Etaples im Monat Juli Keine Sommerruhe auf Weizenfeldern

Etaples · Große Wärme hatte Ähren schnell überreif werden lassen, eine frühere Ernte war nötig. Dann brannten Strohballen. Seit 2003 haben Bauern eine solch kritische Situation nicht mehr meistern müssen.

 Idyllisch: Hondschoote im Département Nord - mit einer Mühle an einem Weizenfeld.

Idyllisch: Hondschoote im Département Nord - mit einer Mühle an einem Weizenfeld.

Foto: Axel Bornkessel

Während sich an den Sandstränden von Le Touquet-Paris-Plage unter den Feriengästen ein sommerliches süßes Nichtstun ausbreitete und ihnen das Meer jederzeit eine willkommene Abkühlung bot, brannte im Hinterland der Nachbarstadt Etaples-sur-Mer die Luft – buchstäblich und im übertragenen Sinne. Während der großen Hitzewelle Mitte des Monats gab es auf den Weizenfeldern des Montreuillois, benannt nach der Kreisstadt Montreuil-sur-Mer, keine Ruhe.

Die große Wärme hatte die Ähren schnell überreif werden lassen, so dass eine vorzeitige Ernte nötig war. In den Agrarkooperativen galt es, innerhalb einer Woche den Weizen einzufahren, wobei die größten Maschinen bis zu 60 Tonnen in der Stunde droschen. Danach brachten Traktoren die Ladungen mit dem Erntegut schnellstens zu den Silos, wobei die Kühle der Nacht für diese Transporte ausgenutzt wurde. Seit 2003 haben die Bauern in dieser Region eine solch kritische Situation nicht mehr meistern müssen.

Die Produktion von Winterweizen hatte schon zu Beginn dieses Jahres mit Problemen begonnen. Im Departement Nord/Pas-de-Calais klagten die Bauern über eine Trockenheit, die vier Monate bis Anfang Mai anhielt. Auf den großen Feldern des Artois östlich von Etaples ist der Boden unterschiedlich beschaffen - in Richtung Küste litten die Pflanzen eher unter der Frühjahrstrockenheit, während inmitten des Hügellandes, wo der Boden feuchter ist, die diesjährige Ernte zumeist befriedigend ausfiel.

Von den abgeernteten Feldern gelangten die Körner zum zentralen Platz der Kooperative. Ein Teil der Ernte lagert nun dort im Freien und wird in der nächsten Zeit nach Dünkirchen weiterverfrachtet. Dort verschifft man den Weizen für gewöhnlich nach Häfen in Ägypten und Algerien. Der andere Teil kommt ins Silo. Die Temperatur der gedroschenen Körner betrug in diesem Sommer 40,3 Grad, ein Wert, der leicht zu Selbstentzündungen führen kann. Normalerweise wird bei den Körnern nach der Ernte die Hälfte gemessen, im Silo kühlt man sie dann mit Ventilatoren auf zehn Grad herunter, damit sie für die kommenden Monate gefahrlos lagern. Dieses Erntegut ist für Viehfutter bestimmt.

Mitten in diesen hektischen Wochen brannte es dann auch tatsächlich im Wortsinne an zahlreichen Stellen in der Region um Hückeswagens Partnerstadt. Auf einem Feld von 20 Hektar Größe fingen Strohballen Feuer, das sich beim heftigen Wind rasch verbreitete, es mangelte an Löschwasser. Die große Hitze hatte auch bei einem Bauern im Ort Widehem einen Brand in seiner Lagerhalle ausgelöst. Er wurde davon mitten in seiner Ernte überrascht. An die 300 Heu- und Strohballen entzündeten sich dort, das Feuer zerstörte die Halle. Feuerwehrleute von weit her, aus Boulogne und Desvres, aber auch aus Montreuil und Etaples hatten die ganze Nacht über damit zu tun, dass der Brand nicht auf andere Gebäude übergriff, wird der Leiter der Rettungsstelle in Etaples, Anthony Trahan, zitiert. Mit dem Besprengen der unbeschädigten Bauten und dem Wegräumen des Reste waren die Feuerwehren bis in den Tag vollauf beschäftigt. Überdies musste immer wieder kontrolliert werden, ob sich neue Brandherde ausbreiteten. Zum Glück kamen weder Tiere noch Menschen zu Schaden.

Während im Süden des Landes und an der Atlantikküste unterhalb von Bordeaux im Laufe des Juli spektakuläre Aktionen von Löschflugzeugen zu beobachten waren, die nur schwer die Brände eindämmen konnten, hat das schnelle Vorgehen der nordfranzösischen Bauern das Schlimmste verhindern können – die Zerstörung der Landschaft und die Vernichtung eines Nahrungsmittels, das für die globale Nachfrage immer wichtiger wird.

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