1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: Frauen stricken für bedürftige Kinder

St. Martin und das Teilen in Hückeswagen : Frauen stricken für bedürftige Kinder

So schön kann Teilen und Nächstenliebe sein: Drei große Tüten voller selbst gestrickter Socken, Kindermützen und Schals haben mehrere Hückeswagener Frauen für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ gespendet.

Wenn Marlene Wedekind etwas freie Zeit hat, dann schnappt sie sich ihr Strickzeug und fängt an zu handarbeiten. Aus Wollresten entstehen unzählige Kindermützen und Socken – und zwar das ganze Jahr über. „Eine Mütze stricke ich an einem Abend“, berichtet die 65-jährige Hückeswagenerin. Seit Januar ist ein großer 70-Liter-Sack voller Strickwaren zusammengekommen. Ihre Bekannte, Jutta Rachner, hat noch vier dicke Loop-Schals beigesteuert.

Empfänger dieser Spende sind Silke Wolff und ihr Sohn Robin (17) – die Wiehagener Familie organisiert seit acht Jahren die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. „Ich habe irgendwann einmal davon gehört und mir gedacht, ich könnte ein paar Socken dafür machen. Die kann man gut zum Beipacken verwenden“, sagt Marlene Wedekind im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Sachspenden, die in den hübsch verpackten Kartons auf Reisen gehen, sind für bedürftige Kinder in Osteuropa bestimmt. „Die können es bestimmt gut gebrauchen“, ist Marlene Wedekind überzeugt.

Ihr Engagement ist dabei völlig uneigennützig. Sie erwartet dafür keine Gegenleistung, sondern freut sich, wenn sie anderen Menschen eine Freude machen kann. „In der heutigen Gesellschaft sind viele Leute ich-bezogen“, hat die Hückeswagenerin festgestellt.

Der Wandel in der Gesellschaft ist auch Birgit Mark aufgefallen: „Die Ellenbogen-Mentalität ist größer geworden, das merkt man überall“, bedauert die 59-Jährige. Auch sie hat eine riesige Tüte mit selbst gestrickten Schals für die Aktion gespendet. „Ich stricke das ganze Jahr über aus Zeitvertreib“, erzählt die Hückeswagenerin. Dazu hat sie noch zwei Schuhkartons für Mädchen im Alter zwischen sechs und acht Jahren gepackt und mit Kuscheltieren, Zahnbürsten, Süßigkeiten und – natürlich Schals bestückt. „Es macht mir einfach Spaß, und es freut mich, dass ich helfen kann“, sagt Birgit Mark.

Teilen und Gutes tun ist eine wichtige Tugend in der Gesellschaft. Ob und wie gut das funktioniert, offenbart sich besonders in Krisenzeiten. Das Martinsfest soll die Menschen daran erinnern, wie wichtig es ist zu teilen. Obwohl aufgrund der Corona-Situation derzeit keine Martinsumzüge stattfinden dürfen, wurde die Geschichte des Heiligen Martins dennoch den Kindern in den Grundschulen und Kindergärten vermittelt. Es gibt auf der einen Seite diejenigen, die genügend haben und teilen könne, und andererseits die, die Unterstützung benötigen und froh sind, wenn sie Hilfe bekommen.

Silke und Robin Wolff sind glücklich und dankbar für alle Unterstützer, die sich an der Aktion beteiligen. „Wir haben wieder einmal drei große Tüten mit gestrickten und genähten Mützen, Schals, Handschuhen und Socken erhalten“, berichtet der 17-Jährige. Neben Marlene Wedekind, Jutta Rachner und Birgit Mark gebe es noch eine weitere Dame, die schon seit Beginn der Aktion in Hückeswagen zahlreiche Handarbeiten beisteuere. „Es ist sehr schade, dass unsere treueste Spenderin keine Kontaktdaten hinterlassen hat“, bedauert Wolff.

Marlene Wedekind gibt von Herzen und möchte das auch gar nicht an die „große Glocke hängen“, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe sind für sie selbstverständlich. Ein Fernsehbericht über Obdachlose, die es in der Corona-Krise und der bevorstehenden kalten Jahreszeit besonders schwer haben, hat sie tief berührt. „Ich würde auch da gerne helfen, aber das würde meinen Rahmen sprengen“, bedauert die 65-Jährige. Seit Januar strickt sie für bedürftige Kinder. Pause haben die Stricknadeln jetzt dennoch nicht, denn es stehen größere Einzelprojekte an, wie eine gestrickte Raglanjacke für die Tochter oder die Wünsche der Enkelkinder.

Birgit Mark hat neben dem Stricken noch die nordische Stickart Hardanger als kreatives Hobby. „Das geht aber nicht nebenbei beim Fernsehgucken, da muss man sich schon konzentrieren“, erklärt sie. Die fleißigen Strickerinnen möchten weitermachen. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, betont Marlene Wedekind, die selbst nach diesem Motto handelt – und das mit Freude.