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Hückeswagen: Ein Leben mit der Kunst

Hückeswagener Künstlerin wird 80 Jahre : Ein Leben mit der Kunst

Am Samstag begeht die Hückeswagener Malerin Elisabeth Kaiser-Arentz ihren 80. Geburtstag. Ihre Bilder und Linolschnitte haben Symbolcharakter.

Arbeitnehmer gehen mit Mitte 60 in den Ruhestand, Künstler tun das nicht. Gleiches gilt auch für Elisabeth Kaiser-Arentz, die am 2. Januar 80 Jahre alt wird. Das künstlerische Schaffen ist für die Wahl-Hückeswagenerin so wichtig wie das Atmen. „Ich hatte schon einen Stift in der Hand, bevor ich sprechen konnte“, sagt Elisabeth Kaiser-Arentz und berichtet von früheren Erzählungen ihrer Mutter.

Geboren in Duisburg, aufgewachsen in Unkel am Rhein, verlebte sie ihre Gymnasial- und Studienzeit in Dortmund. Hier belegte Elisabeth Kaiser-Arentz die Fächer Kunst und Kunsterziehung an der Pädagogischen Hochschule. Nach dem Examen unterrichtete sie kurzzeitig als Lehrerin an der Grund- und Hauptschule sowie als Dozentin in der Erwachsenenbildung. Nach der Hochzeit mit Jürgen Kaiser (1967) und der Geburt von Tochter Eva arbeitete sie ausschließlich als freischaffende Malerin.

1971 zog sie mit ihrer Familie ins Bergische Land und lebt nun seit fast 50 Jahren in Hückeswagen. Bereut hat es die Künstlerin nicht, nie wieder zurück in den Lehrberuf gegangen zu sein. „Ohne meinen Mann hätte ich das jedoch getan, um die Familie zu ernähren“, sagt sie. Stattdessen war es ihr möglich, ihr Talent auszuleben.

 Als freiberufliche Malerin in den 1970er Jahren.
Als freiberufliche Malerin in den 1970er Jahren. Foto: Jürgen Kaiser/Archiv Fam. Kaiser

Mit den Jahren sind Tausende von Bildern entstanden. Ihre Arbeiten umfassen freie Grafiken, Radierungen, Monotypien, Wachsgemälde und vor allem Linolschnitte. Ähnlich wie beim Holzschnitt ist der Linolschnitt eine Technik, bei der das Negativmotiv in mehreren Arbeitsgängen in eine Linolplatte geschnitzt wird. Die aufgewalzte Farbe wird anschließend in Schichten auf das Papier gedruckt. Skizzen ihrer Bilder fertigt die Künstlerin vorab nicht an. „Die habe ich nur in meinem Kopf“, sagt sie.

Im Laufe der Jahre veränderten sich ihre Bilder von abstrakt zu figürlich abstrahiert. Die Szenen ähneln Träumen, sie wirken auf dem schwarzen Hintergrund geheimnisvoll, teilweise makaber und stellen Szenen dar, die den Betrachter zu eigenen Interpretationen verleiten. Ihre Themen findet Elisabeth Kaiser-Arentz im Alltag, durch eigene Erlebnisse, im Konzert, beim Lesen tiefgründiger Texte oder auch in Märchen und der Heiligen Schrift. „Ich stelle jedoch keine Texte bildlich dar, sondern lasse mich von ihnen nur inspirieren“, betont die Künstlerin. Der Entstehungsprozess sei jedes Mal aufs Neue spannend.

Die Corona-Krise hat zwar keinen Einfluss auf die Arbeit genommen, wohl aber könnten einige der Bilder als Voraussage auf bevorstehendes Unheil gedeutet werden. Trotz oder gerade wegen der Einschränkungen in der Pandemie ist Elisabeth Kaiser-Arentz künstlerisch nach wie vor aktiv. „Die Zeit rieselt nur so durch meine Finger – ich würde sie manchmal gerne anhalten“, sagt sie.

Ihre Bilder waren bei mehr als 70 Einzelausstellungen zu sehen, darunter große Museen und Galerien in ganz Deutschland. Zahlreiche Plakate in ihrem heimischen Atelier auf dem Gardelenberg zeugen davon. 1977 hingen ihre Werke das erste Mal im Hückeswagener Schloss. „Bei der Vernissage standen die Leute noch Schlange, das ist heute selten geworden“, erinnert sich Elisabeth Kaiser-Arentz. Im Corona-Jahr 2020 wurden seit März sämtliche Ausstellungen abgesagt, was auch viel Kraft sparte. „Jede Ausstellung ist anstrengend wie ein Umzug“, erläutert die Malerin.

Für den runden Geburtstag ist keine Feier geplant. „So kurz nach Weihnachten und Silvester will doch keiner mehr feiern. Davon bin ich schon von Kind an entwöhnt“, sagt die Malerin und lacht, die trotz aller Erfolge und begeisterten Reaktionen auf ihre Kunst stets bescheiden geblieben ist und nur ungerne im Vordergrund steht.

Einen Wunsch für die Zukunft hat sie dennoch: „Ich hoffe, dass mein Mann und ich zusammen gesund bleiben – alles andere ergibt sich daraus.“