Bürgermonitor in Hückeswagen Keine Chance für Ruhe an der K 5

Westhoferhöhe · Anwohner von Westhoferhöhe fordern mehr Geschwindigkeitsüberwachung für die viel befahrene K 5. Doch Polizei und Kreisverwaltung sehen keine Handlungsmöglichkeiten. Ihre Erfahrung: Die K 5 ist kein Unfallschwerpunkt, und gerast wird auch kaum.

Das Schlafzimmer des Ehepaars Leymann in Westhoferhöhe liegt zur Kreisstraße 5 hin. Vor allem die Lkw, die schon ab 4 Uhr dort herfahren, raubt den Leymanns seit Jahren den Schlaf .

Das Schlafzimmer des Ehepaars Leymann in Westhoferhöhe liegt zur Kreisstraße 5 hin. Vor allem die Lkw, die schon ab 4 Uhr dort herfahren, raubt den Leymanns seit Jahren den Schlaf .

Foto: Stephan Büllesbach

Horst Leymann lebt seit vielen Jahren in Westhoferhöhe. Sein Haus steht direkt an der vielbefahrenen Kreisstraße 5. Das macht ihm, seiner Frau Cäcilia und auch seinen Nachbarn zu schaffen. Da sind zum einen die schweren Laster, die schon nachts an den Häusern vorbeidonnern. Er ärgert sich über die Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an die maximal erlaubte Geschwindigkeit von 60 Kilometern in der Stunde halten. Und mit dem sonnigen und wärmeren Wetter kommen auch die „Brüllhörner“, wie Leymann die Motorräder nennt. Seit es wieder sonnig und trocken ist, sind besonders viele Biker unterwegs. Vor allem an den Wochenenden.

Das Problem mit dem Lärm und den Rasern ist für das Ehepaar nichts Neues. Schon mehrfach hatte es sich an den Bürgermeister und den Bürgermonitor unserer Redaktion gewandt. Doch was Horst und Cäcilia Leymann etwa 2013 und 2016 schon um den Schlaf gebracht hatte, tut’s auch 2023 noch. „Wir hatten mal jemanden von Straßen NRW hier, der fand’s nicht so schlimm“, sagt die Hausherrin. Um sofort anzufügen: „Um 4 Uhr geht’s los, dann fahren die ersten Lkw an unserem Schlafzimmerfenster, das zur Straße hin liegt, vorbei.“ Das sind mitunter leere Kieslaster, die nach Gummersbach in den Steinbruch fahren, um dort zu laden. Wenn deren dann noch leere Auflieger über den Gullydeckel in der Fahrbahn rumpeln, fallen Leymanns fast aus dem Bett. Zwischen 5 und 6 Uhr setzt der Berufsverkehr ein. „Das ist ebenfalls heftig.“ Nach einer kurzen Zeit der Ruhe gehe es dann später vorm Haus wieder los.

Auch die seiner Beobachtung zufolge oft nicht angepasste Geschwindigkeit nervt das Ehepaar. „Hier fährt keiner 60“, ärgert sich Horst Leymann. „Das Schild könnte man genauso gut wegnehmen.“ Vor allem so manche Motorradfahrer scheinen zumindest die lange Gerade von Westhoferhöhe hinunter bis Großenscheidt / Röttgen als Rennstrecke anzusehen: „Die drehen richtig auf, sobald sie über dem Kopf sind“, hat Leymann beobachtet.

Beide trauern ihren Tannen hinterher, die aufgrund der Trockenheit gefällt werden mussten. Hatte sich bis dato dort doch zwei, drei Mal die Woche die Polizei mit ihrem Lasergerät hinter dem Sichtschutz postiert. „Jetzt war sie lange nicht mehr da“, bedauert Cäcilia Leymann. Was sich das Ehepaar wünscht? „Einen Blitzer wie in Kammerforsterhöhe“, antwortet sie. Und dass die Polizei und die Bußgeldstelle des Kreises wieder häufiger den Verkehr ins Visier nehmen. Auch die Realisierung der äußeren Ortsumgehung, an der seit fünf Jahrzehnten geplant wird, kämen ihr und ihrem Mann recht. „In Höhe unseres Hauses läge die Straße dann nämlich 20 Meter weiter weg“, weiß sie nach einem Blick auf die aktuellen Planungen. Aber der Bürgermeister könne die B 237n leider nicht beschleunigen.

Dabei hätten die Leymanns doch gerne nur ihre (Nacht-)Ruhe. Zwar haben ihre Schlafzimmerfenster sowie die Fenster der übrigen Hausbewohner eine Doppelverglasung. „Aber will man bei geschlossenem Fenster schlafen?“, fragt Cäcilia Leymann, und gibt sich selbst die Antwort: „Also ich kann das nicht.“ Am liebsten würde sie ohnehin draußen schlafen. An der Situation dürfte sich, zumindest kurz- bis mittelfristig, jedoch nichts ändern. Bis die äußere Ortsumgehung gebaut werden sollte (was noch nicht feststeht), dürften weitere Jahre ins Land ziehen. Und die Beobachtungen der Behörden sind andere. So teilt Polizei-Sprecherin Monika Treutler auf Anfrage unserer Redaktion mit: „Bis 2019/20 haben wir dort regelmäßig kontrolliert. Damals wurde aber bereits festgestellt, dass die Verstöße rückläufig waren.“ Durch die Abholzung der Tannen wurde die Sichtbarkeit des Messteams stark erhöht, was wiederum deutlich weniger festgestellte Verstöße zur Folge hatte. „Aufgrund dieses Umstands hat sich der Verkehrsdienst immer öfter andere Messstellen ausgewählt“, berichtet Monika Treutler.

Bei einer Kontrolle im Frühjahr waren lediglich fünf Verstöße im Verwarngeldbereich erhoben worden, was auf keine deutliche Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit hinweist. „Insofern sind sie Voraussetzungen für regelmäßige Kontrollen aus unserer Sicht hier erst einmal nicht gegeben“, betont die Polizistin. Dennoch müsse immer wieder mit Kontrollen der Geschwindigkeit und des Überholverbots gerechnet werden.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt die Kreisverwaltung. Die hatte 2015 laut ihres Sprechers Philipp Ising eine einwöchige verdeckte Verkehrsstrom-Messung auf der K 5 in Westhoferhöhe in Höhe des Hauses Nr. 5 vorgenommen. „Diese hatte zum Ergebnis, dass 85 Prozent aller Verkehrsteilnehmenden – bei 39.413 gemessenen Fahrzeugen – nicht schneller als 61 km/h gefahren waren“, berichtet er. Diese so genannte V85 diene als Maßstab für die Beurteilung von Geschwindigkeitsniveaus. „Der Wert zeigt, dass sich die Verkehrsteilnehmenden weitestgehend an die dortige Regelung halten und dass kein echtes Geschwindigkeitsproblem besteht“, sagt Ising. Auch sei dort aktuell keine besondere Unfallauffälligkeit gegeben. Heißt in der Quintessenz: Es wird auch kein Blitzer an der K 5 aufgestellt.