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Hückeswagen: Die Wölfin ist nicht mehr aufgetaucht

Hückeswagen : Die Wölfin ist nicht mehr aufgetaucht

Nachdem im November eine Wölfin ein Schaf in Altenholte gerissen hat, ist es still geworden um das Tier, das die Bezeichnung GW1433f trägt. Bislang gibt es keine weiteren Vorfälle.

Der Wolf als Tierart profitiert im Moment von der Corona-Krise. Er kann im Schatten der Pandemie sozusagen ungehindert auf die Pirsch gehen. Denn Dietmar Birkhahn, einer von 80 Wolfsbeauftragten des NRW-Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz und für Oberberg zuständig, darf etwaigen Vorkommnissen wegen der Kontaktsperre nicht auf den Grund gehen. In Hückeswagen sei es aber auch unabhängig von Corona in den vergangenen Wochen und Monaten still geworden um GW1433ff. So lautet der Name der Wölfin, die im November ein Schaf in Altenholte gerissen hatte (die BM berichtete). „Ob die Wölfin noch hier in der Gegend ist oder ob sie weitergezogen ist, kann man tatsächlich einfach nicht sagen“, sagt Birkhahn auf Anfrage unserer Redaktion.

Wie kommt der Experte dem Wolf auf die Schliche? Wenn der Lindlarer zu einem Einsatz, wie dem bei den Hückeswagener Schafzüchtern Monika und Manfred Schröter in Altenholte, gerufen wird, geht es ein wenig zu wie im „Tatort“ am Sonntagabend. In der Tat ist da von „forensischer Tatortuntersuchung“ und von „DNA-Tests“ die Rede. Denn nur so kann mit absoluter Sicherheit gesagt werden, dass das getötete Tier von einem Wolf gerissen wurde – oder eben nicht. „Es gibt einige Merkmale, die ich vor Ort schon überprüfen kann. Etwa, dass es Bissspuren an den Hinterläufen gibt. Denn der Wolf will seine Beute natürlich erst einmal zu Fall bringen“, erläutert Birkhahn. Dann gehe es ganz schnell: Der Wolf töte das andere Tier, indem er ihm die Kehle zudrücke. „Das ist quasi Tod durch Erwürgen“, sagt der Wolfsexperte. Unabhängig davon nehme er an verschiedenen Stellen des toten Tiers Abstriche, die dann zur Analyse zum Senckenberg-Institut in Frankfurt geschickt werden. „Nur das kann 100-prozentige Gewissheit geben“, macht Birkhahn deutlich.

Manfred Schröter aus Altenholte mit einem Teil seiner Schafe. Foto: Stephan Büllesbach

Wann wird die Region zum Wolfverdachtsgebiet? Unterschieden wird bei der Einstufung der jeweiligen Regionen zwischen „Wolfsverdachtsgebieten“ und „Wolfsgebieten“, erklärt der Experte. „Damit eine Region zum Wolfsverdachtsgebiet erklärt wird, muss die Anwesenheit ein- und desselben Wolfs innerhalb von drei Monaten mehrfach nachgewiesen werden.“ Damit eine Region ein Wolfsgebiet werde, müsse das Tier innerhalb von sechs Monaten mehrfach in Erscheinung treten. Das Viereck Lindlar, Nümbrecht, Rösraht und Hennef sei zum Wolfsverdachtsgebiet erklärt worden, für Hückeswagen sei die Maßnahme aber nicht in Kraft getreten, sagt Birkhahn. „Die Wölfin ist nicht mehr aufgetaucht. Sie könnte natürlich verendet sein, vielleicht ist sie aber auch einfach weitergezogen.“

Was ist mit Tierkadavern, die gefunden werden? Dem Hückeswagener Hegeringleiter Johannes Meier-Frankenfeld sind in den vergangenen Wochen immer wieder Bilder mit Tierkadavern aus der Purd, aus Marke oder von Mittberg zugespielt worden. Da nun aber davon auszugehen, dass immer der Wolf daran schuld sei, sei verkehrt, betont Birkhahn. „Zunächst einmal muss man davon ausgehen, dass Tiere auch ganz normal verenden. Und dann kommen Aasverwerter“, sagt der Wolfsexperte. Die würden das verendete Tier nach und nach auffressen. Das könne auf den ersten Blick aussehen, als hätte hier ein Wolf zugeschlagen. „Das muss aber in jedem Einzelfall überprüft und nachgewiesen werden.“


Wie frisst der Wolf? Der Wolf verzehrt von seiner Beute als Erstes die Innereien, wobei er den Magen verschmäht. „Er kann, im Gegensatz zum Haushund, kein Gemüse verdauen. Danach geht er auf das Muskelfleisch über“, erklärt Birkhahn. Allerdings überfresse sich der Wolf nicht. Ist er satt, lässt er den Kadaver zurück. „Das lockt dann andere Aasverwerter an, etwa den Fuchs. Deswegen müssen wir auch unterschiedliche Proben nehmen, weil wir von entsprechenden Verunreinigungen durch andere Tiere ausgehen müssen. Der Nachweis muss zu 100 Prozent stimmig sein“, betont der Wolfsexperte. Deswegen dauere es auch seine Zeit, bis der vorliege. „Aber seit dem Nachweis in Altenholte Ende 2019 wurde in Hückeswagen keine Wolfsaktivität mehr nachgewiesen“, stellt Birkhahn klar.

Ist der Wolf für den Menschen gefährlich? Das sei der große Mythos, sagt Birkhahn. „Tatsache ist aber, dass der Wolf für den Menschen keine Gefahr darstellt. Sollte man einem Tier begegnen, ist das korrekte Verhalten, Abstand zu halten und gegebenenfalls laut zu schreien und sich groß zu machen – etwa indem man mit der Jacke wedelt. Man sollte nur nicht auf den Wolf zugehen“, warnt der Wolfsexperte. Die Zahlen sprächen da eine deutliche Sprache: „Seit 1999 ist der Wolf wieder in Deutschland ansässig. Die Zahl der Angriffe auf Menschen: exakt Null.“

Wie ist die Situation bei den Schäfern aus Altenholte? Monika und Manfred Schröter haben rund 140 Schafe – und die müssen demnächst auf die Wiesen. Ohne besonderen Schutzzaun. Denn hierfür fehlt die Einstufung Hückeswagens als Wolfsverdachtsgebiet. Manfred Schröter ist enttäuscht und fühlt sich allein gelassen. „Ich hätte gedacht, dass es mittlerweile in den Köpfen in der Landesregierung angekommen ist, dass prophylaktisch etwas getan werden muss. Natürlich sind in den vergangenen Monaten keine Schafe gerissen worden – die waren alle im Stall“, sagt er. Er hoffe, dass die vorhandenen Zäune zum Schutz ausreichten, ist aber skeptisch. „Es ist, als würde man in einen Kindergarten eine geladene Waffe legen – und hofft, dass nichts passiert“, sagt der Nebenerwerbsschäfer.