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Hückeswagen: Der Schlappenbühl brennt – Gastwirt Hugo Vesper im Unglück

Rückblende : Der Schlappenbühl brennt – Gastwirt Hugo Vesper im Unglück

Die Geschichte einer Gastwirtschaft in Oberhombrechen mit kuriosem Namen und einem harten Schicksal.

Es ist der Albtraum eines jeden Hauseigentümers. Erst recht, wenn die wirtschaftliche Existenz davon abhängt: Ein Brand vernichtet das eigene Gebäude und mit ihr viele lieb gewordene Erinnerungen. Am 8. Juni 1909 trifft dieses Schicksal den Gastwirt Hugo Vesper in Oberhombrechen. Denn nicht nur das Haus, auch seine Scheune brennt vollständig ab. Doch Vesper lässt sich nicht unterkriegen und baut beides wieder auf. Es entsteht ein Bauwerk, das heute noch in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem großen Reitstall als privates Wohnhaus existiert.

Absolut legendär ist die Namensfindung der Gaststätte, und noch heute wird diese Geschichte in der Familie Vesper von Generation zu Genration weitergereicht. Als Karl-August Vesper, der Vater von Pechvogel Hugo und der erste in Hückeswagen geborene Vesper, sich im Jahr 1880 im Alter von 39 Jahren entschließt, eine Gaststätte in Oberhombrechen zu eröffnen, ist er knapp bei Kasse. Der Volksmund sagte dazu auf Platt er war „schlapp am Bühl“. Wobei der Begriff „Bühl“ für einen kleinen Beutel steht, der aufgrund fehlender Münzen leer und damit schlaff ist. Karl-August Vesper hatte seinen Namen weg, und fortan traf man sich, wenn ein Gang in die Wirtschaft nahe Karrenstein geplant war, beim „Schlappenbühl“.

Die auch kursierende Version, wonach ein Wanderer gemeint sei, der müde und erschlafft wie ein Beutel in der Gaststätte Einkehr hält, klingt zwar plausibel und eingängig, ist aber nachweislich falsch. Denn die mündliche Überlieferung wurde in einem Dokument des Stadtarchivs in korrekter Form festgehalten.

Bevor Karl-August Vesper, der zuvor als Webermeister in einer Fabrik im Corneliusthal im heutigen Bereich Mühlenweg/Kieköm gearbeitet hatte, die Gaststätte übernahm, gehörte sie einem Bäcker in Oberhombrechen namens C. F. Enneper. Im Jahr 1907 übernahm dann die zweite Generation mit Hugo Vesper das Ruder, der dann zwei Jahre später von dem Unglück betroffen war. Es folgte die dritte Generation 1935 mit Walter Vesper, der 1937 einen Pächter einsetzte. Die Geschichte des Schlappenbühl als Gastwirtschaft endet zirka 1950, nachdem der langjährige Pächter Wilhelm von Hagen wegzog. Walter Vesper wandelte daraufhin den Schlappenbühl in eine Schreinerei um.

Alte Ansichtskarten geben heute noch einen kleinen Eindruck über Aussehen und Bestandteile der Gaststätte. Markant und beliebt war die Außengastronomie. Sie fand sowohl unter großen Bäumen im Schatten als auch in einer Laube statt. Die Attraktion war eine Freiluft-Kegelbahn aus Holz, die bereits 1881 aufgestellt wurde, also ein Jahr nach Eröffnung der Wirtschaft.

Schlappe Wanderer, um die falsche Legende nochmals zu bemühen, sieht man übrigens heute noch dort vorbeilaufen, freilich ohne Einkehr. Sie begehen den Bergischen Panoramasteig auf dem Weg von oder zur Wupper-Talsperre.