Hückeswagen-Dreibäumen – geteilt und trotzdem eine Dorfgemeinschaft

Hückeswagener Orts- und Straßennamen : Geteilt und trotzdem eine Gemeinschaft

Hückeswagen hat viele Ortschaften und Straßen, die teils kuriose Namen tragen – so die Außenortschaft Dreibäumen.

Bäume gibt es in Dreibäumen mehr als drei. Jene, die der Ortschaft zwischen Hückeswagen, Bergisch Born und Wermelskirchen einst ihren Namen gegeben haben, dürften allerdings keine Äste und Blätter haben, sagt Astrid Lorenz und lacht. Die Familie der 46-Jährigen wohnt schon in der fünften Generation in der Außenortschaft. „Genau weiß man es nicht, aber man munkelt hier, dass der Name von den Schlagbäumen in der Besatzungszeit herrührt“, sagt Astrid Lorenz.

Die 46-Jährige wohnt im alten Schulgebäude, das auf der Hückeswagener Seite von Dreibäumen steht. „Mein Urgroßvater hat das Haus im Jahr 1906 gekauft, es gibt hier im Wohnzimmer sogar noch ein altes Schulfenster“, erzählt sie. Insgesamt wohnen in den gut 30 Häusern in Dreibäumen etwa 100 Menschen – mit dem Ex-Bundesligaprofi und Reality-TV-Star Thorsten Legat hat sich in der Ortschaft, im Wermelskirchener Teil, gar ein Promi niedergelassen.

Der Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft sei traditionell sehr eng, versichert Astrid Lorenz. „Wir sind zwar geteilt, aber trotzdem vereint.“ Zwar seien in den vergangenen Jahren auch einige neue Anwohner dazugekommen, die hätten sich jedoch sehr schnell akklimatisiert, findet Astrid Lorenz. „Man kennt sich, man kann sich aufeinander verlassen, es ist ein wirklich guter Zusammenhalt“, sagt sie. Da passt es dann auch ganz hervorragend, dass sie auf die Frage, welcher Stadt sie sich denn am meisten zugehörig fühle, antwortet: „Ich fühle mich als Dreibäumerin.“

Ein bisschen kompliziert sei es zwar ab und zu schon, weil es wegen der Zugehörigkeit zu Wermelskirchen und Hückeswagen manche Anschriften doppelt gebe. „Manchmal landet dann der Pizzaservice beim falschen Haus, dann wird hinterhertelefoniert“, erzählt Astrid Lorenz. Aber an der Postleitzahl sei das natürlich zu identifizieren, so dass die Briefe nur selten beim falschen Adressaten landen würden.

Und wenn doch, so habe man beim Treffen in der Gaststätte Junker im Ortskern wenigstens was zu lachen. „Da trifft sich die Dorfgemeinschaft alle drei Monate. Alle paar Jahre gibt es ein Dorffest, und auch das Osterfeuer ist uns hier in Dreibäumen sehr wichtig, das wird immer groß gefeiert“, sagt Astrid Lorenz.

Der Gemeinschaftsgedanke ist indes schon immer hochgehalten worden. „Seit 40 Jahren gibt es einen Frauenklatsch, der sich jeden ersten Montag im Monat zum Kaffeetrinken trifft. Die Frauen sind natürlich mittlerweile älter geworden“, sagt die 46-Jährige. Und auch in ihrer Generation würden sich die Pärchen regelmäßig treffen. Denn viele jüngere Frauen seien berufstätig und könnten zum Frauenklatsch nicht kommen.

Ein bisschen Frotzelei über die jeweilige Städtezugehörigkeit gibt es allerdings auch. „Wir nehmen uns gerne gegenseitig auf die Schippe. Außerdem ist auf unserer Straßenseite die Schalker-Seite, auf der anderen Seite sind sie Dortmund-Fans“, berichtet die 46-Jährige. Wenn der andere Verein verliere, würden dann schon mal Taschentücher über die Straße gereicht.

Astrid Lorenz lebt sehr gerne in Dreibäumen. Das merkt man, wenn sie davon erzählt. Mit einer Ausnahme, die auch während des Gesprächs zu vernehmen ist: „Ja, der Verkehr vor der Haustür ist schon nicht so schön“, bedauert die Anwohnerin. Schlimm sei vor allem, dass viele Autofahrer schon in der Ortsmitte beschleunigen würden. „Und viele fahren einfach auch zu schnell durch den Ort“, hat Astrid Lorenz beobachtet. Aber auch hier spiegele sich der Gemeinschaftsgedanke wieder: „Wir überlegen im Ort gemeinsam, wie wir dieses Problem in den Griff bekommen können.“

Von einer bereits mehrere Jahre zurückliegenden Idee berichtet Astrid Lorenz und lacht: „Ein Anwohner hatte seinerzeit sein Haus gestrichen. Und am Abend war Farbe übrig, damit hat er dann einen Zebrastreifen auf die Straße gepinselt.“ Der sei natürlich wieder entfernt worden, habe aber gezeigt, dass man schon früher nur schwer über die Straße gekommen sei.

Mit dem benachbarten Golfclub gebe es hingegen nach anfänglichen kleinen Fremdeleien keine Probleme. „Wir sind letztlich sehr froh, dass es kein Industriegebiet geworden ist. Aber es gibt auch keine Berührungsängste mit den Golfern mehr“, versichert die 46-Jährige.

Aufruf Wer über seine Straße oder Ortschaft in Hückeswagen erzählen will, kann sich in der Redaktion per E-Mail an hueckeswagen@bergische-morgenpost.de melden. Wir freuen uns auf das Gespräch mit Ihnen!