Hückeswagen: Emoto-Experiment ist beendet

Berufskolleg Hückeswagen : Emoto-Experiment ist beendet

Ein außergewöhnliches Experiment hat seine Spuren bei den Schülern des Berufskollegs in Hückeswagen hinterlassen. Im Mittelpunkt standen zwei Marmeladengläser mit Reis.

Anfang September war Dr. Alexander Geist, Lehrer am Berufskolleg Hückeswagen sowie dessen stellvertretender Leiter, mit einem ungewöhnlichen Experiment auf die Schüler seines BWL-Kurses zukommen. Angelehnt an die parawissenschaftlichen Experimente des Japaners Masaru Emoto, der sich seit Anfang der 1990er Jahre mit Wasser und den Einflüssen von Gedanken und Gefühlen darauf beschäftigt hatte, war Geist mit zwei Marmeladengläsern mit Reis in die Klasse gekommen.

Für die kommenden Wochen sollten die Berufsschüler das eine Glas mit positiver Energie – Lob oder Komplimenten -, das andere dagegen mit negativer Energie – Kritik oder Beschimpfungen – in Form von Worten oder Gesten bedenken. „Die Ausgangsthese dieses recht unwissenschaftlich und spielerischen Experiments war ja, dass der Umgang miteinander einen sehr großen Einfluss auf uns hat“, sagte Geist.

Nachher: Der Reis rechts, der regelmäßig beschimpft wurde, ist deutlich stärker eingefallen und in sich zusammengesackt. Foto: Alexander Geist/Berufskolleg Hückeswagen

Deutlich zeigte sich nach mehreren Wochen, in denen die Schüler recht konsequent an dem Experiment teilgenommen hatten, dass der negativ bedachte Reis stärker in sich zusammengesackt war, während der Reis im anderen Glas wesentlich gerader geblieben war. „Das haben wir im BWL-Unterricht besprochen: Denn als künftige Führungskräfte können sie ihren Beitrag dazu leisten, dass das Arbeitsklima auch in der freien Wirtschaft nicht von Angst und Leistungsdruck, sondern von Vertrauen und Teamgefühl geprägt ist“, sagte Geist.

Analog zum „gekrümmten“ Reis, der täglich beschimpft wurde, könne man sich die Körperhaltung eines täglich demotivierten Mitarbeiters visualisieren. „Dagegen wird ein Mitarbeiter, der motiviert und positiv bestärkt wird, aufrechter stehen – und nicht zuletzt auch leistungsfähiger sein“, sagte Geist weiter.

Auch bezüglich der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen lasse sich das Reisexperiment heranziehen, sagte der Berufskolleg-Lehrer. „Wir erleben ja derzeit ein gesellschaftliches Miteinander, das geprägt ist von Ängsten, Ausgrenzung und Nationalismus. Die Auswirkungen auf die Menschen sind fatal – und lassen sich auch wiederum auf die Auswirkungen auf den Reis übertragen.“ Zusammenhalt, Hilfs- und Unterstützungsangebote sowie der Austausch unter jungen Menschen verschiedener Herkunft würden den Ängsten und der Ausgrenzung entgegenwirken – mit entsprechender Wirkung auf den einzelnen Menschen. „Respektive das einzelne Reiskorn“, sagte Geist und schmunzelt.

Bei allem Humor, der mit dabei war – es ging Geist durchaus darum, Denkanstöße zu vermitteln: „Und ich habe das Gefühl, dass bei den Schülern auf jeden Fall erfolgreich angekommen ist, wie wichtig das Miteinander in der Klasse, der Familie, dem Arbeitsumfeld und der Gesellschaft allgemein ist.“ Das Reis-Experiment sei letztlich der Aufhänger gewesen, um im Unterricht über diese Punkte zu sprechen. „Damit konnte man sie natürlich auch gut visualisieren“, ergänzte Geist.

Abgesehen davon, sagte der Berufsschul-Lehrer weiter: „Es hat allen viel Spaß gemacht und zur positiven Atmosphäre in Klasse und Schule insgesamt beigetragen. Alleine dafür hat es sich schon gelohnt.“

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