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Hückeswagen: Die Kolping-Gala-Sitzung funktioniert auch virtuell

Hückeswagener Gala-Sitzung : Kolping-Karneval klappt auch virtuell

Zwar fehlten die Stimmung, die Menschen, das Schunkeln und das Miteinander – aber die digitale Gala-Sitzung war ein Hit. Auch wenn es ein einmaliges Erlebnis bleiben soll.

Volker Weininger, unter Jecken besser bekannt als der (trinkfreudige) Sitzungspräsident, wird’s gefreut haben. Darf er doch endlich einmal am Heukeshowwer Karneval teilnehmen – und sei es nur als virtuelles Grußwort aus seinem Bonner Wohnzimmer. „Immer ne Handbreit Kölsch im Glas“, wünscht er den Hückeswagenern am Bildschirm, vor dem sie die 89. Gala-Sitzung der Kolpingsfamilie verfolgen können. Denn wegen Corona fällt der Karneval in seiner gewohnten Weise zwar aus. Aber die Kolpingsfamilie wäre nicht die Kolpingsfamilie, hätte sie sich nicht etwas einfallen lassen. Und so zählt auf ihrem YouTube-Kanal ein Timer den Countdown auf 20.11 Uhr herunter.

Klar, es fehlen die ausgelassene Stimmung im Saal des Kolpinghauses, wo sich die Jecken jetzt normalerweise versammelt hätten, das gemeinsame Schunkeln, das miteinander Feiern. Das kann die virtuelle Veranstaltung einfach nicht ersetzen. Aber darum geht es auch nicht. Es ist der – bestens geglückte – Versuch, das zu kompensieren, was das Virus der Gesellschaft genommen hat. Somit kann die 89. Gala-Sitzung durchaus auch als ausgestreckte Zunge in Richtung Corona betrachtet werden.

In vielen Stunden liebevoller Kleinstarbeit haben die Akteure einen fast zweistündigen Film mit aktuellen Beiträgen ebenso wie mit Bonmots aus dem Archiv zusammengestellt. Und so kommt im heimischen Wohnzimmer dann doch ein wenig Karnevalsstimmung auf. Sitzungspräsident Tobias Bosbach hat es sich – wie weiland Waldorf und Stattler in der Muppets-Show – mit Kolping-Vorsitzendem Stefan Teders in dessen Küche gemütlich gemacht. Auf dem Tisch steht Landbier, es gibt Frikadellchen und Käsewürfel, im Hintergrund hängt die orange-schwarze Kolpingfahne, und die beiden sind in voller Elferrat-Montur gewandet. Sie moderieren diese etwas andere Gala-Sitzung gewohnt launig, und man kann nur erahnen, wie sehr ihnen die Interaktion mit dem Publikum fehlt. Kolpingbruder Heinz Pohl hat die Technik verantwortet – und sorgt mit lustigen Farb- oder Effektfiltern für Auflockerung.

Für die sorgen aber auch die vielen Beiträge, die zwar in sich etwas kürzer als gewohnt sind, aber eines deutlich machen: Den Hückeswagenern liegt „ihr“ Karneval so sehr am Herzen, dass sie der Situation ein Schnippchen schlagen und mit Begeisterung ihre Auftritte gefilmt haben. Etwa die „Tratschtanten“ Claudia Eberius und Monika Lübbert von der kfd, die im Freien bei Schneefall lästernd zum Nordic Walking aufbrechen. Oder Peter & Paul, respektive Bürgermeister Dietmar Persian und Diakon Burkhard Wittwer, die sich im Schloss an einer Hückeswagener Version des Bläck-Fööss-Klassikers „En unserem Veedel“ wagen. Das Kinderprinzenpaar, Prinzessin Lahja I. und Prinz Robert I., spricht vom Heimatmuseum aus zu seinen Untertanen – auch hier schneit es. Und NRW-Justizminister und Kolping-Freund Peter Biesenbach sendet Grüße aus dem Landtag in seine Heimatstadt.

Der Trompetentusch wird via Knopfdruck eingespielt, die Gesangseinlagen der Kolpingkids sowie von Michaela Bosbach und Katharina Mehnert kommen genauso aus der 2015-er-Konserve wie der Auftritt der Tanzmariechen von Blau-Weiß Neye. Und immer wieder wird per „Satelliten-Schalte“ zu den Akteuren „nach draußen“ oder „ein Stockwerk höher“ geschaltet.

Robin Teders ist wieder als Professor Schmidt-Lierenfeldt mit einer kleinen Vorlesung in Bergischer Landeskunde vertreten, „Rä-Te-Ma-Teng“-Mitgründer Peter Goldstraß spricht aus Kleinberghausen ein paar Worte, und die Kolpingjugend bietet die „Altpapiersammlung aus dem Homeoffice“ an – natürlich per witzigem Zoom-Meeting.

Beim Auftritt von Stefan Teders als Weber vom Island zeigt sich dann sogar ein kreativer Vorteil zur Sitzung im Kolpinghaus. Wenn das Keyboard von Sohn Julius etwa mit der Flex „gestimmt“ wird, ist das schon großes Kino. Und auch der „Piano Man“ von Billy Joel in der Weber-Version ist schön, wenngleich auch, vielleicht unbewusst, ähnlich melancholisch gestimmt wie so manch anderer Beitrag der Sitzung.

Aber es wäre natürlich auch ungewöhnlich, wenn die Stimmung nicht doch zumindest ein wenig durch die Umstände getrübt würde. Davon ist allerdings bei Paul Posthorn (Heinz Pohl) genauso wenig zu merken, wie beim „Kolpingjugend-Fanfaren-Corps 1966 e.V.“ (Mathias Pohl und Tobias Friedrich). Der eine telefoniert – mit dazugehöriger Videoschalte – unter anderem mit Ex-US-Präsident Donald Trump und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Die anderen stellen den „Rä-Te-Ma-Teng“ im Homeoffice nach. Beides wäre auf der Bühne im Kolpinghaus so schwer umsetzbar gewesen. Und auch Heinz Pohl und Michael Loh als „Küttel vam Morjenstern“ überzeugen einmal mehr mit Spielfreude, witzigen Texten und einer ansprechenden Split-Screen-Optik, die eher an Musikvideos erinnert als an Videokonferenzen.

Nach gut zwei Stunden ist dann Schluss – was bleibt ist ein angenehm warmes Gefühl im Magen, das zumindest doch ein wenig Normalität möglich gewesen ist. Und Dankbarkeit für die Kolpingsfamilie und ihre Kreativität. Die 89. Gala-Sitzung wird in die Stadtgeschichte eingehen – weil sie zeigt, dass Zusammenhalt und Lachen stärker sind als ein Virus.