Hückeswagen: Humor und Unverständnis über Bonpflicht

Kassenprüfung in Hückeswagen : Humor und Unverständnis über Bonpflicht

Die Neuregelung im Kassengesetz verpflichtet Betriebe, für jeden Einkauf einen Kassenbon zu drucken.

Es gibt Entscheidungen, die einen guten Hintergrund haben, aber manchmal krachend nach hinten losgehen. Die Neuregelung im Kassengesetz, die zum 1. Januar in Kraft getreten ist und Betriebe verpflichtet, für jeden noch so kleinen Einkauf einen Kassenbon zu drucken, ist so eine Entscheidung. Vor allem Bäckereien sind davon betroffen, bundesweit gibt es 11.000 Betriebe mit 61.000 Verkaufsstellen. Im Bäckerhandwerk würden mit der neuen Regelung pro Jahr an die fünf Milliarden Kassenzettel anfallen. Das hat der Zentralverband des Bäckerhandwerks berechnet. Wo bleibe da der Umweltschutz, wenn die alleine im Bäckerhandwerk pro Jahr anfallenden Kassenbons 25 Mal um die Erde reichen würden?

In der Schloss-Stadt Hückeswagen gibt es sechs Bäckereien. Zwei Wochen nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung hat sich bislang kein Kunde positiv geäußert. Da der Kunde den Bon sowieso ablehnen oder direkt wegwerfen kann, ändert sich für ihn letztlich nichts. Sabine von Polheim ist dennoch sauer. „Ich brauche jetzt alle zwei Tage eine neue Rolle für die Kasse – vorher war es vielleicht eine im Monat. So gut wie kein Kunde will den Bon“, sagt sie. Es sei ein riesiger Müllberg, der da anfalle. Mit ihrem Mann, Bäckermeister Jörg von Polheim, habe sie sich etwas überlegt. „Wir sammeln die Bons und schicken sie am Monatsende an die verantwortliche Stelle in Gummersbach. Nicht ans Finanzamt, die Mitarbeiter dort können ja auch nichts dafür. Das wäre so, als würde man den Paketboten schlagen, weil das Päckchen nicht pünktlich da ist“, sagt Sabine von Polheim.

In der Wipperfürther Bäckerei Schmitz dienen die Bons als Karnevalsdeko. Foto: Stephan Büllesbach

Auch Monika Herzog, Filialleiterin im Café Steinbrink am Etapler Platz, sieht vor allem den Müll als Problem. „Unsere Kassen sind jetzt so eingestellt, dass automatisch der Bon mit ausgedruckt wird. Der landet aber in aller Regel im Müll, weil ihn nur ganz selten mal ein Kunde will.“ Bei den Kunden regiere weitgehend Unverständnis, sagt sie. „Sie lachen, wenn ich sie frage, ob sie den Bon wollen, oder kommentieren es auch.“ Diese Erfahrung zieht sich durch fast alle Bäckereien. Barbara Meißner von Beckmann in Wiehagen nimmt es genauso mit Humor wie ihre Kunden. „Wir sehen seit dem 1. Januar tatsächlich noch mehr freundliche Gesichter, weil über das Thema meistens gelacht wird. Gerade erst habe ich mit einer älteren Dame wieder darüber gelacht, als ich ihr den Bon mit dem Wechselgeld gegeben habe“, sagt Barbara Meißner.

Unsicherheit merkt Jennifer Buchholz von der Bäckerei Kamps im Rewe-Markt. „Unsere Kassen haben den Bon immer schon mit ausgegeben. Aber jetzt müssen wir ihn den Kunden hinlegen. In aller Regel bleibt er auf dem Tresen liegen und landet im Müll.“ Immer wieder würde sie nun aber auch gefragt, wo der Bon denn eigentlich entsorgt werden müsse. „Nicht alle wissen, dass er wegen der Beschichtung in den Restmüll und nicht zum Altpapier gehört“, sagt Jennifer Buchholz. Sie merke auch viel Unverständnis von Kundenseite.

Ähnlich hat es Sengül Yilmaz vom Café Bauer an der Bahnhofstraße erlebt. „Ich habe noch keinen Kunden gehabt, der das gut findet.“ Auch Dilek Betsaktsi von der Schlossbäckerei an der Islandstraße hat diese Erfahrung gemacht. „Die Bons, die wir jetzt ausdrucken müssen, landen allesamt im Müll.“