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Hückeswagen: Jörg von Polheim (FDP) will wieder in den Bundestag

Hückeswagener Politiker hat Berlin im Visier : Von Polheim will wieder in den Bundestag

Der Bäckermeister und Fraktions- und Ortsvorsitzende der FDP ist vom Kreisverband zum Kandidaten für die Bundes-tagswahl im September 2021 nominiert worden. Der 60-Jährige will zurück nach Berlin, wo er 2012/13 schon einmal war.

Für Fußballer in Deutschland gilt die Bundeshauptstadt als eines der beliebtesten Ziele. Denn wenn sie es nach einem Sieg in die nächste Pokalrunde geschafft haben, singen sie nicht selten bierselig: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ Ganz so laut dürfte Jörg von Polheim seine Freunde nicht geäußert haben, als er am Donnerstagabend in Bergneustadt auf der Kreiswahlversammlung von 28 der 31 Delegierten und damit 90 Prozent zum Bundestagskandidaten der oberbergischen Liberalen für die Wahl nominiert wurde, die voraussichtlich im September 2021 stattfindet. Zumal er auch erst noch gewählt bzw. ziemlich weit vorne auf der Landesliste platziert werden muss. Aber die Freude darüber, dass er nach 2009 von seinen Parteifreunden erneut für eine Bundestagswahl nominiert wurde, ist auch wenige Stunden danach noch spürbar. Auch wenn der 60-Jährige längst wieder Anzug mit Bäckerkleidung getauscht hat.

„Gespräche über meine Kandidatur haben wir schon vor einem Jahr geführt“, erzählt von Polheim, der seit der verheerenden Wahlniederlage der FDP 2013, als sie es nicht über die Fünf-Prozent-Hürde schaffte, wieder als Bäckermeister arbeitet. Die Kreisvorsitzende Ina Albowitz hatte ihn angesichts des möglichen Auseinanderbrechens der Großen Koalition in Berlin aus CDU/CSU und SPD vorsichtshalber schon einmal angesprochen. „Wir haben überlegt: Was passiert, wenn wir schnell einen Bundestagskandidaten benötigen?“, berichtet die Gummersbacherin, die den Kreisverbandsvorsitz nach dem plötzlichen Tod des Hückeswageners Jörg Kloppenburg im Mai 2019 wieder übernommen hatte. Eine Verlegenheitslösung sei er dennoch nicht, versichert Ina Albowitz. Von Polheim sei Handwerker und zudem Bauingenieur und wisse daher, wovon er rede. Er habe schon einmal im Bundestag gesessen. „Und außerdem ist er ein feiner Kerl!“

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Der Hückeswagener hatte bereits von Anfang Januar 2012 bis zum Ende der Legislaturperiode im Oktober 2013 für die FDP im Bundestag gesessen. Dabei hatte er den Sprung ins Parlament bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 nur denkbar knapp verpasst: Von Polheim stand auf der Landesliste auf Platz 21, die bis Platz 20 zog. Als dann aber sein Parteifreund Werner Hoyer Präsident der Europäischen Investitionsbank wurde, wurde der Traum des Bäckermeisters war – und endete 21 Monate später in einem Alptraum, als die FDP es nicht erneut in den Bundestag schaffte.

Die Ambitionen auf ein höheres politisches Amt hatte von Polheim aber danach nicht aufgegeben. Zur Bundestagswahl 2017 wäre er gerne wieder angetreten, da hatte aber sein Hückeswagener Parteifreund Jörg Kloppenburg als Kreisvorsitzender das Zugriffsrecht und es auch wahrgenommen. Der Bäckermeister von der Kölner Straße trat schließlich bei der Landtagswahl im Mai 2017 für die FDP Remscheid und Radevormwald an, da beide Städte einen Wahlkreis bildeten. Den Sprung ins Parlament schaffte er allerdings nicht, „weil es ausnahmsweise kaum Überhangmandate gab“.

Nun lebt also der Traum vom neuerlichen Bundestagsmandat. „Ich möchte die Stimme derjenigen sein, die dort relativ wenig vertreten sind“, sagt er. Also hauptsächlich die der kleinen selbstständigen Handwerker. „Denn im Bundestag wird so viel beschlossen, bei dem man die Entfernung zur Realität merkt“, betont von Polheim. Als Beispiel nennt er die Bonpflicht und das neue Kassengesetz.

Die Chancen, dass er es wieder nach Berlin schafft, bezeichnet der Hückeswagener aktuell als „fifty-fifty. Das wird sicherlich kein Selbstläufer.“ Jörg von Polheim will aber nun auf den kommenden Landes- und Bezirksparteitagen verstärkt das Gespräch mit seinen Parteifreunden suchen, um für sich zu werben. Denn die Fahrt nach Berlin kann nur gelingen, wenn er auf der Landesliste weit vorne steht. „Bei einem Platz jenseits der 25 sind die Chancen relativ gering.“