Hückeswagen: Der SC Heide macht den zweiten Aufstieg perfekt

Fußball in Hückeswagen : SC Heide macht zweiten Aufstieg perfekt

Vor beeindruckender Kulisse an der Schnabelsmühle bezwang der SC Heide am Sonntagnachmittag Tura Remscheid-Süd mit 2:0. In der nächsten Saison spielt der Kreisliga-B-Aufsteiger aus Hückeswagen somit in der Kreisliga A.

Am Ende ist die Anspannung greifbar. Der Ton auf dem Platz an der Schnabelsmühle wird noch etwas rauer, nachdem die Stimmung schon in der ersten Halbzeit nach einer Roten Karte gegen einen Remscheider fast gekippt war. Eine halbe Stunde vor Abpfiff steht es nur 0:0, doch zum vorzeitigen Aufstieg muss ein Sieg her. Die Spieler des SC Heide, die nicht auf dem Platz stehen, haben mit ihrem Trainer Norman Kirschsieper an der Seitenlinie Aufstellung bezogen. Sie brüllen, feuern an und müssen sich immer wieder vom Schiedsrichter sagen lassen, dass sie zurücktreten sollen. Kirschsieper war da längst heiser.

„Die Anspannung war riesig“, wird Vorsitzender und Stürmer Kevin Zrock später sagen. „Vor dieser Kulisse wollten wir einfach alles klar machen.“ Schließlich geht es um viel: Einen Spieltag vor Saisonende können die Hückeswagener den Aufstieg in die Kreisliga A perfekt machen – es wäre der zweiten Aufstieg in Folge des jungen, erst zwei Jahre alten Vereins.

Etwa 200 Fußballfans – für Kreisliga-B-Verhältnisse so etwas wie eine Rekordkulisse – stehen auf der Tribüne, trommeln, jubeln, unterstützen und beschweren sich lautstark, wenn der Gegner die Geduld der Gastgeber strapaziert. Dann, in der 63. Minute, fällt das erste Tor durch Mats-Ole Sperling für den SCH. Die Trommel wird lauter, aber die Spieler wissen: Noch ist nichts geschafft.

Ausgelassener Jubel nach dem Abpfiff. Foto: Theresa Demski

 Dann kassiert der SC Heide eine Rote Karte, später fliegt noch ein weiterer Remscheider vom Platz, zudem verteilt der Unparteiische zwei Gelbe Karte an die Gastgeber und fünf an die Gäste. In der Nachspielzeit dann die endgültige Entscheidung: Arthur Seifert trifft zum 2:0. Jetzt gibt’s kein Halten mehr: Auch die Spieler von der Bank stürmen auf den Platz, liegen sich in den Armen. Als kurze Zeit später der ersehnte Schlusspfiff fällt, kennt der Jubel auf dem Platz und den Rängen keine Grenzen: Vorbereitete Plakate werden ausgerollt, die Spieler ziehen T-Shirts über und erinnern an die „Aufstiegstour seit 2017“. Bierduschen, Jubeltänze, ein ausgelassenes Dankeschön an die Fans, der Trainer kämpft mit den Tränen. 

 Zwei Jahre nach der Vereinsgründung „an der Theke“ feiern die Sportler vom SC Heide ihren zweiten Aufstieg. „Unser Ziel war: bestehen“, sagt Fabian Pasinski. „Und jetzt steigen wir auf.“ Der Trainer versichert: „Mit dieser Mannschaft habe ich keine Angst vor der Kreisliga A.“ Trotzdem werde es Neuzugänge geben. Ziel sei es, drin zu bleiben und auch von den letzten Zweiflern ernst genommen zu werden. Mit dem wenig schmeichelhaften Label „Retorten-Verein“ habe man sie bedacht. Aber der zweite Aufstieg in Folge spreche für sich.

Und wie lautet das Erfolgsrezept? „Wir sind Freunde und sind es geblieben“, sagt Pasinski. Auch bei Auswärtsspielen sind mindestens 30 Fans dabei – und trommeln. Die Spiele werden inzwischen ins Internet übertragen. In der nächsten Saison geht eine zweite Mannschaft an den Start – „auch damit die Stimmung nicht kippt“, erklärt der Vorsitzende Kevin Zrock. Die einen spielen dann in der Kreisliga A, die anderen fangen in der C-Liga an. „Aber wir sind und bleiben eine Mannschaft“, betont Zrock. „Wir trainieren zusammen, wir feiern zusammen.“

Nächsten Woche will der SCH mit einem Sieg beim Tabellenvierten BV 10 Remscheid II auch noch Meister werden. Ein Bus für das Spiel ist bereits gebucht – der fährt so oft wie nötig. Denn die Fans kommen mit.

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