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Hückeswagen: Dr. Katja Forche und Anne Schindler zur Corona-Krise

Medizin von nebenan in Hückeswagen : „Die Pandemie hat Spuren hinterlassen“

Dr. Katja Forche und Dr. Anne Schindler sprechen im Interview mit unserer Redaktion über die Situation in ihrer Gemeinschaftspraxis, die Folgen der Corona-Krise und die anstehenden Impfungen.

Frau Dr. Forche, Frau Dr. Schindler, seit fast zehn Monaten hält das Coronavirus unser aller Alltag fest im Griff. Wie hat sich das in Ihrer Gemeinschaftspraxis ausgewirkt?

Katja Forche Anfangs wurden wir von dem Coronavirus ganz schön überrumpelt. Es fehlte Schutzkleidung, und wir waren in großer Sorge, wie wir unsere Patienten schützen können. Wir haben dann die Infektionssprechstunde eingerichtet, zu der wir Infektpatienten über einen Praxiszugang über die Garage einbestellen können.

Wann ist diese spezielle Sprechstunde?

Forche Täglich ab 10 Uhr statt.

Wie haben Ihre Mitarbeiterinnen die Mehrbelastung aufgenommen?

Anne Schindler Unsere Mitarbeiter haben sich während der ersten und der aktuellen zweiten Welle sehr engagiert gezeigt. Teilweise kommen täglich neue Informationen über veränderte Testkriterien, und auch die Abrechnung ist kompliziert. Streng sind sie im Durchsetzen der Maskenpflicht für jeden, der die Praxis betritt. Es geht ja auch um ihren Schutz und den ihrer Familien. Das Risiko für das Praxispersonal, sich mit Corona zu infizieren, ist deutlich höher als bei der Normalbevölkerung. Natürlich gibt es auch Tage, an denen die Nerven blank liegen.

Hat sich schon jemand aus Ihrem Team mit Corona infiziert?

Schindler Bislang noch keiner.

Wie gehen die Patienten mit den Einschränkungen in der Praxis um?

Forche Die allermeisten Patienten akzeptieren die Corona-Regeln gut.

Gibt es auch solche, die nicht an die Existenz des Coronavirus glauben?

Forche Mit solchen Patienten haben wir zum Glück wenig Kontakt. Es gibt sicher Zweifler. Wir sind für alle Fragen offen.

Welche Argumente nutzen Sie, um diesen Menschen deutlich zu machen, dass dieses Virus kein Fake ist?

Forche Wir versuchen mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft, die Leute zu überzeugen.

Psychologen sagen, dass die Zahl der Hilfesuchenden in der Corona-Krise stark zugenommen hat. Haben Sie auch bei Ihren Patienten aufgrund der Corona-Situation vermehrt Beschwerden – vielleicht auch psychosomatischer Art – feststellen müssen?

Schindler Das kann man leider bestätigen. Die Kontaktbeschränkungen und die Unsicherheit, die die Pandemie mit sich bringt, haben sicher bei jedem Bürger Spuren hinterlassen. Themen wie Ängste, Arbeitsplatzproblematik, vermehrter Stress durch Sorge um Angehörige führen zu vermehrten Arztkontakten und psychischen Erkrankungen.

Inwieweit können Sie diesen Patienten helfen?

Schindler Wir führen entlastende Gespräche, machen vermehrt Hausbesuche und telefonische Beratung und klären auf.

Die Beschäftigten im Gesundheitssystem gehören mit zu den Ersten, die sich impfen lassen können.

Werden Sie beide sich impfen lassen?

Forche Ja.

Warum halten sie es für wichtig, sich impfen zu lassen?

Schindler Je mehr Menschen geimpft sind, je früher können wir wieder in ein normales Leben übergehen.

Gibt es bereits Anfragen von Patienten, die sich bei Ihnen impfen lassen wollen? Oder die nachfragen, wann und wo sie sich die Impfung abholen können?

Forche Es gibt täglich Nachfragen, die Impfbereitschaft scheint groß zu sein. Wir beraten nach dem aktuellen Kenntnisstand.

Raten Sie Ihren Patienten zur Impfung?

Schindler Ja, sicher.

Zumindest ein Hückeswagener Kollege hat sich beworben, um bei den Impfungen im Gummersbacher Impfzentrum zu helfen. Werden Sie, wenn’s dort losgeht, auch dabei sein?

Schindler Wir haben uns ebenfalls in dem Freiwilligenregister zur Impfunterstützung registriert.

Das bedeutet aber zusätzliche Arbeit. Warum wollen Sie sich dennoch engagieren?

Schindler Mit meiner Arbeit kann ich dazu beitragen, dass eine breite Durchimpfung in der Gesellschaft zügig vonstattengeht.

Würden Sie Patienten auch in Ihrer Praxis impfen, wenn das möglich sein sollte?

Forche Ja, Impfen gehört schon immer zu unseren Hauptaufgaben.

 Gibt es bereits Tendenzen, inwieweit das Virus die Medizin verändert hat?

Schindler Wir als junges Team erleben erstmals ein Gesundheitssystem mit Grenzen. Auch ist die wichtige Arbeit von Gesundheitsämtern wieder für alle präsenter geworden.