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Hückeswagen: „Helferlein“ sind auch während Corona aktiv

Hückeswagener Helden aus dem Jahr 2020 : „Helferlein“ auch während Corona aktiv

Ehrenamtler gibt es per se viele in Hückeswagen. Doch gerade im Jahr der Corona-Krise gibt es derer viele. Wie die „Helferlein“ Adelhaid Henke und Manfred Ottofülling. Sie stehenbeispielhaft für die vielen „Helden des Alltags“ im Hückeswagen des Jahres 2020.

Sie agieren zwar nicht unsichtbar, aber doch nicht so offensichtlich. Allerdings würde es viele Hückeswagener ohne sie deutlich schwerer im Alltag haben. Die Rede ist von den „Helferlein“, die im Januar 2018 von „Weitblick“-Lotsin Margareta Coenen ins Leben gerufen wurden – und die auch und gerade in Zeiten von Corona sehr aktiv sind. Die Idee hinter dem Projekt sei, zum einen Menschen zusammenzubringen, zum anderen aber auch ältere Bürger mit kleinen Aufgaben zu unterstützen, erläutert die Organisatorin.

Adelhaid Henke und Manfred Ottofülling sind „Helferlein“ der ersten Stunde. „Ich habe Ende 2017 mitbekommen, dass es ein solches neues Angebot geben soll. Anfang Januar war dann das erste Treffen – und ich bin seitdem dabeigeblieben“, sagt die 65-Jährige. Sie sei immer schon ehrenamtlich aktiv gewesen, habe etwa Kindergottesdienste mitgestaltet. „Ich bin 2017 in Rente gegangen, und dann hatte ich natürlich mehr Zeit übrig. Da haben die ,Helferlein’ gut in meinen Tagesrhythmus gepasst“, sagt Adelhaid Henke und schmunzelt.

 Sascha Bieg war einer der Freiwilligen,die sich gleich zu Beginn des Lockdowns im Frühjahr gemeldet hatten, um für ältere Hückeswagener einkaufen zu gehen.
Sascha Bieg war einer der Freiwilligen,die sich gleich zu Beginn des Lockdowns im Frühjahr gemeldet hatten, um für ältere Hückeswagener einkaufen zu gehen. Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Manfred Ottofülling hatte als Frisörmeister schon immer viel Kontakt mit Menschen. Der Hückeswagener hatte sich auch bei der DLRG engagiert. Inzwischen ist der 74-Jährige ebenfalls bereits seit einigen Jahren im Ruhestand. „Mir fehlte der Umgang mit Menschen – und ich hatte sehr viel mehr Zeit. Ich wurde in Wipperfürth gefragt, ob ich Fahrdienste für Menschen mit Behinderung übernehmen könnte“, erzählt er. Das habe ihn dann endgültig „angefixt“, und so sei er dem Aufruf der „Weitblick“-Lotsin gerne gefolgt. In den vergangenen zwei Jahren habe sich eine Menge getan bei den „Helferlein“. Vor allem, das betonen beide Ehrenamtler, sei die Akzeptanz des Angebots gewachsen. „Am Anfang waren die Menschen in der Stadt noch ein wenig zurückhaltend. Ich hatte bisweilen den Eindruck, dass man sich geschämt hat, Hilfe zu suchen“, sagt der 74-Jährige.

Dazu passt der Eindruck, den Margareta Coenen im September 2019 im Gespräch mit unserer Redaktion geäußert hat. „Aber während wir genügend ehrenamtliche Helfer haben, könnten sich durchaus noch Leute bei uns melden, die deren Hilfe in Anspruch nehmen wollen“, hatte die Lotsin damals gesagt.

Das habe sich mittlerweile geändert, versichert Adelhaid Henke. „Man muss gucken, dass es nicht zu viel wird. Aber wir können natürlich auch Nein sagen, wenn das der Fall ist“, betont die 65-Jährige. Manfred Ottofülling ergänzt: „Heute ist ein Vertrauensverhältnis da zu den Menschen, denen wir helfen. Und es haben sich sozusagen feste Hilfe-Beziehungen gebildet.“ Für ihn ist die Tätigkeit als „Helferlein“ keine Verpflichtung, sondern etwas, das er gerne macht. Denn er könne damit Menschen in Situationen helfen, die sie alleine nicht händeln könnten. „Ich habe etwa einen Mann betreut, der zuvor lange Jahre an der Bever-Talsperre in einem Wohnwagen gewohnt hat. Der Mann hatte ein Beatmungsgerät und war zudem sehbehindert“, berichtet Ottofülling. Er habe ihm bei der Organisation seines Umzugs in die Stadt geholfen. „Und auch sonst war ich immer wieder für ihn und mit ihm unterwegs“, sagt der 74-Jährige.

Die Hauptaufgaben seien tatsächlich Besuche, Begleitungen und Besorgungen. „Wir haben beispielsweise keinen Augenarzt in Hückeswagen. Also müssen wir oft in die Nachbarstadt fahren – und von dort aus auch immer wieder in die Augenkliniken nach Solingen, Wuppertal oder Köln“, erzählt Ottofülling. Auch Behördengänge nach Gummersbach seien ab und zu nötig. Es gebe eben in Hückeswagen nicht alles vor Ort. „Wir sind oft lange und weite Wege unterwegs“, sagt der 74-Jährige.

Einen Verbesserungsvorschlag hat er indes: „Es wäre gut, wenn wir einen Sonderparkausweis bekommen könnten. Denn oft müssen wir mit den Leuten direkt vor dem Geschäft oder der Behörde halten – und das darf man eben nicht immer.“ Deshalb hat er bereits mehrfach beinahe ein Knöllchen bekommen. Den Vorschlag habe er bereits an Margareta Coenen weitergegeben.

Die Klientel der „Helferlein“ sind in erster Linie bereits betagteren Alters. Es gebe aber auch Ausnahmen, wie Ottofülling betont. „Ich hatte mal eine Anfrage für eine junge Frau, die in einer Einrichtung für behinderte Menschen lebte. Sie habe eine Wand in einem kräftigen Grün gestrichen haben wollen. Ihre Mutter hatte einen Kostenvoranschlag eingeholt, der bei etwa 800 Euro gelegen hat. Also völlig überzogen.“ Das habe er dann übernommen, auch wenn die Hückeswagener „Helferlein“ nicht in Konkurrenz zu Handwerksbetrieben stehen wollen.

„Aber da hatte ich schon den Eindruck, dass der Maler diesen Auftrag der Frau bewusst nicht übernehmen wollte und deshalb einen Fantasiepreis angesetzt hatte“, erzählt der Frisörmeister im Ruhestand.