Hückeswagen gedenkt der Opfer in Etaples

Ende des Ersten Weltkrieges : Hückeswagen gedenkt Opfer in Etaples

An den Ersten Weltkrieg und die Opfer erinnerten am Wochenende die Staaten, die gegen das deutsche Kaiserreich gekämpft hatten. Hückeswagen war mit Bürgermeister Dietmar Persian und Fachbereichsleiter Alexander Stehl vertreten.

Die Nacht vom 19. auf den 20. Mai 1918 war sternenklar und schwül. Die Menschen in Etaples-sur-Mer bereiteten sich auf das Pfingstfest vor. Doch ihr Feiertag sollte zum Albtraum werden. Im Norden, nahe dem belgischen Gent, war ein Geschwader deutscher Bomber aufgestiegen und nahm Kurs auf die Fischerstadt an der Kanalküste. Die deutschen Bomberbesatzungen hatten vor, das große Militärcamp der Briten, das seit 1915 rings um den Ort angelegt worden war, vor allem aber die für den Nachschub wichtigen Eisenbahngleise zu zerstören. Ihnen ging es aber auch darum, Terror unter der Zivilbevölkerung zu verbreiten.

Entlang der Bahnlinie, die noch heute Hückeswagens Partnerstadt durchquert, warfen sie tonnenweise ihre tödliche Fracht ab. Manche Etapler dachten zunächst, bei den Detonationen handelte es sich um schweres Gewitterdonnern, und blieben in ihren Betten. So wurden viele von zusammenstürzenden Mauern getötet, andere rannten ins Freie, suchten Schutz in den Kellern der kleinen Fischerhäuser. Der Angriff in der Pfingstnacht blieb nicht der einzige, weitere Bombardements folgten, zehn Tage später am Fronleichnamstag. 400 Bomben wurden abgeworfen, die nicht nur die Fischerquartiere entlang des Hafens an der Canche zerstörten. Die Bombennächte dauerten bis August – die Deutschen versuchten im Spätsommer mit allen Mitteln, doch noch eine Wende in dem vierjährigen Ringen um den Sieg herbeizuführen.

Diesen Kranz legte Bürgermeister Dietmar Persian in Etaples nieder. Foto: stehl

Als am 11. November 1918 der Waffenstillstand in Kraft trat und Frieden herrschte, hatten 46 Einwohner durch den Bombenkrieg ihr Leben verloren, mehr als 100 Gebäude waren zerstört worden. Die Fronten des Ersten Weltkrieges lagen damals 100 Kilometer weit entfernt, in Etaples-sur-Mer war also in erster Linie die Zivilbevölkerung von der Katastrophe betroffen.

An das Kriegsgeschehen und seine Opfer erinnerten am vergangenen Wochenende die Staaten, die einst gegen das deutsche Kaiserreich gekämpft hatten. Präsident Emmanuel Macron war zuvor eine Woche lang durch Frankreich gereist und hatte Stätten des Krieges besucht, bevor er die ehemals verbündeten Staatschefs am Sonntag zu einer Feierstunde unter dem Pariser Arc de Triomphe einlud. Gedenkstunden fanden auch in Etaples-sur-Mer statt – auf dem großen britischen Militärfriedhof vor der Stadt und auf dem städtischen Friedhof, wo die Opfer der Bombenangriffe ruhen.

Zu diesen Zeremonien war auch Bürgermeister Dietmar Persian eingeladen worden und reiste mit dem neuen Fachbereichsleiter für Bildung und Soziales, Alexander Stehl, am Samstag an die Kanalküste. Nach seiner Wahl zum Bürgermeister 2014 war das der zweite Besuch des Hückeswageners bei seinem Amtskollegen Philippe Fait. Bei herrlichem Wetter traf man sich auf der jährlich stattfinden „Fête de L‘Hareng roi“, einem Fest, bei dem traditionell Heringe verspeist werden. Die beiden Stadtoberhäupter konnten ausführlich all die Dinge besprechen, die die Städtepartnerschaft am Leben erhält, vor allem Einzelheiten zum 50-jährigen Bestehen im Jahre 2022.

400 Bomben wurden abgeworfen. Sie trafen nicht nur die Fischerquartiere entlang des Hafens an der Canche. Foto: Collection Achille Caron

Am Sonntagvormittag war Dietmar Persian dann bei den Gedenkfeiern dabei, die vor allem auf dem städtischen Friedhof unter großer Anteilnahme jüngerer und älterer Menschen stattfanden. Der Kranz der Hückeswagener Delegation, niedergelegt vor dem Ehrendenkmal der Stadt, war mit einem Wort des Dichters Antoine de Saint-Exupéry versehen. Es heißt sinngemäß: „Der Frieden ist ein Baum – um zu wachsen, braucht er Zeit und Ausdauer.“ Die Menschen in Etaples-sur-Mer und Hückeswagen haben viel dafür getan, dass dieser Friedensbaum groß und stark geworden ist.

Mehr von RP ONLINE