Hückeswagen: Ein BGV-Archiv zum Schmökern

Kulturstätten in Hückeswagen : Ein Archiv zum Schmökern

Seit etwa eineinhalb Jahren ist das Archiv des Bergischen Geschichtsvereins regelmäßig für die Besucher geöffnet.

Für Iris Kausemann ist das Archiv des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) vor allem eines: „Ein gemütlicher Ort zum Schmökern“, sagt die Vorsitzende, die auch Chefin des Vereins Bergische Zeitgeschichte (BZG) ist. Der Grund dafür sei vor allem, dass es hier eine umfangreiche Präsenzbibliothek gebe. „Aber auch die umfangreiche Arbeit von unseren Mitgliedern Fredi K. und Gudrun Roß hat dazu das Ihrige beigetragen“, sagt Iris Kausemann. Das Ehepaar habe eine enorm große Aufgabe gestemmt und in akribischer Kleinstarbeit den Archivbestand an der Gerhart-Hauptmann-Straße aufbereitet. „Das wurde nach dem Vorbild von Tobias Dahl, einem Historiker aus Köln, gemacht“, erläutert Iris Kausemann. Dahl habe 2009 bereits die Nachlässe von Dr. Peter Bode, einem der Gründungsmitglieder des Hückeswagener Bergischen Geschichtsvereins, und des Heimatforschers Wilhelm Blankertz verzeichnet.

Der Bestand sei in langjähriger und vielstündiger Arbeit vom Ehepaar Roß entsprechend bearbeitet worden, begonnen hätten die beiden bereits 2012. „Darüber können wir nur enorm dankbar sein“, sagt Iris Kausemann. Wer nun im BGV auf die Suche gehe, könne vor allem im Findbuch – ganz dem Titel gemäß – fündig werden. „Das ist so eine Art Inhaltsverzeichnis zu einem Nachlass oder eben einem ganzen Archiv“, erläutert Iris Kausemann, im Hauptberuf Leiterin des Radevormwalder Stadtarchivs. Das Findbuch sei von Dahl für die beiden Nachlässe erstellt worden. Der Historiker habe im Laufe der vergangenen Jahre zudem im Auftrag des Erzbistums Köln alle Kirchenarchive bereist und verzeichnet.

Archive, darüber ist sich Iris Kausemann klar, sind nur selten Publikumsmagnete. „Sie sind hauptsächlich für ältere Menschen interessant, die sich für die Geschichte der Stadt interessieren. Oder für bestimmte Aspekte dieser Stadtgeschichte.“ So sei jetzt ein älterer Herr im Archiv gewesen, der sich speziell für die Geschichte der Dorfschulen in Hückeswagen interessiert habe. „Der Mann ist hier natürlich fündig geworden“, bestätigt sie. Der Geschichtsverein würde natürlich versuchen, auch jüngere Besucher für die lokale Geschichte zu interessieren. „Aber das ist eben nicht ganz so leicht. Wobei ich feststelle, dass sich Jugendliche durchaus für Geschichte interessieren“, betont Iris Kausemann.

Ein wichtiger Teil der Präsenzbibliothek im BGV-Archiv umfasst dabei die Bände der Publikationsreihe „Leiw Heukeshoven“, die alle im Archiv eingesehen werden können. Gleiches gelte auch für die Sammlung an analogen Fotos, um die sich Archivar Ingo Davin gekümmert habe. „Er hat zwei Jahre an der Aufbringung, Klassifizierung und Beschriftung der Fotos gearbeitet“, sagt Iris Kausemann. Dazu habe er sich auch um die vorhandenen und bereits archivierten Fotos gekümmert, die neu sortiert und aktualisiert wurden.

„Neben der Möglichkeit, im Archiv nach Herzenslust zu stöbern, ist die allgemeine Öffnungszeit auch ein Service für alle Bürger, die an der Stadtgeschichte interessiert sind“, betont Iris Kausemann. Denn nicht nur könne man einfach so vorbeikommen, ohne extra einen Termin auszumachen, sondern bekomme auch noch die kompetente Beratung von den jeweils anwesenden BGV-Mitgliedern obendrauf. Das Angebot werde von den Hückeswagenern nach etwa anderthalb Jahren sehr gut angenommen, worüber sie sich sehr freue, sagt die BGV- und BZG-Vorsitzende. Daneben können die Ansprechpartner vor Ort auch bei der Vermittlung weiterer Archivalien weiterhelfen, so etwa ans Landesarchiv NRW in Duisburg. Dort seien praktisch alle Quellen über Hückeswagen gelagert, die zuvor im Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf gesammelt worden seien, sagt Iris Kausemann. „Dafür gibt es ebenfalls ein Findbuch von Ferdi K. Roß.“

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