1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: Getränke Lorse bietet in der Krise Getränkeservice an

Blickpunkt Wirtschaft in Hückeswagen : Lorse bietet in der Krise Getränkeservice

Weil Geschäftsführer Stefan Lorse durch die Corona-Krise viele Kunden in der Gastronomie weggebrochen sind, bietet der Hückeswagener Unternehmer ab sofort einen Abholservice für Privatkunden an. Seit März wird kurzgearbeitet.

Eigentlich würde man ja meinen, dass auch in der Zeit der Corona-Krise getrunken wird – ob nun Bier, Sprudel oder Limonade. Dem ist natürlich auch so. Die Versorgung mit Getränken ist auch in Zeiten von Hamsterkäufen gesichert. Für den Kunden gibt es also, abgesehen von Wartezeiten im Laden, auch trotz Corona keine Veränderungen. Problematisch wird es für den Großhändler aber dann, wenn der Hauptkundenstamm aus Gastronomiebetrieben sowie der Belieferung von öffentlichen Veranstaltungen besteht. Wie das bei Getränke Lorse derzeit der Fall ist. Dort ruht das Geschäft im Moment praktisch komplett.

„Ich habe bereits im März Kurzarbeit beantragt. Im April und Mai sind sämtliche Veranstaltungen abgesagt worden, außerdem sind seit Mitte März alle Restaurants geschlossen“, sagt Inhaber Stefan Lorse. Nur einzelne Betriebe aus der Industrie würden derzeit noch mit Sprudel und anderen alkoholfreien Getränken versorgt. Um in dieser komplizierten Phase wenigstens ein bisschen Umsatz zu generieren, setzt Lorse im Moment auf ein Angebot, das nicht zum Kerngeschäft des Getränkehandels gehört: den Verkauf an Privatkunden.

 Stefan Lorse hofft, dass viele Gastronomen durchhalten.
Stefan Lorse hofft, dass viele Gastronomen durchhalten. Foto: Lorse

„Wir haben auf dem Betriebsgelände so viel Platz, so dass wir den Kunden sogar einen Einkauf ohne Kontakt anbieten können“, sagt Lorse. Der Hückeswagener Unternehmer spricht dabei von einem Drive-Trough-System. „Die Kunden können ihre Bestellung per Telefon durchgeben, kommen dann mit ihrem Leergut im Kofferraum auf den Hof, unsere Mitarbeiter tauschen Leergut gegen Bestellung aus. Im Anschluss kann der Kunde dann per EC-Karte die Rechnung bezahlen – alles, ohne dabei das Auto verlassen zu müssen“, sagt Lorse. Da es in Hückeswagen nach der Schließung des Getränkemarkts am Montanuskreisverkehr im vergangenen Jahr Getränke nur noch in den fünf Supermärkten und bei Getränke Lienig im Goethetal zu kaufen gebe, werde das Angebot auch sehr gut angenommen, sagt Lorse. „Und das, obwohl wir wegen der Kurzarbeit nur von Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr geöffnet haben können“, sagt Lorse. Zum Glück sei die Ware bei Getränke Lorse nicht kritisch im Bezug auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. „Aber natürlich ist es im ersten Moment totes Kapital“, sagt Lorse. Die Getränkekästen könnten nun natürlich an Privatkunden verkauft werden, das gelte allerdings nicht für die großen Bierfässer, die nur für Veranstaltungen geeignet seien. „Die liegen nun im Lager“, sagt Lorse.

Nun ist der Privatkundenverkauf aber natürlich auch keine Lösung für ausbleibende Kunden und abgesagte Veranstaltungen, sondern eher der Tropfen auf dem heißen Stein, der zumindest ein wenig Einkünfte bringen soll. Der Unternehmer macht sich durchaus viele Gedanken über die wirtschaftliche Zukunft. „Wie lange hält die Wirtschaft einen solchen Zustand aus? Wie lange unsere Kunden? Welche Kunden überleben das?“. Solche Fragen beschäftigen Lorse derzeit stark. „Man kann aber keine Einschätzung dazu abgeben, da man von Tag zu Tag neu überlegen muss“, sagt er. Für den restlichen April rechne er keinesfalls mit normalen Umsätzen. „Sollte es Ende Mai wieder losgehen, dann hoffe ich schon, dass die meisten Gastronomen noch da sind. Wenn das aber, sagen wir, bis Januar 2021 so weitergehen sollte, dann dürften 50 Prozent unserer Kunden nicht mehr am Markt sein“, sagt Lorse. Zwischen 250 und 270 Kunden würden von Getränke Lorse regelmäßig einmal pro Woche beliefert, sagt Lorse. Besonders belastend sei dabei, dass man als Unternehmer oder auch Privatperson überhaupt nicht aktiv werden und nichts Konstruktives machen könne.

Dennoch ist Lorse nicht nach Schwarzmalerei. „Irgendwie müssen wir da jetzt alle gemeinsam durch. Und dann geht es auch irgendwann wieder weiter. Die Frage ist eben nur: Wann ist dieses Wann?“, fragt sich der Hückeswagener Unternehmer.