Hückeswagen vor 20 Jahren Landeshundeverordnung bringt Gemüter zum Kochen

Hückeswagen · Im Juli 2000 musste „ab sofort“ die neue Landeshundeverordnung umgesetzt werden. Dabei war Vieles noch nicht einmal geregelt worden. Bei den Hundebesitzern stießen die neuen Regeln auf Unverständnis und jede menge Ärger.

 Auch für Berner Sennenhunde etwa galt die Maulkorbpflicht – wegen ihrer Größe. Ihr Wesen war und ist dagegen alles andere als gefährlich.

Auch für Berner Sennenhunde etwa galt die Maulkorbpflicht – wegen ihrer Größe. Ihr Wesen war und ist dagegen alles andere als gefährlich.

Foto: Mareike Schlütz

Große Hunde gehören im Freien an die Leine und sollen im Zweifelsfall einen Maulkorb tragen – das gilt im Juli 2000 als allgemeiner Konsens nach den schrecklichen Überfällen von Kampfhunden auf Menschen in den Wochen zuvor. Seit dem 6. Juli gilt die neue Landeshundeverordnung, doch noch fehlt den Ordnungsämtern das Instrumentarium, diese auch umzusetzen. Geschweige denn, dass die Einhaltung zu kontrollieren wäre. Zu viele Fragen sind offen. Und werden es in den Wochen danach bleiben.

Dazu regt sich unter manchen Hundebesitzern Unmut. Die grundsätzliche Frage ist, ob Hunde überhaupt noch artgerecht gehalten werden können, wenn sie nur noch angeleint ausgeführt werden. Außerdem sei ein großer Hund nicht automatisch auch ein gefährlicher Hund, wird argumentiert. So unterstreicht etwa ein Mitglied des Berner-Sennenhund-Clubs: „Unsere Berner Sennenhunde sind äußerst gutmütig und kinderlieb.“ Doch auch diese Hunderasse ist nun einmal enorm groß und braucht eine Menge Auslauf – „und das auch mal ohne die störende Leine“.

Doch ab sofort dürfte eigentlich kein größerer Hund mehr frei durchs Hückeswagener Stadtgebiet laufen: Der Leinenzwang für alle, die größer als 40 Zentimeter sind, gehört zu den Vorschriften der neuen Verordnung, die ausdrücklich „ab sofort“ gelten. Was aber machen zum Beispiel die Hundehalter, die „ab sofort“ einen Sachkundenachweis erbringen sollen? Wer stellt ihn aus, was ist dafür zu tun? Ordnungsamtsleiter Lutz Jahr und seine Kollegen müssen passen: Die Verordnung sagt dazu nichts Eindeutiges aus. Ohne Sachkundenachweis aber darf die Verwaltung die ebenfalls in vielen Fällen „ab sofort“ erforderliche „ordnungsbehördliche Erlaubnis zum Halten des Hundes“ nicht ausstellen. Kann sie aber sowieso nicht, weil’s unter anderem noch keine geeigneten Formulare gibt.

 Die Gemüter kochen noch lange hoch, sogar einen Diskussionsabend zu dem Thema gibt es im Kolpinghaus. Zu dem hat der Tierschutzverein Wermelskirchen und Umgebung eingeladen, der auch für Hückeswagen zuständig ist. Dort hatte Kreisveterinär Dr. Georg Franchy gleich zu Beginn klargestellt: „Jeder Hund kann bei falscher Haltung gefährlich werden.“ Ein wichtiger Punkt sei deswegen die Zuverlässigkeit und Sachkunde des Halters.

(büba)
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