Feuerwehr Hückeswagen Simuliertes Großfeuer an der Kölner Straße

Hückeswagen · Bei der diesjährigen Alarmübung der Hückeswagener Feuerwehr rückten alle drei Löschgruppen und der Löschzug Stadt aus, um ein Feuer in der ehemaligen Löwen-Grundschule zu löschen.

Die Einsatzkräfte mussten zunächst von einem Ernstfall mit Gefahr für Personen ausgehen. Hier wird eines der „Opfer“ evakuiert.

Die Einsatzkräfte mussten zunächst von einem Ernstfall mit Gefahr für Personen ausgehen. Hier wird eines der „Opfer“ evakuiert.

Foto: Jürgen Moll

Es ist Freitagabend, die meisten Feuerwehrfrauen und -männer sind beim Abendessen oder auf der Couch. Doch dann, kurz vor halb sieben, beginnen die Sirenen in Hückeswagen zu heulen. Alle Pieper und Handy-Alarme springen simultan an. Auf der Feuerwehr-App Alamos, die alle Feuerwehrleute auf ihren Smartphones installiert haben, steht: „Bestätigtes Feuer an der Kölner Straße 40 mit Personen in Gefahr.“

Silke Lemmen, stellvertretende Wehrführerin, steht mit ihrem Kollegen Sören Bender auf dem ehemaligen Schulhof der alten Löwen-Grundschule, die seit Ende des vergangenen Schuljahrs nicht mehr in Betrieb ist, und schaut auf das Handy-Display. „Jetzt ist der Alarm gerade raus – und schon 30 Kameraden kommen“, sagt sie. Wenig später sind es fast 40, per Klick haben sie ihr Kommen zu- oder abgesagt.

Natürlich ist es nicht wirklich ein Ernstfall, der dafür sorgt, dass die Umwidmung des alten Schulgebäudes durch die Zerstörungskraft des Feuers beschleunigt wird. „Nein, wir proben einmal im Jahr unter Einsatzbedingungen den Ernstfall“, beruhigt Silke Lemmen. „Ein Aggregat sorgt für den Rauch im Obergeschoss. Die Leitstelle, der Bürgermeister und alle anderen wichtigen Stellen sind informiert – nur unsere Kameraden in den drei Löschgruppen und im Löschzug Stadt nicht.“

Solche Übungseinsätze sind wichtig und sollten eigentlich einmal im Jahr durchgeführt werden. Nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie ist das letzte Mal aber schon etwas her. „Es war dringend mal wieder an der Zeit, das zu üben“, sagt Lemmen. Sie blickt auf die Uhr – acht Minuten sind das Maximum, ehe die ersten Feuerwehrleute am Einsatzort sein müssen.

Sieben Minuten sind vergangen, ehe von der unteren Kölner Straße her flackerndes Blaulicht zu sehen und Sirenen zu hören sind. „Die Kameraden wissen tatsächlich nicht Bescheid, sie gehen noch davon aus, dass es wirklich brennt. Wir haben unsere Jugendfeuerwehr mit ins Boot geholt – sie spielen die Personen, die ins Gebäude eingedrungen sind und dann vom Feuer eingeschlossen sind. Eine Dummy-Puppe hängt auch aus dem Fenster und droht zu springen“, erklärt die stellvertretende Wehrführerin die Situation. Sie ruft zum Fenster hoch: „Schreit mal laut, dass ihr springen wollt.“ Wenige Augenblicke kommen markerschütternde Schreie aus dem zweiten Stockwerk.

Jetzt ist der erste Leiterwagen die enge Zufahrt hochgekommen, ein zweites Fahrzeug folgt direkt. Sie sind vom Löschzug Stadt, der von der Wache natürlich den kürzesten Weg hat. „Mal sehen, ob sie nun die Leiter ausfahren oder das Sprungtuch holen“, sagt Silke Lemmen. Der Einsatzführer entscheidet sich für die Leiter. „Das dauert natürlich länger. Hier muss es schneller gehen, weil derjenige am Fenster eben jeden Augenblick springen kann“, kommentiert Lemmen und macht sich Notizen. Denn im Nachgang wird der Übungseinsatz in der Feuerwache an der Bachstraße analyisiert. Im nächsten Augenblick – der Feuerwehrmann auf der Leiter ist noch nicht ganz oben angekommen, ist ein dumpfer Schlag zu hören – die Puppe ist „gesprungen“.

Natürlich wird den Feuerwehrleuten schnell klar, dass es sich um eine Übung handelt, als sie auf dem ehemaligen Schulhof angekommen sind. Dennoch läuft der Einsatz wie am Schnürchen ab. Es werden Stehleitungen gelegt, das Gelände ausgeleuchtet, die Personen im Inneren der Schule gesucht, die geretteten Jugendlichen erstversorgt. Jeder im Team weiß genau, was in dieser Lage zu tun ist.

„Wir üben diese Situationen immer einzeln, aber jetzt ist das Gesamtpaket gefordert“, sagt Silke Lemmen. Dazu gehört auch, dass in einem der vernebelten Räume zwei Jugendliche liegen, ganz still sind und somit simulieren, dass sie in Ohnmacht gefallen sind. „Die sind natürlich besonders gefährdet, da sie sich nicht bemerkbar machen können.“

 Die rasche Abstimmung des Einsatzes ist ein wesentlicher Punkt.

Die rasche Abstimmung des Einsatzes ist ein wesentlicher Punkt.

Foto: Jürgen Moll
 Mitglieder der Jugendfeuerwehr spielten bewusstlose Personen.

Mitglieder der Jugendfeuerwehr spielten bewusstlose Personen.

Foto: Jürgen Moll

Etwa eine Dreiviertelstunde dauert die Übung – relativ kurz für eine Einsatzlage, die in der Realität vor allem wegen der Brandbekämpfung mehrere Stunden dauern würde. Und es ist sehr beruhigend, dass die Hückeswagener Feuerwehr sich auch auf diese Weise so intensiv auf den Ernstfall vorbereitet.

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