1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen ein Jahr nach der Flut: Tage des Aufräumens und Aufbruchs

Hückeswagen ein Jahr nach der Flut : Die Tage des Aufräumens und Aufbruchs

Die Schäden waren immens, teilweise sogar existenzbedrohend. Die Stadt und das Land boten schon schnell den betroffenen Privatleuten und Unternehmen (finanzielle) Hilfe an.

Das Unwetter war vorüber. 160 Liter auf den Quadratmeter hatte das Tief „Bernd“ am 14. und 15. Juli 2021 mitgebracht – innerhalb von 24 Stunden hatte es so viel geregnet, wie sonst vielleicht über den gesamten Monat verteilt. Erst als sich das Wasser von den Straßen und der Wupperaue, aus Wohnungen, Kellern und von Betriebsgeländen zurückgezogen hatte, wurde das gesamte Maß des Schadens sichtbar. „Das große Thema war jetzt das Aufräumen“, erinnert sich Bürgermeister Dietmar Persian. Und die Frage, wie den betroffenen Menschen vor allem entlang der Wupper geholfen werden konnte. Es wurden Container organisiert, in die Hausrat und Büroeinrichtungen entsorgt wurden. Die Ehrenamtler der Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, THW, DLRG und DRK packten mit an, ebenso viele Hückeswagener, die keine Schäden zu beklagen hatten.

Und dann stand ja auch noch die Frage im Raum, was mit der Wupper-Vorsperre und -Talsperre ist. Das Hochwasser hatte mehr als 100.000 Liter ölhaltige Substanzen mit sich gerissen und die Uferbereiche kontaminiert. „Am Wochenende nach dem Starkregenereignis habe ich mich mit Landrat Jochen Hagt und Wupperverband-Vorstand Georg Wulf getroffen“, berichtet Persian. Gemeinsam war das Trio im Boot auf der Wupper-Talsperre unterwegs, um sich die Schäden vom Wasser aus anzusehen. Die ersten Tage war so etwas wie Hilflosigkeit zu spüren: „Wie sollten wir das bloß in den Griff kriegen?“, erinnert sich Persian. Viele Wasservögel waren ölverschmiert, viele verendet. Am Ufer waren die gewaltigen Verschmutzungen zu erkennen, die die Flut hinterlassen hatten. „Wir hatten damals gedacht, dass uns die Folgen des Hochwassers über Jahre beschäftigen wird“, sagt der Bürgermeister. Doch schnell habe der Wupperverband klar gemacht, dass er sich um die Schadensbeseitigung kümmern werde. „Und dann haben wir schon geglaubt, dass wir das wieder in den Griff bekommen werden. Zumal sich die Natur ja auch selbst hilft.“

  • Die Bever-Talsperre hat vier offizielle Badestellen:
    Bever-Talsperre in Hückeswagen : Schwimmen nur an offiziellen Badestellen
  • Von der Wupperbrücke in Dahlerau bot
    Rückblick auf die Ereignisse in Radevormwald : Als das Hochwasser Rade erreichte
  • Eschbach Solingen Burg: Wupperverband will Geröll
    Hochwasserfolgen werden beseitigt : Eschbach wird von Geröll befreit

Aber da waren auch noch die vielen Hückeswagener, die sich durch das Hochwasser in ihrer Existenz bedroht sahen. Mit seiner Kollegin Andrea Poranzke von der Wirtschaftsförderung besuchte Persian am Freitag und Samstag nach dem Extremregen Privatleute und Firmen im Überflutungsgebiet, um Hilfe zu vermitteln und den benötigten Bedarf abzufragen. Gleichzeitig richtete die Stadtverwaltung eine Hotline ein, ebenso ein Spendenkonto. Darauf sollten insgesamt 135.000 Euro eingehen, wovon 84.000 Euro an Privatleute und 27.500 Euro an kleinere Betriebe ausgeschüttet wurden. Der Rest wurde den Hilfsorganisationen, die im Hochwassereinsatz gewesen waren, übergeben.

Die Stadt selbst erhielt eine Landeshilfe in Höhe von 260.000 Euro, die unter anderem für die Kosten der Säuberungen von städtischen Flächen wie den ebenfalls kontaminierten Wupperauen sowie der Feuerwehr-Einsätzen genutzt wurden. Geld, das die Stadt nicht zurückzahlen musste. Das galt ebenso für die etwa 240.000 Euro an Soforthilfe des Landes für Privatleute und die Wirtschaft – eine Million Euro hatte der Oberbergische Kreis erhalten, der das Geld an die betroffenen Kommunen je nach Schwere der Schäden weiterleitete.