1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: Gotteshütte sucht Gastfamilien für Jugendliche

Hückeswagener Jugend- und Sozialwerk : Gotteshütte sucht Gastfamilien

Das Hückeswagener Jugend- und Sozialwerk ist Mitglied im Anbieter-Verbund JuMeGa (Junge Menschen in Gastfamilien). Es sucht nun Familien, die Kindern oder Jugendlichen ein neues Zuhause geben, die nicht mehr zurechtkommen.

Wenn Kinder in ihrer eigenen Familie – mit ihren Eltern und/oder den Geschwistern – einfach nicht mehr klarkommen, sich verweigern, die Schule schwänzen oder sogar aggressiv werden, hilft häufig nur, sie aus dem angestammten Lebensumfeld herauszunehmen. Die Gotteshütte, die 1954 von der Diakonisse Else Brüning zunächst als Kinderheim gegründet worden war, bietet verschiedene Möglichkeiten an, wie diesen Kindern und Jugendlichen geholfen werden kann. Zum Angebot des Jugend- und Sozialwerks, das etwa 160 Mitarbeiter beschäftigt, 170 Kinder und Jugendliche, junge Mütter, Familien und psychisch kranke Erwachsene in Hückeswagen, Wipperfürth und Remscheid betreut sowie mit Familien im Oberbergischen und in Lüdenscheid zusammenarbeitet, zählen Familiengruppen, Erziehungsstellen, das Kinder- und Jugendwohnen, teilstationäre Gruppen, Mutter-Kind-Angebote („Café L(i)ebenwert“) und ambulante Maßnahmen.

Vor sechs Jahren kam JuMeGa hinzu: Wenn andere Jugendhilfe-Angebote nicht greifen, haben die Betroffenen die Möglichkeit, in einer Gastfamilie einen Neuanfang zu machen. Zwei solcher Familien aus Hückeswagen und dem Sauerland arbeiten schon mit der Gotteshütte zusammen, nun hofft sie auf weitere fünf bis sieben.

„Wir bekommen immer wieder Anfragen der Jugendämter, was mit den Kindern oder Jugendlichen gemacht werden kann, die keine hoffnungsvolle Jugend mehr haben“, berichtet Sascha Viehoff, Geschäftsführer der Gotteshütte, im Gespräch mit unserer Redaktion. Wenn ein solcher Anruf oder eine solche Mail kommt, sind in der Regel alle Versuche gescheitert, die Jugendlichen etwa in Jugendgruppen aufzufangen. Denn mitunter haben sie gerade mit Gleichaltrigen Schwierigkeiten. Oder aber sie haben Probleme mit dem Schichtdienst der Mitarbeiter, deren ständiger Wechsel sie mit einem kleinen Beziehungsabbruch gleichsetzen.

Da setzt JuMeGa an, dessen Ursprünge im Süddeutschland der 1990er Jahre lagen. Um die Jahrtausendwende wurde das Konzept wissenschaftlich begleitet, erläutert Viehoff. „Dabei wurde festgestellt, dass junge Menschen durchaus Entwicklungssprünge machen können, wenn sie im Schonraum einer Familie leben können.“ Mitunter hätten sich Bindungen und Beziehungen phänomenal entwickelt. Daher passe JuMeGa sehr gut zur Gotteshütte, die viel in und für Familien tue. Denn dort könnten sie eine dauerhafte Beziehung aufbauen, würden Freud’ und Leid miteinander teilen und so Fortschritte in ihrer Entwicklung machen.

Jochen Tweer, Bereichsleiter Kinder- und Jugendwohnen des Jugend- und Sozialwerks, hat dafür ein passendes Beispiel parat: „Das ist wie in der Natur, wo es Flach- und Tiefwurzler gibt.“ Es gebe Jugendliche, die gerne in Gruppen mit ihren vielen Beziehungen lebten. Und dann gebe es welche, die seien wie eine tief wurzelnde Buche, die nur ein, zwei Bezugspersonen vertrügen und von denen sie Dünger bekämen.

Der Vorteil von JuMeGa ist laut Viehoff, dass die Betroffenen von der Alltagskompetenz der Familien sowie der Fachkompetenz der Gotteshütte profitieren könnten. „Wir begleiten die Jugendlichen und Familien“, versichert der Geschäftsführer. Zudem halte das Jugend- und Sozialwerk den Kontakt etwa zu den Schulen oder Ausbildungsplätzen, Therapeuten und Jugendämtern. Dazu gibt es regelmäßige Treffen in den Familien, um das Leben dort, die Fortschritte und Probleme zu reflektieren. Die Gotteshütte guckt dabei vorab genau, ob der Jugendliche in die Familie auch passt. „Wenn er etwa Saxofon spielt, ist eine musikalische Familie optimal. Enen Computerfreak würden wir dagegen nicht zu einer sportlichen Familie vermitteln“, versichert Tweer.

Dass Jugendliche Probleme haben, hat es immer schon gegeben. Allerdings sei der Druck in der heutigen schnelllebigen Zeit auf die Familie gestiegen. Gerade der Anstieg von psychischer Belastung bei den Eltern wirke sich oft auch auf die Kinder aus. „Wichtig ist, dass das kein Tabuthema mehr ist und totgeschwiegen wird“, unterstreicht Tweer.