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Hückeswagen: Iris Hager will trotz fehlender Hilfe um ihren Kiosk kämpfen

Hückeswagen in der Corona-Krise : Gründerin kämpft um ihren Traum

Durch die Corona-Krise sind Start-ups besonders schwer betroffen, denn sie erhalten keine staatliche Hilfe für fehlende Einnahmen. Iris Hager will trotzdem um ihren Kiosk „Große Pause“ kämpfen – und wandte sich an die Bundesregierung.

Erst sechs Wochen hatte Iris Hager ihren Kiosk „Große Pause“ an der Kölner Straße geöffnet – dann kam die Corona-Krise. Nun ist nichts mehr wie zuvor. Auch wenn der Kiosk nicht zwingend schließen muss, so bleiben doch die Kunden aus. „Der Großteil meiner Kunden waren Schüler, dann haben die Schulen geschlossen“, sagt die Geschäftsinhaberin.

Auf Hilfe vom Staat kann die Hückeswagenerin nicht hoffen, denn sie fällt als Existenzgründerin durch das Raster der Antragsteller. Anträge können von gewerblichen und gemeinnützigen Unternehmen, Solo-Selbstständigen und von Angehörigen der Freien Berufe (einschließlich Künstler) mit bis zu 50 Beschäftigten gestellt werden, die ihre Waren oder Dienstleistungen bereits vor dem 31. Dezember 2019 am Markt angeboten haben. Iris Hager feierte die Neueröffnung jedoch erst am 5. Februar 2020. Ungerecht, wie die Hückeswagenerin findet, zumal dieser Stichtag längst nicht in jedem Bundesland gilt. Die 46-Jährige hat sich daher per Mail direkt an die Bundesregierung gewandt. „Ich habe mich darin auf ein Zitat von Wirtschaftsminister Peter Altmaier berufen, der gesagt hat: Wir lassen niemanden allein!“, berichtet Iris Hager.

Die Jungunternehmerin trifft die Krise besonders hart, da ihr Geschäftskonzept gerade gut angelaufen war: „Die letzte Woche, in der ich geöffnet hatte, war auch zugleich die erste, in der ich eine innere Zufriedenheit empfunden habe, da eine Konstante eingetreten war und die Umsätze stimmten.“ Rumjammern möchte Iris Hager dennoch nicht: „Jeder hat sein persönliches Schicksal zu tragen, und das ist meins. Wir sitzen alle im gleichen Boot.“

So gründlich wie sie ihre Geschäftsidee vorbereitet hatte, so realistisch wirft sie einen Blick in die Zukunft, denn die Miete läuft schließlich weiter. „Ich habe das mal durchgerechnet – länger als ein bis zwei Monate darf die Situation nicht anhalten“, sagt sie. Bisher habe sie als Aushilfskellnerin im Dhünner Gasthaus „Jägerhof“ noch etwas zum Lebensunterhalt dazuverdienen können, doch auch diese Einnahmequelle ist durch die Schließung der Gastronomiebetriebe weggefallen. Sollte die Schließung länger anhalten, wäre sie auf staatliche Hilfe angewiesen. Die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten, ist aber nicht die Art der Hückeswagenerin. Seit Mittwoch bietet sie, wie viele örtliche Kollegen auch, einen Lieferservice an (s. Info). Am ersten Tag hatten immerhin drei Kunden eine Bestellung aufgegeben. „Der große Renner sind die Spiegeleier- und Schokokussbrötchen“, berichtet die Geschäftsfrau, die nach langer Zeit an diesem Tag wieder mit einem Lächeln aufgestanden ist. Ihre Öffnungszeiten hat sie von Montag bis Freitag auf die Zeit von 10 bis 11 Uhr beschränkt. „Es kommt ja doch kaum einer, und ich kann die Zeit dann für Lieferfahrten nutzen“, sagt sie.

Hilfreiche Tipps und Unterstützung erhält die Existenzgründerin auch von Kollegen und Andrea Poranzke von der Wirtschaftsförderung. „Es ist schön zu wissen, dass man nicht allein ist und sich umeinander gekümmert wird“, sagt die 46-Jährige. Die Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Das Wirtschaftsministerium hat nun zusätzlich ein Zwei-Milliarden-Euro-Hilfspaket für Start-ups angekündigt. So sollen auch Existenzgründer in der aktuellen Krise weiter erfolgreich an ihren Ideen „basteln“ können. Die Bundesregierung ergänzt damit die bereits bestehenden Unterstützungsprogramme um ein Maßnahmenpaket, das speziell auf die Bedürfnisse von Start-ups zugeschnitten ist. Laut Bundeswirtschaftsministeriums haben Start-ups grundsätzlich auch Zugang zu allen Unterstützungsmaßnahmen des Corona-Hilfspakets. Jedoch würden klassische Kreditinstrumente häufig nicht auf die Bedürfnisse junger Start-up-Unternehmen passen.

Iris Hager will für ihren Kiosk weiterhin kämpfen und versuchen, auch während der Krise optimistisch zu bleiben. „Noch passt es irgendwie“, fügt sie hinzu.