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Hückeswagen: Die Hitze ist eine Gefahr für Wald und Mensch

Hückeswagener Sommer 2020 : Die Hitze ist eine Gefahr für Wald und Mensch

Die Temperaturen sollen zwar etwas zurückgehen, die Waldbrandgefahr bleibt aber hoch. Auch besteht die Gefahr durch plötzlichen Astbruch, wie ein Mitarbeiter des Revierforstamts mitteilt.

Der Borkenkäfer hat ganze Arbeit geleistet, und mit ihm seine „Verbündeten“ Hitze und Trockenheit. Die Fichtenwälder in Hückeswagen und den übrigen Teilen des Bergischen Landes sehen teilweise verheerend aus. Wo einst sattes Grün das Bild im Sommer bestimmte, übernimmt immer mehr das Braun oder Grau der abgestorbenen Fichten und Kiefern das Bild. Auch die Schnelligkeit, in der sich ein grüner Fichtenbestand in eine tote Fläche ist besorgniserregend. „Mitte Juni war noch alles grün, jetzt ist alles braun“, berichtet der Hückeswagener Revierförster Heiner Grüter von seinen Beobachtungen. „Wir kommen einfach nicht mehr hinterher.“ Es klingt nach Resignation.

Zwar ist der Sommer 2020 nicht ganz so fatal für die hiesigen Wälder wie die beiden vorherigen, zumal es dann doch etwas mehr Niederschlag gegeben hat. Die Hitze der vergangenen Wochen haben ihnen aber erneut arg zugesetzt – und das ist auch dem Waldboden anzumerken. „Der ist staubtrocken“, betont Grüter. Zudem ist die Waldbrandgefahr deutlich erhöht, wenn auch nicht mehr ganz so hoch, wie noch in der Vorwoche. Dennoch stellt der Revierförster klar, dass eine unachtsam weggeworfene Zigarettenkippe oder das zersplitterte Glas eine Bierflasche im Wald katastrophale Folgen haben könnte.

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Auch der Wupperverband appelliert an alle Beverbesucher, auf offene Feuer rund um die Talsperre zu verzichten. Das ist zwar generell verboten, dennoch ist an heißen Wochenenden immer wieder irgendwo ein Feuerschein zu sehen. „An warmen Tagen erfreut sich Grillen großer Beliebtheit“, berichtet Sprecherin Ilona Fischer. „In der Natur kann dies allerdings zu Problemen führen.“ Lediglich auf den offiziellen Campingplätzen sei Grillen möglich.

Die jüngste Trockenheit hat aber zu einem weiteren Phänomen geführt. So sieht es in manchen Wäldern und Gärten bereits aus wie im Herbst, da sich das Laub der Bäume schon verfärbt und zu Boden fällt. Gefährlich wird’s, wenn ganze Äste herunterfallen, wie Hermann Fröhlingsdorf, Forstbeamter des Regionalforstamtes Bergisches Land, betont. „An den Anblick trockener Fichten haben wir uns in den letzten drei Jahren schon gewöhnen müssen, nun ergreift das Waldsterben auch massiv die Laubgehölze“, hat er festgestellt. Aus der Region mehren sich inzwischen die Meldungen über unvermittelt abbrechende starke Äste. „Vor allem aus großen Buchen brechen unvermittelt Kronenteile aus und stürzen zu Boden“, berichtet Fröhlingsdorf. Und weil diese Äste noch volles Laub tragen und daher extrem schwer sind, stellen sie eine Gefahr für Leib und Leben dar.

„Niemand kann vor dieser Gefahr schützen, da sich vom Boden aus meist nicht erkennen lässt, was in 20 bis 35 Metern Höhe passiert und die Bäume dummerweise von unten vital erscheinen“, macht der Forstbeamte das Problem deutlich. „Eine Entnahme sämtlicher Altbäume ist auch keine Option, da wir grundsätzlich für jeden noch lebenden Baum dankbar sein müssen.“ Zwei solcher Ereignisse hatte es im vorigen Jahr auch in Hückeswagen gegeben, bestätigt Bauhofleiter Magnus Bernhardt. „Die Äste sind aber nicht in den Verkehrsraum gestürzt, es ist nichts passiert.“

Auch Grüters Wipperfürther Kollege Marvin Stiehl hat diesen ungewöhnlichen Astbruch bereits festgestellt. „Da brechen Äste mit 20, 25 Zentimetern Durchmesser plötzlich und ohne ersichtlichen Grund ab“, berichtet er. Dabei sähen solche Äste völlig gesund aus und es sei kein Pilzbefall erkennbar. Stiehl geht davon aus, dass die Temperaturen einen großen Einfluss darauf haben.

„Die genaue Kausalkette für das Abbrechen der Äste ist bisher unklar“, sagt indes Hermann Fröhlingsdorf vom Revierforstamt. Offensichtlich sei aber, dass die anhaltende Trockenheit der vergangenen Sommer einen entscheidenden Betrag dazu beisteuerten. Er rät daher: „Bei Wind geht man besser nicht in den Wald, denn die Kronenbewegung erhöht die Bruchgefahr.“