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Hückeswagen: Handwerker hängen Lichterketten in der Innenstadt auf

Hückeswagen vor der Adventszeit : Handwerker hängen Lichterketten auf

Vielleicht zum letzten Mal brachten die Hückeswagener Handwerker, diesmal mit Unterstützung jüngerer Helfer, die Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt an. Die Werbegemeinschaft denkt über eine alternative Organisation nach.

Schon eine Dreiviertelstunde schwebt Marvin Hunker über der Islandstraße, um die Lichterketten der Weihnachtsbeleuchtung zwischen den Häuserreihen zu befestigen. Die Gurte, in denen er sitzt und die ihn sichern, sind auf Dauer nicht gerade bequem. „Langsam schlafen mir die Beine ein“, berichtet der 21-Jährige. Er ist einer von 16 Helfern, die am Samstagvormittag die Weihnachtsbeleuchtung der Werbegemeinschaft aufhängen, damit die Innenstadt jetzt in festlichem Glanz erstrahlt.

Die örtlichen Handwerker, die dafür seit vielen Jahren mit schwerem Gerät ehrenamtlich im Einsatz sind, können getrost schon als „alte Hasen“ bezeichnet werden. Denn zum einen sind ihnen die Handgriffe in Fleisch und Blut übergangen, zum anderen steuern viele von ihnen auf das Rentenalter zu. Daher hatte Guido Schnitzler schon im vorigen Jahr zu einem Generationswechsel aufgerufen. „Wir müssen uns verjüngen, sonst geht es nicht mehr“, kündigte der Malermeister an. Sein Aufruf zeigte Wirkung. Die Fußballer des SC Heide hatten 2019 spontan ihre Hilfe zugesagt und sind auch jetzt mit einer kleinen Abordnung ihrer Spieler dabei. Schreinermeister Lars Osenberg übernimmt die Organisation und wird prompt von den Handwerkerkollegen gelobt: „Toll, dass heute Morgen schon um 8 Uhr die Kisten mit den Lichterketten bereitstanden.“

Entlang der Peter-, Bach- und Bahnhofstraße reicht Linda Schnitzler die Leuchtsterne für die Laternenpfähle den beiden Osenberg-Auszubildenden, Robert Mohncke und Felix Wagner, in den Korb des Gabelstaplers. „Ich bin sonst immer nur zum Zugucken gekommen. Heute helfe ich selbst mit, denn ich will es ja auch schön haben in der Stadt“, sagt die einzige Frau unter den Helfern. Ihr Vater Guido Schnitzler begleitet die Einsatzgruppe mit dem Wagen, in dem die Leuchtmittel und Werkzeuge liegen. „Ich habe diesmal den Traumjob, den ich mir langsam auch verdient habe nach all den Jahren“, sagt der 64-Jährige lächelnd aus dem beheizten Wagen heraus, während der jüngeren Generation bei gerade einmal drei Grad Außentemperatur die Finger vor Kälte taub werden.

Das Aufwärmen bei einem gemeinsamen Frühstück und Mittagessen ist wegen des Corona-Lockdowns nicht möglich. Die Bäckerei Bauer hat aber Frühstückstüten für die Handwerker gesponsert und Bürgermeister Dietmar Persian organisiert einen Mittagssnack „auf die Hand“ von der Metzgerei Kriegel. „Von der Werbegemeinschaft haben wir als Dankeschön auch schon ein Grillseminar im Greenhouse erhalten. Da ist es nicht so schlimm, einen Tag seiner Freizeit im Jahr zu opfern“, versichert Roger Zammert, Mitarbeiter des Dachdeckerbetriebs Vierkant und Redetzky.

Ob der Generationswechsel bei den Handwerkern gelingt oder neue Wege für die Aufhängung der Weihnachtsbeleuchtung gefunden werden, soll im nächsten Jahr besprochen werden. „Wir planen, die Organisation der Weihnachtsbeleuchtung auf neue Füße zu stellen“, kündigt Dirk Sessinghaus von der Werbegemeinschaft an. Zum einen sollen neue Leuchtmittel angeschafft werden, für die der Ein-Euro-Verein 6000 Euro zur Verfügung stellt (s. Info-Kasten). „Das Geld ist vorige Woche schon geflossen, und wir sind dem Verein dankbar, dass er den Vorschlag zur Abstimmung gestellt hat“, freut sich Sessinghaus über die Finanzspritze. In Betracht gezogen wird aber auch, die Arbeit in die Hände einer externen Firma zu geben, so wie es etwa in Radevormwald seit Jahren der Fall ist. Firmen und Gewerbetreibende beteiligen sich mit Spenden an den Kosten. „Wir müssen mit Sicherheit mit 10.000 Euro rechnen“, schätzt der Händler den Kostenaufwand. Sobald wie möglich, wollen sich Vertreter der Werbegemeinschaft, Handwerker und des Stadtmarketings zusammensetzen und beraten.

„Die Idee ist gar nicht schlecht“, meint Guido Schnitzler. Die Frage sei nur, ob genug Geld dafür zusammenkommt und ob der Auftrag dann vielleicht sogar an ein örtliches Unternehmen vergeben werden kann. Die Bürger wissen den ehrenamtlichen Einsatz der Handwerker sehr zu schätzen und äußern das auch. So sagt Deike Schütte im Vorbeigehen: „Danke, dass Ihr das für uns macht.“