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Hückeswagen: Kaffeefarmer aus Kenia zu Besuch

Afrikanische Gäste in Hückeswagen : Verkostung mit Kaffeefarmer aus Kenia

Lina und Paul Lilan besuchten am Wochenende das kleine Unternehmen „Mehrwert Kaffee“ in Oberdorp – um Kaffee zu trinken und den Gästen ihre faszinierende Geschichte zu erzählen.

Paul Lilan nimmt lachend die kleine Tasse zur Hand. Es kommt selten vor, dass ihm jemand einen Cappuccino serviert, auf den am Ende mit Milchschaum eine Blume gemalt wird. Mit geschlossenen Augen nimmt er den ersten Schluck und grinst. Schließlich kennt er die Bohne genau, welche die Basis für den Geschmack legt. Sie wächst auf seiner Farm in Kenia, und sie hat eine Geschichte. Paul Lilan und Ehefrau Lina sind fast 6300 Kilometer gereist, um diese Geschichte am Samstag in Oberdorp zu erzählen.

Dort hat Chris Pfeiffer, Geschäftsführer von „Mehrwert Kaffee“, gerade Cappuccino aufgebrüht. In den Geschäftsräumen in Oberdorp haben Gäste Platz genommen, um den kenianischen Kaffeefarmern zuzuhören – und um zu probieren. „Wir sind alte Freunde“, sagt Chris Pfeiffer. Schon sein Großvater sei damals bei seinem ersten Besuch in Kenia auf Familie Lilan getroffen. 1978 brachte die Gefährdetenhilfe Scheideweg ein Projekt in Kenia auf den Weg, aus dem Jahre später der Verein „Crossroad“ entstand. 2014 finanzierte der Verein Setzlinge für den Kaffeeanbau in Songhor. Auf der Plantage bekommen junge Menschen nach einem Gefängnisaufenthalt eine zweite Chance – dank fairer Bezahlung und einer neuer Perspektive. Paul Lilan ist heute Vorsitzender des Vereins. Die Scheideweger übergaben die Fäden inzwischen an die Menschen in Kenia und wirken seitdem nur noch beratend mit. „Crossroad“ ist ein Teil dieser bewegenden Geschichte. Aber sie hat noch andere Kapitel, die vor allem vom fairen Handel erzählen, von Kooperationen vieler Kaffeebauern in Kenia, die so ihr Überleben sichern, von seiner Farm „Ol’ochoy“ und von einem kleinen Unternehmen in Oberdorp.

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Dort haben Chris, Jörn und Michael Pfeifer mit „Mehrwert Kaffee“ seit 2017 ein Geschäft auf die Beine gestellt, das vor allem auf zwei Philosophien setzt: auf faire Preise für Kaffeebauern in Kenia und auf hochwertige Bohnen. Die faire Bezahlung aus Deutschland soll neue Projekte ermöglichen, echte Perspektiven und die Versorgung ganzer Familien in Kenia. Und gleichzeitig bringen die Pfeiffers auf diesem Weg wertvolle Bohnen nach Deutschland, von denen es nur eine ganz begrenzte Anzahl auf der Welt gibt, die sie selbst in Kenia verkosten, einkaufen und schließlich verpacken, um sie an echte Kaffeefreunde zu verkaufen – fertig geröstet, aber auch als Rohkaffee für Röstereien. Und mit ihnen kommt ein besonderer Geschmack nach Deutschland.

So ist der Besuch von Paul Lilan am Wochenende im Grunde eine große Verkostung – zu der auch Laien eingeladen sind. „Cupping“ nennen Fachleute dieses geräuschvolle Schlürfen, bei dem sich die Besucher den frisch aufgegossenen Kaffee auf der Zunge zergehen lassen. Chris Pfeiffer hat je zwölf Gramm des kenianischen Goldes, das er von seiner Reise im Januar mitgebracht hat, in kleinen Schälchen vorbereitet. Acht verschiedene Sorten mit unzähligen verschiedenen Aromen. Erst wird gemahlen, dann gerochen und schließlich aufgegossen. Nachdem Chris Pfeiffer fachmännisch die Kruste durchbrochen hat, gehen die Besucher mit tiefen Löffeln an den Schälchen entlang und schlürfen. „Dieser Geruch“, sagt jemand und schließt die Augen. Und Paul Lilan blickt gebannt auf die Szene. „Bei uns zu Hause sind diese Momente für uns mit viel Aufregung verbunden“, sagt er und erzählt von Verkostungen mit Händlern aus aller Welt. Kaufen sie? Oder kaufen sie nicht? „Wir falten in diesen Augenblicken die Hände und beten“, sagt seine Frau.

An diesem Nachmittag ist es eine gesellige Angelegenheit: Fünf Geschmäcker unterscheidet die Zunge, 800 Aromen kommen dazu, die nicht ohne die Nase auskommen. Eine Wissenschaft für sich. Bei „Mehrwert Kaffee“ wird sie am Samstag lebendig – und mit ihr die berührende Geschichte der Farmer in Kenia.