Hückeswagen ist ohne Streetworkerin

Beschäftigungsverbot wegen Schwangerschaft : Hückeswagen ist ohne Streetworkerin

Asiye Göksen hat nicht nur geheiratet und heißt jetzt Razlaf, sondern wird auch Mutter. Die 30-Jährige darf daher momentan nicht als Streetworkerin arbeiten. Die Stadt setzt aber weiterhin auf diese Art der Jugendarbeit.

Nicht nur für die Stadt ist das Beschäftigungsverbot für Asiye Razlaf, das der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) als Arbeitgeber wegen ihrer Schwangerschaft aussprechen musste, ein schwerer Schlag. Vor allem die Jugendlichen, die die junge Frau seit Mai 2016 in Hückeswagen und auch Marienheide betreut, dürften darüber sehr traurig sein. Schließlich hatte die Streetworkerin einen sehr guten Draht zu ihnen und gilt als authentisch. Das jedenfalls versichert Stadtjugendpflegerin Andrea Poranzke auf Anfrage unserer Redaktion. Auch die Leiterin des Jugendzentrums, wo die Streetworkerin jeden Donnerstag eine Sprechstunde anbot, sieht die aktuelle Situation mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Auf der einen Seite freut sie sich für Asiye Razlaf, dass sie Mutter wird. Andererseits bedauert sie, dass die Streetworkerin seit Beginn der Sommerferien nicht mehr im Dienst ist.

„Sie hat supergut mit dem Jugendzentrum zusammengearbeitet“, bestätigt Andrea Poranzke. „Zum ersten Mal ist es bei ihr gelungen, einen Streetworker ans JuZe zu binden.“ Und das nicht nur durch die wöchentliche Sprechstunde im Untergeschoss der Mehrzweckhalle, sondern auch durch den Treffpunkt „Your Friday“: Jeden Freitag von 18 Uhr bis Mitternacht können sich seit vorigem Jahr Jugendliche ab 16 Jahre im JuZe treffen „und dabei ihr eigenes Bier mitbringen“, berichtet die Stadtjugendpflegerin. Vom Team sei immer jemand dabei, häufig gesellte sich aber auch die Streetworkerin dazu. Bis zu 35 Jugendliche kämen zu diesem Treffen und würden in der Regel draußen am Lagerfeuer sitzen. David Visse vom Jugendzentrum und Asiye Razlaf hören bzw. hörten sich ihre Sorgen und Nöte an.

Wie die Stadtjugendpflegerin sieht auch der zuständige Leiter des Fachbereichs Bildung und Soziales, Alexander Stehl, weiterhin einen Bedarf an Streetwork. „Das ist eine wichtige Tätigkeit, die in Hückeswagen auch gut angenommen wird“, betont er. Stehl wünscht sich daher, dass die Stelle neu besetzt werde. Das sieht Andrea Poranzke ähnlich. Allerdings glaubt sie nicht daran, dass eine kurzfristige Vertretung Sinn hat: „Ein Streetworker für ein halbes Jahr bringt nichts, in dieser Zeit kann niemand eine Verbindung zu den Jugendlichen aufbauen“, argumentiert sie.

Beim DRK-Kreisverband sieht man das offenbar anders. Eckhard Kreimendahl, unter anderem zuständig für Personalverwaltung und Streetwork, sagt: „Wir möchten die Stelle schnell wieder neu besetzen.“ Den Bewerbern müsse allerdings klar sein, dass diese erst einmal befristet und eine Vertretung für die Elternzeit sei. Auch Kreimendahl sieht, dass in Hückeswagen und Marienheide, das die Streetworkerin mit betreut hat, weiterhin ein Bedarf an dieser wichtigen Basisarbeit vorhanden ist.

Wie es nun weitergeht, hängt letztlich auch von Asiye Razlaf ab. Denn mit der 30-Jährigen hat das DRK noch nicht darüber gesprochen, wie es bei ihr weitergeht. So kommt es laut Kreimendahl darauf an, wie lange sie in Elternzeit geht und ob sie danach überhaupt wieder als Streetworkerin arbeiten will. Dass es in der Schloss-Stadt aber auch künftig Streetwork geben soll, steht fest.