Entscheidung soll in der Ratsitzungam 5. März fallen Die Hängepartie um die Dreifachturnhalle geht weiter

Hückeswagen · Wird die Halle nun zusammen mit dem Hallenbad geplant und gebaut? Dafür hatten vor der Sitzung des Bauausschusses Hückeswagener Sportler lauthals geworben. Die Politik konnte sich aber erneut nicht entscheiden. Wie in der Sitzung argumentiert wurde und wann die Entscheidung fallen soll.

Gut 80 Sportler demonstrierten auf dem Bahnhofsplatz im Vorfeld der Sitzung des Bauausschusses für die umgehende Errichtung einer Dreifachturnhalle im Brunsbachtal – zusammen mit dem neuen Hallenbad.

Gut 80 Sportler demonstrierten auf dem Bahnhofsplatz im Vorfeld der Sitzung des Bauausschusses für die umgehende Errichtung einer Dreifachturnhalle im Brunsbachtal – zusammen mit dem neuen Hallenbad.

Foto: Stephan Büllesbach

Für den emotionalsten Moment des Abends sorgte Detlef Schulz, als der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins vehement für den umgehenden Bau der Dreifachturnhalle warb. „Lernen wir eigentlich nichts aus Fehlern?“, sagte er mit Blick auf das inzwischen geschlossene Bürgerbad und die Grundschulen an der Kölner Straße. Sei doch bei ihnen so lange gewartet worden, „bis sie verrottet waren. Wir haben eine Mehrzweckhalle, die 50 Jahre alt ist. Wenn wir jetzt nicht die neue Halle bauen, bauen wir sie erst in 20 Jahren“, sagte Schulz. Dann sei die Mehrzweckhalle 70 und wahrscheinlich auch schon lange gesperrt.

Allen sei bewusst, dass die finanziellen Mittel fehlten. „Aber wie sollen wir junge Familien dazu animieren, nach Hückeswagen zu ziehen? Nur eine neue Grundschule reicht nicht“, argumentierte der SPD-Vorsitzende. Und würde die Halle erst in einigen Jahren gebaut werden, würde sie deutlich teurer.

Wie die Grünen hatte auch die SPD einen Antrag gestellt, Hallenbad und Dreifachturnhalle gleichzeitig zu bauen. Wobei sich beide auf den Gutachter des Kölner Büros Thomaßen Consult beriefen. Der hatte im Mai 2023 im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport deutlich gemacht, dass in Hückeswagen für den Vereins- und Schulsport aktuell zwei, ab 2029 sogar drei Übungseinheiten fehlen würden. Beide Fraktionen verwiesen auf Synergien und Kosteneinsparungen, würden beide Gebäude gleichzeitig gebaut.

Und darauf, dass es seit Anfang Juni einen einstimmigen Ratsbeschluss gibt (s. Info-Kasten). SPD-Fraktionschef Jürgen Becker beklagte, dass seitdem nichts passiert sei. „Wir müssen aber jetzt handeln, weil wir zu wenig Hallenkapazitäten haben“, unterstrich er. Das Geld dafür soll aus dem Erlös der Kanalnetz-Übertragung an den Wupperverband genommen werden, für die die Stadt etwa 61,5 Millionen Euro erhalten hat.

Das alles waren keine neuen Argumente. Ebenso wenig wie etwa die von Markus Reichwein, der für die FDP deren aktuelle ablehnende Haltung beim Bau einer Dreifachturnhalle wiederholte. Er verwies darauf, dass die Halle zum einen nicht finanzierbar sei und zum anderen der Verwaltung im Moment die personellen Kapazitäten für die Planung und Aufgaben als Bauherr fehlen würde. „Außerdem wissen wir überhaupt noch nicht, wie die Halle ausgestattet sein soll, und auch ihre Anforderungen sind unklar.“

Der FDP-Politiker machte auch deutlich, dass die Liberalen sehr wohl die Notwendigkeit einer neuen Dreifachturnhalle für Hückeswagen sehen. Wenn jetzt aber der ganze Planungsprozess wie beim Hallenbad einsetze, „sind wir ein Jahr weiter. Und das ist nicht akzeptabel“, betonte Reichwein mit Blick auf das neue Hallenbad. Zum Sport in Hückeswagen gehöre schließlich auch der Schwimmsport.

Für die CDU merkte Willi Endresz an, dass sie den Anstoß zum Bau der Turnhalle gegeben habe. Weil ein Hallenbad aber technisch wesentlich komplizierter sei, als eine Turnhalle, sieht er nur sehr wenig Synergien beim gleichzeitigen Bau. Endresz meldete für die CDU nicht nur erneut Beratungsbedarf an – das hatte sie Anfang Februar bereits im Haupt- und Finanzausschuss getan – er forderte auch die Verwaltung auf, bis zur Ratssitzung am 5. März Lösungen für einen möglichen gleichzeitigen Bau von Bad und Halle aufzuzeigen. Dem stimmte Bürgermeister Dietmar Persian zu.

Es oblag dann Dieter Klewinghaus, Leiter des Gebäudemanagements, das Dilemma der Verwaltung darzulegen. „Wir können sehr wohl beide Gebäude parallel bauen“, versicherte er. „Wenn wir denn genügend Personal hätten.“ Aber genau das fehlt im Gebäudemanagement, weil alle verfügbaren Architekten und Techniker für die anderen Großprojekte eingesetzt sind.

Zudem zeigte er ein weiteres Problem auf, was den Projektsteuerer betrifft. Dieses noch zu beauftragende externe Fachbüro ist nur dafür da, für die Stadt die Planungen für das Hallenbad zu erstellen. „Beim Bau von Hallenbad und Dreifachhalle in einem müssen wir aber beide Projekte gleichzeitig beauftragen“, erläuterte Klewinghaus. Auch könne die Ausschreibung erst dann starten, wenn feststehe, was der Projektsteuerer denn planen soll. Zur Turnhalle gebe es aber noch nichts Konkretes. „Und wie beim Hallenbad müsste man den Prozess vorschalten, welche Ausstattung sie haben soll. Dazu sollten die Vereine ihre konkreten Bedarfe klären.“ Das alles sei noch nicht geschehen. Entspannung sieht der Leiter des Gebäudemanagements erst für Frühjahr nächsten Jahres, wenn der Feuerwehr-Neubau beendet ist. „Dann wäre die Projektleiterin frei.“

Einen Beschluss fasste der Bauausschuss nicht wegen des Beratungsbedarfs der CDU. Der soll nun erst in der Ratssitzung fallen. Persian hielt derweil fest: „Eine große Mehrheit in der Politik will diese Halle.“ Er warnte aber auch: „Wir dürfen darüber das Hallenbad-Projekt nicht weiter schieben. Für mich ist das höher anzusiedeln.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort