Am 23. Februar in Hückeswagen Horst Hellerling – der Mann, der immer lacht, wird 95

Hückeswagen · Sein fortgeschrittenes Alter ist Horst Hellerling nur wegen seines „mechanischen Knieschadens“ anzusehen, seinen Alltag bewältigt er immer noch weitgehend selbstständig. Und lächelnd. Am 23. Februar feiert der Hückeswagener seinen 95. Geburtstag.

 Immer gut drauf: Horst Hellerling, Ehrenvorsitzender von RBS und IG Frühschwimmer, feiert am 23. Februar seinen 95. Geburtstag.

Immer gut drauf: Horst Hellerling, Ehrenvorsitzender von RBS und IG Frühschwimmer, feiert am 23. Februar seinen 95. Geburtstag.

Foto: Stephan Büllesbach

Die Knie machen nicht mehr mit. Arthrose. „Ein mechanischer Schaden“, nennt es Horst Hellerling. Andere in seinem Alter wären längst in ein Seniorenheim umgezogen, für den gebürtigen Berliner aber „kommt dette nich infrage“, wie er es in seinem Heimatdialekt sagen würde. „Ich mache alles, damit ich hierbleiben kann“, sagt der 94-Jährige mit Blick auf sein Haus nahe dem „Kratzkopf“. „Mein innigster Wunsch ist es, datt se mich hier raustragen“, berlinert er in seiner unnachahmlichen Art – und grinst dabei, wie es eben nur Horst Hellerling in solch einer Situation tun kann. Das Grinsen wird noch breiter, als er anfügt: „Ich ess nicht so viel, damit ich dann nicht so schwer bin. . .“

Die Beine sind in die Jahre gekommen und zu Hause auf den Rollator oder die neu eingebauten Treppenlifte in den ersten Stock oder den Keller angewiesen, der Kopf aber ist „1a in Schuss“. Das zieht sich durch das ganze Gespräch und wird besonders deutlich, als es um das Hückeswagener Hallenbad geht. Das liegt ihm am Herzen. Und dass es das Bürgerbad überhaupt noch gab, lag zu einem wesentlichen Teil auch an Hellerling. Hatte er doch Anfang der 90er Jahre mit der Gründung der Frühschwimmer dazu beigetragen, dass es damals nicht dichtgemacht wurde (s. Info-Kasten). Sein Dank hat Hückeswagens mitgliederstärkster Verein ihm in Form des Ehrenvorsitzes ausgedrückt (dieses Amt bekleidet er auch beim RBS).

Als solcher hat er das Recht, an den Vorstandssitzungen teilzunehmen. Und das nimmt Hellerling regelmäßig wahr. Zum einen, weil der Hückeswagener die Geselligkeit braucht, zum anderen, weil er dann „zuhört, meine Meinung sagt, wenn ich denn gefragt werde, und ab und zu auch mal den Finger hebt“. Überhaupt das Hallenbad – bei diesem Thema wird er ungewöhnlich ernst. „Das ist ein Jammer“, bedauert Hellering.

Dass sich die Ratsmehrheit samt Bürgermeister im Dezember für die abgespeckte Version entschieden hatte, kann er nachvollziehen. „Man muss schon einsehen, dass man Abstriche machen muss, weil es sonst zu teuer wird“, betont er. Aber wichtig sei, dass es noch ein Bad geben werden – „das ist das Wichtigste für die Kinder!“, stellt er klar. Wenn doch nur ein „dicker Sponsor“ käme, dann könnten auch Sauna, Riesenrutsche und Gastronomie wahr werden. Dass das eher unrealistisch ist, weiß er.

Seit 1967 lebt Horst Hellering in Hückeswagen. Die Schloss-Stadt war ihm damals auf Anhieb sympathisch, und dank seiner offenen und fröhlichen Art schlug er hier auch schnell Wurzeln. Der Diplom-Ingenieur im Ofenbau arbeitete bei AEG in Berlin, zog aber schon in den 50ern von dort fort. In Remscheid hatte das Unternehmen eine eigene Firma gründete, die AEG Elotherm. Über diesen Weg kam er vor gut 57 Jahren ins Bergische. Später wechselte er zur Elektronikfirma ASEA in Düsseldorf, dem schwedischen Pendant zu AEG. Zum Schluss arbeitete er bei deren Nachfolgeunternehmen ABB in Dortmund.

Zwar hat der 94-Jährige Hilfe im Haushalt (durch eine gute Bekannte) und in seinem gut 450 Quadratmeter großen Garten (durch Freunde), seinen Alltag aber bewältigt er überwiegend selbstständig. Besuch empfängt er mithilfe des Rollators an der Tür und bringt ihn auch wieder dorthin zurück. „Mein Essen koche ich selber – aber keine Fertiggerichte“. Das ist ihm wichtig.

Auch hinters Steuer setzt er sich immer noch. Allerdings nicht, ohne sich seine Fahrtüchtigkeit von einem Experten bestätigen zu lassen: „Zwei Mal im Jahr mache ich bei einem Fahrlehrer eine 90-minütige Fahrstunde“, versichert Hellerling. „Damit ich nicht sagen kann, dass ich mich überbewerte.“ Bislang hat er immer noch das Okay bekommen, dass er fahrtauglich ist. Dann grinst der gebürtige Berliner wieder: „Letzten hat mir der Fahrlehrer jesacht, dat ick ja fahre wie‘n Dandy – mit eener Hand am Steuer.“ Das, so lautete der Rat des professionellen Beifahrers, sollte er dann doch lieber lassen und beide Hände ans Lenkrad nehmen.

Nicht zuletzt aufgrund des Tods seiner Frau vor einigen Jahren ist Hellerling das Miteinander mit anderen Menschen wichtig. So ist er Mitglied in gut zehn Vereinen, etwa im Deutschen Gießereiverband, dessen goldene Ehrennadel der Hückeswagener trägt. Er besucht die Schlosskonzerte und überhaupt alle Veranstaltungen, die ihm sympathisch sind. Dass er es aufgrund seiner Schwierigkeiten mit den Knien nicht mehr möglich ist, die Gottesdienste der Evangelischen Kirchengemeinde zu besuchen, scheint nicht so schlimm zu sein. Denn: „Es ist wunderbar, dass ich sie im Internet über Youtube sehen kann.“

Trotzdem fehlt ihm doch manchmal die Geselligkeit. „Ich vermisse die, die bei mir waren“, gesteht Hellerling. Um anzufügen: „Aber man kann nicht alles haben.“ Dann ist er also zufrieden? Auch da wird der 94-Jährige überraschend ernst: „Nee, zufrieden kann ick nich sein.“ Er sei allein, und das mache ihm schon zu schaffen. „Aber ick bin sehr dankbar. Und dat is mehr wert!“ Nicht zuletzt, „weil das Bierchen immer noch schmeckt“. Und dann lacht Horst Hellerling wieder.

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