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Hückeswagen im April 1930: Bau der Katholischen Volksschule beginnt

Hückeswagen vor 90 Jahren : Katholische Volksschule wird gebaut

In der Zeit der Weltwirtschaftskrise wurden im damaligen Rhein-Wupper-Kreis nur zwei Schulneubauten genehmigt. Einer davon in Hückeswagen.

Am 12. April 1930, vor also 90 Jahren, begann der Bau der Katholischen Volksschule, Am Kamp. Es entstand das Gebäude, in dem später die Katholische Grundschule (KGS) untergebracht wurde, die vor einigen Jahren in der Löwen-Grundschule aufging. Der damalige Bürgermeister Richard Leyhausen umschrieb die Stimmungslage bei der Eröffnung am 2. Juni 1931 rückblickend auf die Weltwirtschaftskrise so: „Der Beschluss erfolgte in einer Zeit, die nicht angetan war, um Pläne zu schmieden und Häuser zu bauen. Aber es ist um die Not der Kinder gegangen.“ Im ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf wurden zu dieser Zeit nur zwei Schulbauten genehmigt: einer in Leichlingen und der andere in Hückeswagen. Der evangelische Pfarrer Emil Hasenburg gab dann noch einen indirekten Hinweis auf einen innerpolitischen Konflikt, der davon gekennzeichnet war, dass sich Kommunisten und Nationalsozialisten heftig bekämpften. Es sei „viel Trennendes“ in der Gesellschaft, stellte er drei Jahre vor der Machtergreifung Hitlers fest. Aber die Kinder seien wichtiger.

Die Schülerzahl in Hückeswqagen war seit 1925 permanent angestiegen, so dass die alten Räume an der Kölner Straße 17 (auch „Russische Botschaft“ genannt und mittlerweile abgerissen) zu klein wurden. Eine Klasse war bereits in der evangelischen Schule untergebracht, zwei Unterklassen mussten sich im Wechsel vor- und nachmittags einen Raum teilen. Schon 1928 wurde daher die Erweiterung der alten Schule geplant. Eine überbehördliche Genehmigung blieb jedoch aus, da benachbarte Grundstücke tangiert würden und zudem die zu erwartenden Kosten einem Neubau ungefähr gleichgekommen wären. Nach einem Architekten-Wettbewerb, bei dem ein Professor Klotzbach aus Barmen als Sieger hervorging, ergaben sich noch einige Schwierigkeiten, die Finanzierung sicherzustellen. Mit einem Beschluss des Stadtrats vom 31. März 1930 wurde der Prozess jedoch abgeschlossen.

Nach der Auftragserteilung am 12. April 1930 begann bereits zwei Tage später die ortsansässige Firma Graef mit den Planierung und Ausschachtung. Es folgte einen Monat später der Rohbau. Interessanterweise fand erst am 8. August 1930 die Grundsteinlegung am Haupteingang statt, wobei eine künstlerisch gestaltete Urkunde und Geldstücke eingelassen wurden. Diese Gegenstände wurden im Februar 1963 übrigens wieder gehoben, da ein Erweiterungsbau Teile des alten Gebäudes ersetzte.

Das Schulgebäude selbst beherbergte acht Klassenräume, einen Zeichensaal mit Kinoeinrichtung, eine Haushaltungsschule mit Baderaum, Lehrerzimmer, Amtszimmer, Lehrmittelraum und die Wohnung des Schuldieners im Erdgeschoss. Bestandteil des Projekts war auch der dringend notwendige Bau einer geräumigen Halle für die Feuerwehrgerätschaften, die bis dato an der Bongardstraße untergebracht waren. Entsprechend wurde der Umzug an die Kölner Straße von der damals noch existierenden Feuerwehr-Musikkapelle regelrecht zelebriert.

Die Eröffnung der Katholischen Volksschule war im Übrigen der Auftakt zu einem Schultausch-Reigen: In das verlassene Gebäude der „Russischen Botschaft“ zog die Mittelschule ein, die 1954 weiter oben an der Kölner Straße einen Neubau erhielt. Die Mittelschule war bis dato in einem Schulgebäude an der Brücke untergebracht, wo nun die Berufsschule einzog, so dass die evangelische Stadtschule mehr Räumlichkeiten erhielt.