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Hückeswagen: Interview mit der Leiterin des Jungendzentrums Andrea Poranzke

Interview Andrea Poranzke : „Jugendliche würden besser auf eine Ansprache durch uns reagieren“

Jugendzentrums-Leiterin Andrea Poranzke spricht darüber, welche Angebote es für Jugendliche in Zeiten der Coronakrise gibt.

Frau Poranzke, auch das Jugendzentrum ist jetzt geschlossen. Haben Sie die Jugendlichen darauf vorbereiten können?

Andrea Poranzke Nein, eine Vorbereitung darauf konnte nicht stattfinden, dafür ging es dann doch zu schnell.

Wie haben die darauf reagiert?

Poranzke Die Jugendliche standen vor der Tür des Jugendzentrums und fanden es schade, dass geschlossen war.

War die Corona-Krise zuvor schon ein Thema bei den Jugendlichen?

Poranzke Nein, überhaupt nicht. Die ganze Situation war ja auch für uns bis dahin nicht so dramatisch.

Glauben Sie, dass eine Ausgangssperre nötig ist, um zu verhindern, dass man sich jetzt einfach woanders trifft?

Poranzke Ja, die Ausgangssperre muss kommen. Trotz persönlich geführter Gespräche und über soziale Medien konnte leider keine Verhaltensänderung erreicht werden. Deswegen ist eine Ausgangssperre nötig. Das Ordnungsamt ist permanent unterwegs. Allerdings glaube ich, dass die Jugendlichen garantiert auf eine Ansprache durch uns besser reagieren würden. Da herrscht einfach mehr Vertrauen.

Stehen Sie und Ihre Kollegen auch jetzt mit den Jugendlichen in Kontakt?

Poranzke Ja, das machen wir über die unterschiedlichen sozialen Medien, etwa Instagram, Facebook und andere. Mein Kollege David Visse ist in dieser Hinsicht sehr kreativ und überlegt sich täglich neue Aktivitäten, die er dann auf der Facebook-Seite des Jugendzentrums postet. Etwa ein Spiel „gegen“ das Jugendzentrum. Da haben auch gleich zwei oder drei Jugendliche mitgemacht – und leider verloren. Andere Ideen ist etwa eine Linksammlung mit Lern-Apps, Spielen bis hin zum kostenlosen Hörbuch mit dem Känguru von Marc-Uwe Kling.

Wie kann man Jugendlichen klar machen, dass „social distancing“ wichtig ist?

Poranzke Das ist definitiv ein ganz schwieriges Thema. Einigen ist es klar, die anderen sehen nicht die Notwendigkeit, da sie ja auch nicht betroffen sind. Man kann es nur immer wieder gebetsmühlenartig vorbringen und entsprechende Gespräche führen. Hinzu kommt, dass nicht nur die Jugendlichen es nicht wirklich verstehen, sondern auch viele Erwachsene und vor allem ältere Menschen. Und deshalb ist es noch schwieriger Verständnis bei den Jugendlichen zu wecken.

Was raten Sie Jugendlichen, um sich in dieser Zeit auch außerhalb der Gruppe zu beschäftigen?

Poranzke Auch hier hat David Visse schon über soziale Medien einen Aufruf gestartet und mehrere Links zu Gesellschaftsspielen in App- oder Playstore vorgeschlagen. Damit können etwa gesellige Spiele von zu Hause aus gemeinsam gespielt werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit der kostenlosen Videotelefonie, mit der man Sozialkontakte aufrechterhalten kann. Wir haben jetzt auch ein Diensthandy eingerichtet, um den Jugendlichen einen Kontakt oder auch Videotelefonie zu David Visse ermöglichen zu können. Dann muss nicht mehr alles über seine privaten Accounts laufen. Und außerdem ist er dann für die Jugendlichen immer erreichbar. Die Telefonnummer ist die 0157 34860350.