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Hückeswagen: Die großen Wunder in den kleinen Dingen

Kultur-Haus Zach : Die großen Wunder in den kleinen Dingen

Einblick in die Wunderwelten der Natur gibt der Hückeswagener Fotograf Hans Dieter Schmitz bis 10. März im Kultur-Haus Zach.

Warum immer auf das eine große Wunder hoffen, wenn die vielen kleinen direkt vor der Haustür warten? Hans Dieter Schmitz hat sich auf die Suche gemacht und sie gefunden – oft im eigenen Garten hinter seinem Haus und Fotoatelier an der Wiehagener Straße. Seine Fotomodelle lieferte die heimische Natur, der Fotokünstler musste sie nur selbst erst einmal als solche entdecken. Wer vermutet schon hinter einer gemeinen Stubenfliege, meist lediglich als lästig und hässlich empfunden, ein faszinierendes Geschöpf von überraschender Schönheit?

Was für das bloße Auge zunächst unerkennbar bleibt, hat Schmitz durch das Objektiv der Kamera sichtbar gemacht. Dabei dokumentiert er die Natur nicht nur, er inszeniert fotografisch auch ihre Schönheit durch die optische Betonung von Details und die Licht-Farb-Komposition. „Die Natur muss gefühlt werden“, hat schon der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt gefordert. Dem scheint Schmitz gefolgt zu sein.

Mehr als 30 seiner „gefühlten“ Tier- und Landschaftsbilder sind im Kultur-Haus Zach zu sehen. Es sind erstaunliche Aufnahmen, die die Großartigkeit im Kleinen sichtbar machen. Schmitz ist beim Sehen und Fotografieren zu der Überzeugung gekommen, dass die Natur zugleich Schöpfung und im wahren Sinne des Wortes „schöne Bescherung“, ein Geschenk, ist. Daraus resultiert der Titel seiner Ausstellung.

Naturverbunden ist der 75-Jährige schon seit seiner Kindheit. Er wuchs im Kreis Mayen-Koblenz in einem Jägerhaushalt auf, lebte als Kind zeitweise in der Jagdhütte des Großvaters mitten im Wald. Als junger Mann kam er 1964 nach Hückeswagen. Hinter seinem Haus in Wiehagen legten er und seine Frau Roselinde einen großen Garten an, der dem Fotografen seit Jahren auch als Freiluft-Atelier dient. Dort macht er Auftragsfotografien für Brautpaare, aber eben auch seine Tier- und Naturaufnahmen. Das sei schwieriger geworden, erzählt Schmitz, denn das große Insektensterben hat auch vor seinem Garten nicht Halt gemacht: „Wir haben Wildblumen ausgesät, um Lebensraum für die Tiere zu schaffen, aber die frühere Artenvielfalt und die Menge der Insekten und Kleintiere gibt es nicht mehr“, bedauert er.

Die Rede zur sehr gut besuchten Ausstellungseröffnung am Sonntagnachmittag hielt Bürgermeister Dietmar Persian. Er ist selbst begeisterter Fotograf, wobei er das Fotografieren, anders als der Profi Schmitz, nur als Hobby betreibt. Persian bezeichnete die Natur als „großen Gabentisch“. Man müsse sich aber „schon etwas Mühe machen beim Auspacken und Sehen der Geschenke“. Er zitierte den Satz „Fotografie ist die Kunst, mehr zu zeigen als man sieht“. Das sei Schmitz mit seinen Bildern gelungen. „Sie helfen uns beim Entdecken der Schöpfung“, sagte Persian dem mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Fotokünstler.

Neben den Tierfotos, zumeist Makroaufnahmen in einer Abbildung 1:1, sind in der Ausstellung auch Landschaftsbilder von Schmitz zu sehen, aufgenommen in Hückeswagen aber auch bei Reisen durch Australien und die Schweiz. Die größte Faszination aber geht für den Fotografen immer noch von der Welt direkt hinterm eigenen Haus aus, die für ihn auch nach großen Reisen nichts von ihrem Zauber verloren hat. Wie die ganz gemeine Stubenfliege. Schon Aristoteles hat‘s in der Antike gewusst: „In jedem Geschöpf der Natur lebt das Wunderbare.“ Schmitz pirscht sich mit der Kamera ran.