1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: Kammerforsterhöhe wird von B 237 in zwei Hälften geteilt

Hückeswagener Orts- und Straßennamen : Von der B 237 in zwei Hälften geteilt

Erste Erwähnungen der Ortschaft gibt es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Heute gibt es acht Wohnhäuser.

Die meisten Hückeswagener kennen Kammerforsterhöhe aus zwei Gründen: wegen der Blitzeranlage an der Bundesstraße Richtung Schmalbeinsweg und des Verkaufsstands für Erdbeeren auf dem Parkplatz an der Abzweigung in Richtung Scheideweg. Dabei ist Kammerforsterhöhe, das unmittelbar am Rand von Wiehagen liegt und von der B 237 geteilt wird, tatsächlich eine kleine Ortschaft in der Schloss-Stadt, deren Wurzeln bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückreichen.

Johannes Meier-Frankenfeld lebt hier seit 67 Jahren, denn er wurde dort geboren. 1844 hieß die Ortschaft noch Kamerforst und war nur ein Wohnplatz, ab 1893 ist sie mit Kamerforsterhöhe eingezeichnet, ab 1956 dann in der heutigen Schreibweise mit zwei m. Auf was sich die Bezeichnung „Kamerforst“ bezieht, ist allerdings unklar. Dünn besiedelt war Kammerforsterhöhe damals wie heute. Zwei Wohnhäuser habe es im 19. Jahrhundert dort gegeben, heute seien es immerhin acht, auf beiden Seiten der Bundesstraße 237.

Das „Piersch Huus“ in Kammerforsterhöhe wurde am 8. November 2006 abgerissen. Foto: Archiv Meier-Frankenfeld

Wer sie an der sogenannten Schnabelsecke, der Gabelung August-Lütgenau-Straße und Friedrichstraße über Brunsbach und Grünental aufwärts fährt, kam bis zum 8. November 2006 am „Piersch Huus“ vorbei. „Das war eine Gaststätte, deren Wurzeln weit zurückreichen. Das dürfte wohl das älteste Haus in Kammerforsterhöhe gewesen sein“, sagt Meier-Frankenfeld. Das stattliche Gebäude, das später lange Zeit ein Übergangswohnheim war, musste vor 14 Jahren weichen, weil es baufällig war, erinnert sich Meier-Frankenfelds Mutter Hilde. Heute werden im Sommer auf dem ehemaligen Gelände Erdbeeren verkauft.

Hilde Meier-Frankenfeld kam mit ihrem Mann Hermann im Dezember 1952 aus dem Kreis Gütersloh nach Hückeswagen. „Wir hatten über einen Makler das Haus Kammerforsterhöhe 3 gekauft und mussten zunächst zusammen mit anderen zwangseingewiesenen Mietern dort wohnen“, erinnert sie sich. Im März 1953 wurde Johannes Meier-Frankenfeld im Wohnhaus geboren, im Oktober 1959 sein Bruder Norbert. Es dauerte einige Jahre, ehe die junge Familie das gekaufte Haus alleine bewohnen konnte. „Irgendwann einmal sollten wir sogar wieder ausziehen, aber zum Glück konnten wir das verhindern“, sagt Hilde Meier-Frankenfeld.

Die Anfänge in der neuen Heimat seien also durchaus nicht einfach gewesen – auch weil der Gütersloher Dialekt und die Tatsache, dass die Meier-Frankenfelds oft Holzschuhe trugen, bei den Hückeswagenern den Eindruck erweckten, sie seien Holländer. Dennoch hätten die Eltern nach und nach eine der größten Geflügelzuchten im Bergischen Land auf die Beine gestellt. „1967 haben meine Eltern eine Brutmaschine angeschafft, in der bis zu 16.000 Eier gleichzeitig ausgebrütet werden konnten“, erzählt Meier-Frankenfeld.

Er selbst hat auch noch viele Erinnerungen an jene Zeit. „Als Kinder sind wir mit Begeisterung im Auto bei den Eltern mitgefahren, wenn es um den Ankauf und die Auslieferung von Junghennen ging. Man hat uns Kindern nachgesagt, dass wir im Auto großgeworden seien“, sagt der 67-Jährige lachend. Die Geflügelzucht führten die Meier-Frankenfelds bis in die 1980er-Jahre hinein. „Das letzte Huhn von Kammerforsterhöhe wurde 1989 verkauft“, sagt Meier-Frankenfeld.

Bereits 1986 hatte er zusammen mit seiner Frau Petra den ersten großen Hühnerstall in ein Wohnhaus umgebaut, sein Bruder tat es ihm 2000 mit einem anderen ehemaligen Stall gleich. Die Geflügelzucht fiel in den 1980er-Jahren in eine Rezession, da die Kleinkunden ausblieben und die Zeit der Legehennen-Käfighaltung anbrach.

Der Blick aus dem Fenster ging lange Jahrzehnte auf die grüne Wiese. Das ändert sich nun mit der aktuellen Erschließung des Gewerbegebiets West 3, sagt Meier-Frankenfeld. „Das ist nicht so schön, wenn man hier künftig auf gewerbliche Gebäude schauen muss.“ Und auch der Verkehrslärm habe sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verstärkt. Dennoch sagen sowohl Mutter als auch Sohn einhellig: „Wir wollen hier nicht mehr weg, Kammerforsterhöhe ist unser Zuhause.“