnern, wo sie ihr Fahrzeug zum letzten Mal gesehen hätten. „Er sagte aber nur, dass er es ‚irgendwo beim Messink‘ an der B51 abgestellt hätte. Das war etwas seltsam“, sagte er Polizeibeamte.

Ein 53-jähriger Polizeibeamter, der im Fall der Fahrerflucht ermittelt hatte, sei sowohl zum Wohnort als auch zum Arbeitsplatz des 33-Jährigen gefahren. „Dort habe ich mit dem Halter gesprochen. Laut Beschreibungen des Geschädigten soll der Fahrer des Unfallwagens ein Baseball-Käppi getragen haben. Ein solches trug auch der Angeklagte im Betrieb“, sagte der Zeuge. Der Angeklagte habe von ihm wissen wollen, worum es gehe. Nachdem er dies gesagt habe, hätte der 33-Jährige gesagt, dass ihm das Auto gestohlen worden sei. „Als was haben Sie den Angeklagten bei der Ermittlung gesehen?“, wollte der Richter wissen. „Als Halter, in erster Linie. Aber eben auch als einen, auf den die Beschreibung des Unfallflüchtigen gepasst hat“, sagte der 53-Jährige.

Im Rahmen der Befragung auch des Schichtleiters des Angeklagten sei dann deutlich geworden, dass ein Verlassen des Arbeitsplatzes auch ohne ein Ausstempeln möglich sei – und durchaus auch vorkommen würde. Das bestätigte der mittlerweile 64-Jährige, als er vom Richter befragt wurde. „Es gibt im Werk in Winterhagen keinen Pförtner, das Tor steht immer offen“, sagte er. Er sei zudem bisweilen bis zu einer Stunde mit dem Einrichten einer Maschine oder anderen Arbeiten beschäftigt, so dass er nicht mitbekomme, wenn sich ein Kollege kurz vom Betriebsgelände entferne. „Eigentlich muss man sich abmelden, aber das macht heute kaum noch einer“, sagte der Zeuge.

Der Geschädigte war ein 39-jähriger Elektriker aus Hückeswagen. „Ich kann nicht viel mehr sagen, als dass ich im Firmenwagen von Winterhagen nach Niederdorp unterwegs war. Beim Abbiegen knallte es von hinten. Der Unfallverursacher ist weggefahren, ich habe nur gesehen, dass er eine Kappe trug, aber erkannt habe ich ihn nicht. Der Schaden von rund 9000 Euro ist mittlerweile beglichen worden“, sagte der 39-Jährige.

Der Amtsrichter führte im Anschluss an die Beweisaufnahme ein kurzes Gespräch mit den Verfahrensbeteiligten. Demnach einigte man sich auf eine Einstellung des Verfahrens unter der Auflage der Zahlung von 900 Euro an die Kreisverkehrswacht Oberberg.