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Hückeswagen: Hotel zur Post steht vor dem Verkauf

Hückeswagen Traditionshaus : Hotel zur Post steht vor dem Verkauf

Bernd Koppelberg, Eigentümer des Hotels zur Post, verhandelt mit einem Makler über einen Verkauf. Wer die Interessenten sind und wann der Notarvertrag unterzeichnet werden kann, weiß er allerdings nicht.

Zum Schluss war es schmerzhaft: Sechseinhalb Tage arbeitete Bernd Koppelberg in der Woche, täglich fast zwölf Stunden. Im Stehen und seit vielen Jahren. Kein Wunder, dass den damals 65-Jährigen linke Hüfte und linkes Knie schmerzten. Und weil auch das Geschäft mit den Torten angesichts der wachsenden Konkurrenz durch die Cafés immer schwieriger wurde, zog das Ehepaar vor dreieinhalb Jahren einen Schlussstrich: Am 22. Mai 2016 schloss es das Café und das Restaurant des Hotels zur Post. Schon damals machten beide kein Hehl daraus, dass sie gerne das Hotel verkaufen würden.

Nun sieht es so aus, als ob sich an der Peterstraße etwas tun würde. Zurzeit wird in den sozialen Medien kräftig spekuliert, dass an der Stelle des traditionsreichen Gebäudes ein Hotel-Neubau entstehen soll. Im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt Koppelberg, dass er Verhandlungen über einen Verkauf führt. Der Konditormeister spricht offenbar mit einem Makler, der Koppelbergs Worten zufolge im Auftrag einer Investorengruppe handelt. „Es schwirren viele Namen angeblicher Investoren im Raum“, sagt der Hotelbesitzer. Doch wer sich hinter den Interessenten für sein Hotel verbirgt, weiß auch er nicht – sagt er zumindest.

Das Hotel zur Post, das Übernachtung und Frühstück anbietet, wird weiterhin gut gebucht. Viele Vertriebsmitarbeiter oder Kunden hiesiger Firmen steigen in dem bergischen Haus neben der Sparkassenfiliale ab. Aber auch der Tourimusboom ist spürbar geworden: „Bei uns wohnen etwa Wanderer, und diese Woche haben auch wieder Radtouristen übernachtet“, berichtet Koppelberg. Es sei erstaunlich, wie viele Touristen kämen. „Sie schätzen das Preis-Leistungs-Verhältnis“, ist sich Koppelberg sicher. Die Ausstattung sei zwar einfach und zweckmäßig, aber seine Gäste wollen das auch und bräuchten nicht unbedingt einen Wellnessbereich.

Wenn er denn tatsächlich einmal sein Hotel verkaufen sollte und an dessen Stelle ein Neubau entsteht, hofft Koppelberg auf „eine vernünftige städtebauliche Lösung. Es ist in unserem Interesse, wenn eine schöne Lösung für Hückeswagen gefunden wird.“

Möglicherweise wird es bald kalt in der Gerüchteküche, scheint sich doch in Sachen Verkauf etwas zu tun. Bernd Koppelberg jedenfalls sagt: „Es sieht ganz gut aus.“ Es müssten nur noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Weg geräumt werden.

Der Bürgermeister äußert sich weiterhin nicht konkret zum Thema „Hotel-Neubau“, Dietmar Persian betont aber auf Anfrage: „Dieses Thema steht ganz oben auf der Tagesordnung in Hückeswagen.“ Zwar gebe es neben dem Hotel zur Post auch noch das gut gehende Hotel Kniep an der Bahnhofstraße. „Aber aus vielen Gesprächen mit örtlichen Unternehmern weiß ich, dass wir mehr Kapazitäten an Hotelbetten benötigen“, berichtet Persian. Das gelte für die gesamte Region. Denn viele Firmen wüssten mitunter nicht, wo sie werksnah ihre Gäste unterbringen können. Ein Hotel-Neubau für Hückeswagen sei daher gerade für die heimische Wirtschaft wichtig, betont der Bürgermeister. „Jedenfalls gibt es Investoren aus Hückeswagen, die dieses Thema voranbringen wollen“, bestätigt Persian. „Und ein Hotel mitten in der Stadt wäre auch wichtig, um die Innenstadt aufzuwerten.“ Gerade mit Blick auf die Gastronomie.

Vehement widerspricht der Verwaltungschef denjenigen, die etwa auf Facebook behaupten, das Hotel zur Post stünde unter Denkmalschutz. „Das Gebäude liegt zwar im Denkmalbereich, aber es steht nicht unter Denkmalschutz!“, macht er klar.

Ebenfalls Stellung zu den Gerüchten in den sozialen Medien nimmt Michael Scholz. Der Pressesprecher der Sparkasse schreibt in einer Mail: „Zur Optimierung des Standorts Hückeswagen beschäftigt sich die Sparkasse als größtes am Ort tätige Geldinstitut immer mit aktuellen Projektthemen.“ Das Thema „Hotel“ sei ein Thema, das auch immer wieder aus Sicht der Hückeswagener Unternehmerschaft ein „Wunschthema“ darstelle und auf vielen Unternehmertreffen diskutiert werde. „Daher ist die Sparkasse generell mit unterwegs, wenn es um die Suche nach möglichen Investoren (auch von außerhalb), Objekten und Projekten geht, die den Wirtschaftsraum Hückeswagen für die Zukunft nach attraktiver aufstellen können“, äußert sich Scholz. „An dieser Mitgestaltung ist die Sparkasse gerne mit unterwegs.“

Im Übrigen betont Scholz, dass er die Ratssitzung am Dienstagabend nicht besucht habe, weil er eine Diskussion um einen Hotel-Neubau vermutet hatte. „Dass dieses Thema dort aufkam, war auch für mich überraschend.“ Vielmehr besuchten die neuen Mitglieder des Sparkassen-Vorstands regelmäßig die Ratssitzungen in Hückeswagen und Radevormwald: „Uns interessieren die Themen, was vor Ort passiert. Und wir wollen uns aus erster Hand informieren“, betont er.