Unterstützung aus Hückeswagen durch Grundschule Wiehagen Waffel backen für abgebrannten Zirkus

Wiehagen · Der Mitmachzirkus ­Proscho, der zuletzt im Mai für eine erlebnis­reiche Projektwoche an der Grundschule Wiehagen gesorgt hatte, ist in existenzielle Not geraten. Zur Unterstützung gab es eine Spendenaktion.

Hunderte Waffeln hatten die Mütter (hinten / v.l.) Chantal Wiest, Imke Schröder, Nicole Ballhausen und Sarah Sonnborn für die Schüler gebacken. Der Erlös soll dem Wiederaufbau des Projektcircuses Proscho zugutekommen.

Hunderte Waffeln hatten die Mütter (hinten / v.l.) Chantal Wiest, Imke Schröder, Nicole Ballhausen und Sarah Sonnborn für die Schüler gebacken. Der Erlös soll dem Wiederaufbau des Projektcircuses Proscho zugutekommen.

Foto: Stephan Büllesbach

Während die Jungen und Mädchen der Grundschule Wiehagen am Mittwochmorgen genüsslich an ihren Waffeln kauen, die mehrere Mütter seit Unterrichtsbeginn im Foyer gebacken und dann in der ersten großen Pause an die Kinder und Lehrerinnen verteilt haben, werden viele traurig.

Denn der Anlass für diese Waffelbäckerei ist ein solcher. Ist doch die Existenz des Mitmachzirkus Proscho, in dessen Manege auf dem Schulhof bis auf die Erstklässler alle Wiehagener Grundschüler im Mai vorigen Jahres am Ende einer Projektwoche mehrfach aufgetreten waren, bedroht. Ein Großteil der Ausstattung war Mitte Januar bei einem Brand vernichtet worden. Um die Zirkusfamilie Maatz zu unterstützen, die seit 2011 Zirkus-Projekte speziell für Grundschulen anbietet, hatten Lehrerinnen und Mütter die Waffelaktion auf den Weg gebracht.

Die Zirkusleute waren in der Nacht auf den 16. Januar aus Passau zurückgekommen und hatten alle Wagen auf ihrem Gelände im westfälischen Dülmen abgestellt. Da entdeckte ein Mitarbeiter, dass einer der drei Lastwagen in Flammen stand. Während die beiden anderen noch rechtzeitig rückwärts aus der Gefahrenzone gefahren werden konnten, brannte der wichtigste Lkw des Unternehmens komplett ab – und mit ihm der Inhalt des gesamten Zelts, die Tribüne, Bestuhlung, Licht- und Tonanlage, der Artisteneingang, Stoffe, alle Requisiten für die gesamte Show sowie Trainingsmaterial. „Kurz gesagt, hunderte Stunden Arbeit waren in Sekunden verbrannt“, berichtet die Familie Maatz auf ihrer Facebook-Seite. Zusätzlich hatte ein Auflieger, der neben dem brennenden Laster stand, ebenfalls Feuer gefangen und war durch die Löscharbeiten irreparabel beschädigt worden. „Darin befand sich all unser Hab und Gut seit Ende November“, berichtet die Zirkusfamilie.

Zuletzt konnten die Wiehagener Grundschüler im Mai vorigen Jahres in der Manege des Mitmachzirkus Proscho zeigen, was sie an Kunststücken gelernt hatten.

Zuletzt konnten die Wiehagener Grundschüler im Mai vorigen Jahres in der Manege des Mitmachzirkus Proscho zeigen, was sie an Kunststücken gelernt hatten.

Foto: Jürgen Moll

Denn sie hatte zuvor schon einen weiteren Schlag zu verdauen: Ihr war zum 31. Dezember das Mietverhältnis gekündigt worden, weshalb sie ihre Lager- und Werkzeughalle sowie die persönlichen Garagen leerräumen mussten. Seit Juli hatten sie versucht, einen neuen Standort zu finden. Bislang offenbar vergeblich.

Alle vier Jahre macht der Zirkus in Hückeswagen an der Grundschule Wiehagen Station – bislang insgesamt drei Mal. So kann jedes Kind im Laufe seiner Zeit an der Blumenstraße einmal an diesem Zirkuserlebnis teilnehmen. Das kommt bei allen Schülern und deren Eltern sehr gut an, zumal viele Jungen und Mädchen gerade durch das Training und den darauf folgenden Auftritt in der Manege selbstbewusster werden. „Das ist ein einmaliges Erlebnis für die Kinder, und sie machen so viele wertvolle Erfahrungen in dieser Zirkusprojekt-Woche“, hatte die Schulleitung in einem Anschreiben an die Eltern geschrieben, in dem diese gebeten wurden, ihren Kindern einen Euro für die Waffel mitzugeben. „Das engagierte ,Team Proscho‘ und die fantastische Zirkus-Atmosphäre ermöglichen den Kinder eine ganz neue, wunderbare Perspektive.“

Während sie das Waffeleisen zum wiederholten Mal mit Teig bestückt, sagt Imke Schröder: „Uns Eltern liegt der Zirkus sehr am Herzen. Wir wollen, dass die tollen Aktionen weitergehen.“ Zusammen mit vier anderen Müttern hat sie an diesem Morgen 100 Kilogramm Mehl und 100 Eier zusammen mit der entsprechenden Menge der übrigen Zutaten zu jeder Menge Waffelteig zusammengerührt. Jetzt, um 9.15 Uhr, kommen die ersten Kinder aus ihrer Klasse, stellen sich brav an und lassen sich jeweils eine mit Puderzucker bestäubte Waffel geben. Dann marschieren sie zurück an ihre Tische.

„Es hat aus dem Bereich der Eltern viel Rückmeldungen geben, dass etwas zur Unterstützung des Zirkus gemacht werden sollte“, erzählt Imke Schröder. Schließlich sei die Projektwoche ein tolles Ergebnis für die Kinder, die einmal Stars in der Manege seien. „Und die Zirkusleute machen das so toll und liebevoll“, lobt die Mutter.

So sieht das auch Schulleiterin Claudia Paradies: „Das ist ein tolles Team. Und jetzt ist es wirklich gebeutelt.“ Natürlich sei der Waffelverkauf mehr eine symbolische Geste, „aber wir möchten wenigstens etwas für den Zirkus tun“. Dessen Betreiber ließen sich nicht unterkriegen, versichert Claudia Paradies, die sich sicher zeigt: „Es wird weitergehen.“ Denn 2026 soll das Zirkuszelt wieder auf dem Schulhof an der Blumenstraße stehen.

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