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Hückeswagen: Existenzgründung in der Corona-Krise erfordert viel Mut

Hückeswagener Kiosk-Besitzerin zieht Bilanz : Existenzgründung als Überlebenskampf

Durchhaltevermögen und positives Denken sind für Iris Hager wichtige Eigenschaften. Die 47-Jährige hatte im Februar vorigen Jahres an der Kölner Straße ihren Kiosk eröffnet – und muss seitdem mit der Corona-Krise leben.

Eine Existenzgründung bedeutet nicht nur eine enorme Verantwortung, sondern immer auch ein Risiko – erst recht im Corona-Jahr 2020. Iris Hager kann ein Lied davon singen, hat sie doch ihren Traum vom eigenen Geschäft im Februar in die Tat umgesetzt und den Kiosk „Große Pause“ an der Kölner Straße / Ecke Weierbachstraße eröffnet. Trotz bester Planung und viel Eigeninitiative bei der Einrichtung des Ladens ist jeder Tag auch ein kleiner Überlebenskampf.

Für die Geschäftsfrau war es rückblickend ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen, aber immer unberechenbar. „Der größte Fehler war es, einen Kalender für 2020 zu kaufen, denn es ließ sich absolut nichts planen“, sagt Iris Hager heute. Von zwei Lockdowns war ihr Kiosk bereits betroffen, wobei der „Lockdown light“ im November wirtschaftlich gesehen eine größere Belastung war. „Beim ersten Lockdown im April hatte ich komplett geschlossen und konnte daher Außer-Haus-Lieferungen anbieten“, erklärt die Hückeswagenerin. Die letzten Monate des abgelaufenen Jahres stand sie jeden Tag selbst im Laden – egal wie viele Schüler und Erwachsene vorbeigekommen und bei ihr einkaufen waren. Auf Kundenwünsche geht die 47-Jährige immer ein. Die Spießbratenbrötchen, die es an jedem Freitag im November gab, zählten dazu. Im September hatte die Stadtverwaltung die Hückeswagener zu einem Frühstück auf dem Schloss-Platz eingeladen. Es sollte ein kleiner Trost für das ausgefallene Altstadtfest sein, das wegen der Corona-Krise nicht stattfinden konnte. Hier übernahmen Iris Hager mit familiärer Unterstützung die Bewirtung der Gäste. „Das war sehr schön und mal etwas Anderes“, sagt die Geschäftsfrau.

Trotz des Zuspruchs, den Iris Hager von ihren Kunden erhält, ist es für die Existenzgründerin nicht immer leicht, durchzuhalten. Leben kann sie von dem Geschäft bisher nicht. „Der Puffer ist weg, zum einjährigen Bestehen im Februar fange ich sozusagen nochmal von vorne an“, berichtet sie, ohne jedoch mutlos zu klingen. Am meisten Freude bereitet es der Hückeswagenerin, wenn Kinder mit großen Augen vor der Theke stehen. „Die Auswahl an Süßigkeiten für einen Euro kann manchmal sehr lange dauern“, erzählt sie und lacht. Am letzten Schultag vor Weihnachten verteilte sie kostenfrei Bambustrinkbecher mit Schoko-Nikoläusen an die Schüler. Vorzuwerfen hat sich die Existenzgründerin nichts. „Wenn es schiefgehen sollte, kann ich zumindest sagen, dass ich alles versucht habe“, betont die 47-Jährige.