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Hückeswagen: Firma Käufer profitiert vom Windenergie-Boom

Neue Montagehalle : Käufer profitiert vom Windenergie-Boom

Mit 70 Mitarbeitern zählt die Firma Käufer GmbH Befahrtechnik aus Mühlenberg zwar nicht zu den größten in Hückeswagen. Wohl aber zu denen, die Kunden auf der ganzen Welt haben. In Hämmern wird jetzt in einer neuen Montagehalle produziert.

Andere machen da zwar Urlaub, aber es gibt schlechtere Arbeitsplätze als in Curaçao. Eine Offshore-Anlage vor der niederländischen Karibikinsel nördlich von Venezuela ist in den kommenden vier Wochen nur ein Ziel von Mitarbeitern der Firma Käufer. Ihre Tour führt sie weiter nach Chile, Ecuador, Australien und in die Türkei. Ebenfalls schöne Reiseziele und ebenfalls nicht die schlechtesten Plätze zum Arbeiten.

Überall dort wird die Befahrtechnik der Hückeswagener Firma benötigt. Und zwar dann, wenn es um die Wartung oder Reinigung von Gebäuden oder Anlagen geht, die auf dem üblichen Weg nicht erreichbar sind. So müssen bei Windkraftanlagen etwa die Rotorblätter gewartet werden. Oder die Dächer von Fußballstadien und Einkaufszentren benötigen eine Reinigung. In solchen Fällen kommt die Befahrtechnik aus Mühlenberg zum Einsatz. Bei einem Windrad etwa – zum Beispiel bei einer Offshore-Anlage auf hoher See – werden in der Kabine Stahlseile befestigt und durch zwei Löcher auf die Erde gelassen. Diese werden in Seilwinden, die an der Gondel festgemacht sind, eingehakt. Sie ziehen den Korb langsam nach oben, wobei zwei Räder am Windrad hochfahren. Diese wiederum sind mit langen Streben an der Gondel befestigt. Oben angekommen, können die Monteure, im Korb stehend, die Rotorblätter dann auf Schäden untersuchen und reparieren.

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Als Ende der 1990er Jahre der Boom der Windkraft begann, nahmen die Hückeswagener sich dieses Industriezweigs an. Mittlerweile stellen die Geschäftsführer Dirk und Werner Käufer hier das größte Wachstum fest, wobei die Befahranlagen und die Seilantriebstechnik ebenfalls stark nachgefragt werden.

 In der neuen Montagehalle in Hämmern entsteht gerade der Befahrungs-Prototyp für die größte Windkraftanlage der Welt.
In der neuen Montagehalle in Hämmern entsteht gerade der Befahrungs-Prototyp für die größte Windkraftanlage der Welt. Foto: Stephan Büllesbach

Bereits vor drei Jahren hatten sie im Industriegebiet Hämmern eine etwa 500 Quadratmeter große Halle angemietet. „Die Mitarbeiter haben sich dort aber irgendwann nicht mehr bewegen können“, sagt Werner Käufer mit Blick auf die vielen Aufträge, die es abzuarbeiten galt. Daraufhin entschloss sich die Geschäftsführung, auf einem nur wenige Meter entfernten Grundstück eine neue, 600 Quadratmeter große Halle zu bauen. Dazu kommen auf weiteren 300 Quadratmetern noch Büros, Sozial- und Schulungsräume. In Hämmern wird nun hauptsächlich für die Windkraftanlagen produziert. „Die Nachfrage nach unserer Befahrtechnik ist deutlich gestiegen“, berichtet Dirk Käufer. Daher hat das Unternehmen am Standort Hämmern, wo etwa 30 der insgesamt 70 Mitarbeiter beschäftigt sind, fünf neue Arbeitsplätze geschaffen. „Hier sind jetzt noch Kapazitäten frei“, sagt er. Erst einmal sei das Unternehmen gut aufgestellt.

Aktuell wird in der neuen Montagehalle ein großer Prototyp für die Befahrung der größten Windkraftanlage der Welt hergestellt, die zurzeit in der Nordsee vor Dänemark steht. Ähnliche Anlagen gibt es aber etwa auch in den USA und China, wofür Käufer ebenfalls die Befahrtechnik produziert. „Bis auf die Statik und einige Sondersachen vergeben wir keine Aufträge extern“, versichert Werner Käufer. „90 Prozent der Arbeiten erledigen wir selbst.“ Die Planung, wofür im Unternehmen allein sechs Ingenieure beschäftigt sind, die Fertigung, die Montage und der Vor-Ort-Service liegen komplett in der Hand der Käufer-Mitarbeiter.

     So sieht’s aus, wenn Rotorblätter von Offshore-Anlagen gewartet werden.
 So sieht’s aus, wenn Rotorblätter von Offshore-Anlagen gewartet werden. Foto: Käufer Befahrtechnik

Zirka 700.000 Euro hat die Käufer GmbH in die neue Montagehalle, unter deren Decke ein großer Abus-Laufkran hängt, investiert. Eine Investition in die Zukunft. Denn sollten die Geschäftsfelder weiter boomen, dürfte der Jahresumsatz, der 2017 bei etwa acht Millionen Euro lag, in den nächsten Jahren steigen.