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Hückeswagen: Friedel Pfeiffer, Gründer der Gefährdetenhilfe, wird 85

Hückeswagen: Friedel Pfeifer feiert 85. Geburtstag : Dankbarer Blick auf ein langes Leben

Der Gründer der Gefährdetenhilfe Scheideweg, Friedel Pfeiffer, feiert am Donnerstag, 30. Juli, seinen 85. Geburtstag. Im Gespräch mit unserer Redaktion erinnert er sich an seine Kindheit und sein Wirken.

Dankbarkeit und Nachhaltigkeit – diese beiden Begriffe kommen Friedel Pfeiffer in den Sinn, wenn er auf sein 85-jähriges Leben zurückblickt. „Ein Leben muss nachhaltig sein. Nicht, dass man irgendwann da steht und sich fragen muss: War es das jetzt?“, sagt der Ur-Scheideweger, der heute sein 85. Lebensjahr vollendet. Diese Frage muss er sich gewiss nicht stellen, gibt es doch viele Dinge, die der Mann mit dem markanten Bart erreicht hat und die bis heute nachhallen. Was gleichzeitig Grund genug für ihn ist, dankbar dafür zu sein.

Im Sommer 1935 wird Friedel Pfeiffer im Johannesstift geboren, das zu dieser Zeit ein Krankenhaus ist. Die ersten Jahre wächst er in Winterhagen auf, ehe die Familie nach Scheideweg zieht. Der Vater hat eine Schneiderei, weshalb die Familie viele Kontakte zu den Menschen hat. An den Zweiten Weltkrieg kann er sich noch erinnern. „Die Flieger, die nach Remscheid flogen, um dort ihre Bomben abzuwerfen, zogen über Scheideweg“, erzählt er. Der Vater ist im Krieg, kehrt versehrt zurück und ist Zeit seines restlichen Lebens krank. Die Versorgung hängt daher an der Mutter. „Das war nicht leicht. Es gab in Scheideweg einen kleinen Laden, ansonsten hatten wir unseren Garten“, erinnert sich der Jubilar. „Wenn man im Laden mal ein Bonbon bekam, war das etwas Besonderes.“

 Der damalige Landrat Hagen Jobi (l.) überreichte Friedel Pfeiffer im September 2011 das Bundesverdienstkreuz. Dessen Frau Marianne freut sich sichtlich.
Der damalige Landrat Hagen Jobi (l.) überreichte Friedel Pfeiffer im September 2011 das Bundesverdienstkreuz. Dessen Frau Marianne freut sich sichtlich. Foto: Dörner, Hans (hdo)
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Das Leben in Scheideweg sei ein Leben in einer kleinen Welt für sich gewesen. „Man kam selten heraus, ab und zu nach Wuppertal. Aber wir waren schon sehr für uns“, berichtet Pfeiffer. Wir, das waren neben den Eltern zwei Brüder und eine Schwester. Die väterliche Schneiderei übernimmt Friedel Pfeiffer, während der ältere Bruder eine Bandweberei in Halzenberg bei Wermelskirchen gründet. „Die Schneiderei befand sich dort, wo heute die Schreinerei Runkel in Scheideweg ist“, sagt Pfeiffer. Weil er jedoch nur sehr schwer Mitarbeiter finden kann, gibt er den Betrieb Mitte der 1960er Jahre auf – und wird als gelernter Schneidermeister ebenfalls Bandwirker. Zuvor hatte das junge Paar Friedel und Marianne Pfeifer 1960 geheiratet und war in das neugebaute Haus in Oberdorp gezogen. „Darin wohnen heute unser Sohn und seine Frau“, erzählt er.

Mit der Berufung als Schöffe ans Landgericht Wuppertal wird die wohl einschneidendste Veränderung in Friedel Pfeiffers Leben konkret. Das ist Anfang der 1970er Jahre, und die Arbeit am Gericht habe ihn mitgenommen, versichert er. „Das war schwer, weil ich immer verstehen konnte, wie Menschen auf die schiefe Bahn geraten können – während meine Mitschöffen und die Richter immer nur das zu bestrafende Delikt sahen“, betont der 85-Jährige.

 Friedel Pfeiffer (r.) pflegte den Kontakt zur Politik. 1989 etwa begrüßte er die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth bei der Gefährdetenhilfe.
Friedel Pfeiffer (r.) pflegte den Kontakt zur Politik. 1989 etwa begrüßte er die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth bei der Gefährdetenhilfe. Foto: jkö (Archiv)

Einige Jahre hatte das Ehepaar Pfeiffer schon in der Evangelisch-Landeskirchlichen Gemeinschaft Scheideweg Freizeiten organisiert. „Da fuhren ehemalige Strafgefangene und bürgerliche Gemeindeglieder gemeinsam weg“, sagt Pfeiffer. Dieses Engagement des Jugendbundes der Gemeinschaft führt 1975 schließlich zur Gründung der Gefährdetenhilfe. Von 1976 bis 2004 ist Friedel Pfeiffer deren Geschäftsführer. „Über diese vielen Jahre sind weltweit sehr viele Kontakte entstanden, für die ich unglaublich dankbar bin“, sagt er. Dankbar ist er auch dafür, dass sich die Menschen, die die Gefährdetenhilfe unterstützt hatten, zu individuellen Persönlichkeiten entwickelt hätten – und das mit den denkbar schlechtesten Voraussetzungen. „Das erfüllt mich immer mit Freude und Zufriedenheit. Viele Kontakte sind auch geblieben, bis heute“, sagt der 85-Jährige.

So hat er etwa erst kürzlich Besuch von einem Monteur aus Cloppenburg bekommen, der vor Jahren als Jugendlicher drogenabhängig gewesen war und bei der Gefährdetenhilfe gelebt hatte. „Heute hat er Familie und Arbeit, und als er in der Gegend zu tun hatte, hat er uns besucht. Das war sehr schön“, berichtet Pfeiffer erfreut. Ähnliche Gefühle gehen ihm durch den Kopf, wenn er an die vielen Projekte in der ganzen Welt denkt, die die Gefährdetenhilfe angestoßen hat. „Ich blicke auch heute noch nach vorne und frage mich, welche Ideen es für den Strafvollzug geben kann.“

Wegen Corona werde er seinen Geburtstag nicht groß feiern können, sagt Friedel Pfeiffer. „Wir werden am Sonntag mit unseren Kindern und Enkeln feiern, von denen aber nicht alle da sein können. Wäre Corona nicht, hätte es auf jeden Fall eine größere Feier gegeben.“