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Hückeswagen: Eine große Welle der Hilfsbereitschaft

Coronavirus in Hückeswagen : Eine große Welle der Hilfsbereitschaft

Hückeswagener rücken – bis auf den nötigen Sicherheitsabstand – zusammen, um sich in Coronazeiten gegenseitig zu unterstützen.

Das kulturelle und sportliche Leben liegt brach. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, wurden Schulen und Kindergärten, Sportstätten, Museen, Veranstaltungsräume und Geschäfte geschlossen. Durch die fehlende Arbeit und die nicht ausführbaren Hobbys werden Kapazitäten frei, die einige Hückeswagener sinnvoll nutzen möchten. Sie bieten den Bürgern der Schloss-Stadt ihre Hilfe an, damit beispielsweise auch ältere oder nicht mobile Mitmenschen während der Pandemie ausreichend versorgt sind. Die Unterstützung innerhalb der Familie hat sich längst auf die Nachbarschaft und das Stadtgebiet ausgedehnt und zieht immer weitere Kreise. Hier einige nachahmenswerte Beispiele.

Injoy Eines der ersten Hilfsangebote kam vom Fitnessstudio Injoy, das auf Anordnung des Landes am Montagnachmittag seine Türen schließen musste. Neben der berechtigten Sorge um die wirtschaftliche Zukunft hat sich Geschäftsführer Jörg Pramor mit seinen Mitarbeitern auch Gedanken um das Wohlergehen der Mitglieder gemacht. Da viele der 1600 Mitglieder durch ihre Krankengeschichte oder ihr Alter zur Risikogruppe der Virusinfektion zählen, sollten sie möglichst wenig das Haus verlassen. Doch wer übernimmt für sie die Einkäufe oder holt Medikamente aus der Apotheke?

Die Mitarbeiter des Injoy haben sich daher entschlossen zu helfen und eine Hotline eingerichtet. Unter ☏ 02192 2732 sind sie von Montag bis Freitag zwischen 9 und 11 Uhr und 17 bis 19 Uhr erreichbar und im Einsatz – nicht nur für Mitglieder. „Wir möchten damit unseren Mitgliedern und den Mitarbeitern ein gutes Gefühl vermitteln, denn auch das hat mit Gesundheit zu tun“, sagt Pramor. Er ist froh, dass sich die meisten Mitglieder solidarisch zeigen und damit dazu beitragen, dass die Einrichtung auch nach der Krise noch existiert. Er hofft auf konsequentes Handeln und Zusammenhalt der Menschen, „damit nicht für viele Unbelehrbare wenige Betroffene die Zeche zahlen müssen“.

Die Anrufe im Injoy nimmt unter anderem Iris Horn entgegen. „Wir sind startbereit“, sagt die Fitnesstrainerin. In der Zwischenzeit widmet sie sich Büroarbeiten, die im Arbeitsalltag zu kurz gekommen sind. Bei den Einsätzen würden die Mitarbeiter natürlich auch den erforderlichen Abstand einhalten und die Besorgungen vor der Tür abstellen. Angst vor Ansteckung hat die 47-Jährige nicht. „Wir alle wissen, wie man sich schützen kann. Wenn sich jeder daran hält, dann funktioniert das auch“, ist Iris Horn überzeugt. Sie hält es für wichtig zu wissen, dass man in einer Notsituation nicht allein ist. Zudem wäre es eine Chance für die Gesellschaft, mehr Menschlichkeit zu zeigen.

Einzelkämpferin
Studentin Helena Nowaczin möchte die vorlesungsfreie Zeit an der Uni ebenso nutzen, um in ihrer Heimatstadt zu helfen. Normalerweise würde sie für ihr Masterstudium (Mathe und katholische Religion auf Lehramt) büffeln. Nun bietet sie im Internet den Mitmenschen ihre Unterstützung an. Eine Mutter hatte schon für die Betreuung ihres sechsjährigen Sohnes angefragt, dann aber doch einen Platz in der Notgruppe der Schule erhalten. „Jetzt werde ich bei der Betreuung der Senioren im Johannesstift helfen“, erzählt die 22-Jährige. Für Helena Nowaczin ist das eine Herzensangelegenheit. „Ich mache das, solange es mir Spaß macht. Und vielleicht sehen das auch anderen Leute, die ebenfalls helfen möchten“, sagt sie und geht mit gutem Beispiel voran. Zu erreichen ist sie über Facebook (Helena No).

Facebook-Gruppe Auf der Internetplattform „Facebook“ hat sich zu diesem Zweck eine neue Gruppe mit dem Namen „Hückeswagen gemeinsam gegen Corona“ gebildet. Hier können Hilfsleistungen angeboten werden, und es kann ebenso nach Unterstützung gefragt werden. Die Zahl der Gruppenmitglieder ist bereits auf mehr als 200 gestiegen und wächst stetig weiter an.

Studentin Helena Nowoczin will sich engagieren. Foto: Helena Nowoczin

Facebook-Nutzer Sascha Bieg denkt über den Rand der sozialen Medien hinaus. „Das Angebot wird viele Menschen über 60 Jahre gar nicht erreichen, daher haben wir einen Flyer mit Kontaktdaten erstellt“, berichtet der Hückeswagener. Der 33-Jährige fühlt sich jung, gesund und fit genug, um die Koordination zu übernehmen. Unter der Handynummer 0160 4471983 oder per E-Mail an hueckeswagenhilft@web.de nimmt er Anfragen entgegen und leitet sie weiter. Das Angebot gilt für Menschen in Hückeswagen, die zur Risikogruppe zählen, in einem derzeit extremen Job arbeiten oder aus sonstigen Gründen aktuell nicht in der Lage sind, alltägliche Dinge zu erledigen. Für sie möchte die Gruppe den Gang zum Supermarkt, in die Apotheke oder andere Erledigungen übernehmen. „Die Abwicklung wird zum Schutz aller Beteiligten kontaktlos erfolgen“, versichert Sascha Bieg.

Nun gilt es, den Flyer auch unter die Leute zu bringen und in den Briefkästen der Nachbarschaft, in Geschäften, Betrieben, Arztpraxen und Pflegeheimen zu verteilen und auszuhängen. Auch hierfür sind Helfer immer gerne willkommen, teilt er mit.