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Hückeswagen: Die Senioreneinrichtungen haben sich auf Besuche eingestellt

Altenheime in Hückeswagen : Vorsichtige Lockerung in Altenheimen

Seit Muttertag sind auch in den drei hiesigen Senioreneinrichtungen wieder Besuche möglich. Diese finden allerdings unter hohen Hygieneschutzmaßnahmen statt, was bei den Angehörigen auf großes Verständnis stößt.

Der Muttertag am Sonntag markierte für viele Angehörige älterer Menschen in der Schloss-Stadt einen Wendepunkt. Waren doch zum ersten Mal seit Mitte März wieder Besuche in den drei Senioreneinrichtungen Hückeswagens möglich. Wenngleich mit strengen Auflagen, so konnte doch Mutter, Vater oder Großeltern wieder einmal von Angesicht zu Angesicht am gleichen Tisch begegnet werden. Dabei sei es zu zahlreichen sehr emotionalen Situationen gekommen, wie Georgina Kovacs, Leiterin des Johannesstifts, und die dortige Hygienebeauftragte Stefanie Gotzmann-Hessel berichten. „Wir hatten schon das eine oder andere Mal einen Kloß im Hals, weil wir immer wieder darauf hinweisen mussten, dass man sich eben nicht umarmen durffe“, sagt Stefanie Gotzmann-Hessel. „Es war emotional, traurig, glücklich – alles gleichzeitig“, bestätigt die Heimleiterin.

Für die Besucher, die sich im Vorfeld anmelden mussten, wurden Termine vergeben. Weil der Andrang so groß war und nur sieben Besucher gleichzeitig da sein konnten, wurden die Termine auf eine halbe Stunde beschränkt. „Wir haben 135 Bewohner, das ist eine ganze Menge. Wir haben für die Besuche sieben Zelte im Freien aufgestellt, in denen sie sich mit ihren Angehörigen treffen konnten“, berichtet Georgina Kovacs. Alle Besucher mussten sich registrieren und bekamen dann eine Hygieneeinweisung am Empfang. Dabei hätten sich alle sehr kooperativ und verständnisvoll gezeigt. Vermutlich auch eine Nachwirkung der mehrwöchigen Quarantäne wegen nachgewiesener Corona-Fälle im Altenheim.

Die Heimleiterin lobt besonders ihr Personal, das nicht zuletzt in der Zeit der Quarantäne extrem gefordert gewesen sei. „Alle Bereichsleitungen und Mitarbeiter haben uns am Muttertag toll unterstützt. Ich weiß von anderen Einrichtungen, die den Muttertag nicht für Besuche genutzt haben. Aber es war uns einfach für unsere Bewohner sehr wichtig – auch wenn es ein bürokratischer und logistischer Großaufwand war.“

Geplant werde jetzt erst einmal in kurzen Zeitabständen, sagt Georgina Kovacs, denn anders sei das derzeit auch gar nicht möglich. „Am Montag kennen wir den Plan bis ungefähr Freitag. Am Mittwoch können wir vielleicht abschätzen, wie es über das Wochenende weitergeht.“ Vom Prinzip her sei aber klar, wie die Besuche funktionierten. „Die Angehörigen können mit Gabriele Kamberg, der Leiterin der Tagespflege, einen Termin ausmachen, sie koordiniert die Besuche. Die Besucher müssen Masken tragen, die Bewohner nicht. Wir hoffen auch hier weiterhin auf Verständnis“, sagt die Leiterin des Johannesstifts. Der Besuch sei nur in Ausnahmefällen im Bewohnerzimmer möglich. Bei gutem Wetter stünden die Zelte zur Verfügung, bei schlechtem Wetter auch die Cafeteria. „Künftig sollen die Besuche bis zu zwei Stunden dauern können. Die halbe Stunde war nur wegen des großen Andrangs am Muttertag nötig“, erläutert Stefanie Gotzmann-Hessel.

Im Ganzkörperschutz müssen hingegen die Angehörigen der derzeit 18 Bewohner im „Wohnwerk“ an der Peterstraße zum Besuch kommen. Zwei der 20 Plätze sind im Moment nicht belegt. „Unsere Bewohner sind demenziell erkrankt, sie würden eine Maske nicht akzeptieren – und auch Abstandsregeln kaum einhalten“, sagt Einrichtungsleiterin Iris Prangenberg-Röntgen zur Begründung für den umfangreicheren Schutz. Die Besuche könnten entweder im Garten oder in der Orangerie stattfinden. Nur bettlägerige Bewohner könnten die Angehörigen auch auf ihren Zimmern besuchen. „Wir sind zum Glück eine kleine Einrichtung, weshalb die Besuche recht einfach zu organisieren sind“, sagt Iris Prangenberg-Röntgen. „Zudem haben wegen des Ganzkörperschutzes schon einige Angehörige gesagt, dass sie die Besuche lieber noch ein wenig aufschieben würden.“ Dieser würde die Senioren vermutlich eher zusätzlich verwirren.

Ein großer Bereich im Erdgeschoss ist im ABC-Pflegeversorgungszentrum im ehemaligen Marienhospital an der Goethestraße für die Besuche vorgesehen. Auch dort dürfen die Angehörigen nicht auf die Zimmer kommen. Geschäftsführerin Dr. Katja Diegmann-Hornig hält die Lockerungen bei den Besuchsmöglichkeiten für eine zwiespältige Sache. „Ich kann es natürlich verstehen, dass die Angehörigen den Kontakt vermisst haben. Aus menschlicher Sicht ist es vollkommen nachvollziehbar, die Besuche wieder zu ermöglichen“, sagt sie. Dennoch müsse man genau im Auge behalten, wohin die Reise gehe. „Außerdem habe ich festgestellt, dass die Besucher auch eher ein Anliegen der Angehörigen als unserer Bewohner sind“, sagt die ABC-Geschäftsführerin.

Dass die bisherigen Schutzmaßnahmen richtig und sinnvoll gewesen seien, könne man im Übrigen daran sehen, dass die fünf Wohneinheiten in Essen, Wuppertal und Hückeswagen mit 125 Mitarbeitern und zirka 60 Bewohnern bis zum heutigen Tag coronafrei seien, stellt Katja Diegmann-Hornig klar.